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Frankfurt. 21.12.2021. Ortsvorsteher (Ortsbeirat 4) Hermann Steib (Gruene) am Festplatz an der Eissporthalle. Neben der Eishalle wird das Bornheimer Familienbad gebaut.
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Ortsvorsteher Hermann Steib am Festplatz an der Eissporthalle. Neben der Eishalle wird das Bornheimer Familienbad gebaut.

Interview mit Hermann Steib

Frankfurt: Wie der Ortsbeirat den Menschen in Bornheim und im Ostend helfen will

  • Boris Schlepper
    VonBoris Schlepper
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Das Jahr im Ortsbeirat 4 (Bornheim, Ostend). Vorsteher Hermann Steib (Grüne) über die Situation der Schulen und den Ostbahnhof.

Herr Steib, vor Jahrzehnten schon wurde der Bau der nordmainischen S-Bahn angekündigt, die vor allem den Frankfurter Osten mit Hanau besser verbinden soll. Im kommenden Jahr soll das Großprojekt tatsächlich auch am Ostbahnhof starten. Eine gute Nachricht?

Es freut uns sehr, dass es endlich losgeht. Bis zum Sommer soll es einen Planfeststellungsbeschluss geben, Ende 2022 werden dann erste Leitungen verlegt, bevor fast der ganze Danziger Platz zu einer tiefen Baugrube wird. Erfreulich ist dabei, dass der Ortsbeirat zuletzt von der Bahn regelmäßig informiert wurde.

Wie geht es später weiter mit dem Vorplatz des Ostbahnhofs?

Wir sind ja seit Jahren immer wieder angesprochen worden, dass das Areal hässlich ist. Wir mussten immer sagen: Erst kommt der S-Bahn-Bau, dann die Gestaltung. 2010 hat es bereits einen städtebaulichen Ideenwettbewerb gegeben, wie es da einmal aussehen kann und wie der Verkehr verlaufen soll. Doch bis zur Realisierung wird es wohl noch bis 2028/29 dauern. Bis dahin muss auch geprüft werden, ob die Pläne noch klimatauglich sind.

Frankfurt: Ortsvorsteher Hermann Steib im FR-Interview

Der Frankfurter Garten, das Urban-Gardening-Projekt in der Mitte des Platzes, muss für die Baustelle weichen. Halten Sie das Grundstück in der Ostparkstraße, das das Grünflächenamt dem Verein angeboten hat, für eine gute Übergangslösung?

Als der Frankfurter Garten 2013 gestartet ist, war bereits klar, dass sie nicht dauerhaft bleiben können. Das neue Plätzchen ist zwar dezentraler, aber noch in der Nähe. Sobald es das Wetter im kommenden Jahr zulässt, sollen auch die Bienen dorthin umziehen.

Dass das Bauwagendorf eines Wohn- und Kulturprojekts neben dem Ostbahnhof Anfang Dezember geräumt werden musste und nach Kalbach umgesiedelt wurde, hat damit nichts zu tun?

Nein. Das Grundstück gehört einem privaten Eigentümer, der das Gebäude abreißen will, um dort ein Hotel zu bauen. Der Ortsbeirat hat sich Ende November dafür ausgesprochen, dass die Leute aus den Bauwagen einen Alternativstandort im Ostend oder innenstadtnah erhalten. Das war für die Stadt zu kurzfristig, darauf hat sie nicht mehr reagieren können.

Frankfurt: Hermann Steib über die Situation an den Schulen

Selbst wenn der Ortsbeirat 4 sich einen Monat vorher dafür eingesetzt hätte: Im Frankfurter Osten stehen der Stadt kaum freie Grundstücke zur Verfügung, weshalb etwa das neue Gymnasium Ost nördlich des Günthersburgparks gebaut werden soll. Ein guter Standort?

Das liegt eigentlich viel zu weit im Westen und ist aus dem Osten, zu dem ja auch die Stadtteile von Bergen bis Fechenheim gehören, alles andere als ideal erschlossen. Die Schüler:innen müssten am Ende vor allem mit der Buslinie M34 fahren und auch noch umsteigen. Ob es überhaupt an dem Standort kommt, scheint aber im Moment infrage zu stehen.

Unbefriedigend ist auch die Situation für Kinder, die in die neuen Quartiere rund ums Honsell-Dreieck ziehen werden. Der Bau der Grundschule auf dem Areal des Clementine-Kinderhospitals am Zoo verzögert sich um Jahre. Wo werden die Mädchen und Jungen unterrichtet?

Da werden wir ein Problem kriegen. Bislang können sie die Uhlandschule besuchen, doch irgendwann wird diese vollends ausgelastet sein. Durch die Neubauprojekte wächst die Kinderschar. Wir haben schon lange darauf hingewiesen, dass wir dringend eine neue Grundschule benötigen.

Frankfurt: Hermann Steib zum Thema Verkehr

Ebenfalls im Ostend liegt der Hafenpark, der in diesem Jahr mehrfach von Hunderten von Feiernden aufgesucht worden ist. Auch gibt es dort zwei Skateranlagen und mehrere Sportfelder. Ist da nicht Ärger mit künftigen Anwohnenden programmiert, die in die Neubauten ziehen?

Man kann davon ausgehen, dass in Zukunft Leute zu uns in den Ortsbeirat kommen werden, um sich zu beschweren. Aber bei der Planung ist berücksichtigt worden, dass es die Anlage gibt. Und dem Wunsch der Skater, dort eine Beleuchtung zu installieren, wurde nicht nur der Fauna wegen eine Absage erteilt, sondern auch wegen der Anwohner. Ob die vielen Feiernden sich im Hafenpark nur corona-bedingt treffen, wird man erst hinterher wissen.

Im Gespräch waren Sie auch mit Bürger:innen wegen der Parkraumbewirtschaftung, die Anfang 2020 in Bornheim gestartet ist. Wie geht es da weiter?

In einem Jahr soll die Zone zwischen Burgstraße und Wittelsbacherallee angegangen werden, wo schon jetzt Bewohnerparken gilt. Nach wie vor erhalte ich Beschwerden von Bürgern, die beklagen, dass durch die Zonen der Parkdruck bei ihnen gestiegen sei. Auch gibt es noch offene Fragen, etwa was mit Gästen ist, die über mehrere Tage bleiben wollen. Oder wie man Bewohnerausweise an Mopeds anbringen kann, ohne dass die geklaut werden.

Ein weiteres Verkehrsthema ist der Ausbau der Radwege. Dafür gibt es jetzt den konkreten Wunsch des benachbarten Ortsbeirats 3, den Sandweg zur Radstraße umzuwandeln. Wie sehen Sie das?

Ich habe zunächst gestutzt, dass der Dreier einen Beschluss gefasst hat, obwohl nur eine Seite der Straße im Nordend liegt, und die andere im Ostend, also in unserem Ortsbezirk. Wir werden das sicher noch diskutieren.

Hermann Steib

Hermann Steib (Grüne), 68 Jahre, Diplom-Volkswirt, ist seit 2016 Vorsteher im Ortsbezirk 4. Das Gremium ist für die Stadtteile Bornheim und Ostend zuständig. Im Ortsbezirk leben rund 60.000 Einwohner. Im Ortsbeirat 4 gibt es derzeit neun Fraktionen. Stärkste Partei sind die Grünen mit sechs Mandaten. SPD und CDU haben jeweils drei Sitze, die Linke zwei. FDP, Ökolinx, Volt, BFF und Die Frankfurter je einen. Stellvertretende Ortsvorsteherin ist Sabine Rosenthal von der SPD. Der Ortsbeirat 4 tagt voraussichtlich am 17. Januar um 19.30 Uhr im Saalbau Bornheim, Arnsburger Straße 24. Die FR blickt mit allen 16 Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern in Frankfurt zurück auf das Jahr 2021. Die Serie erscheint in loser Folge. bos

Frankfurt: Wie Hermann Steib versucht, den Menschen in Bornheim und im Ostend zu helfen

Was hält das Gremium von den Überlegungen der Stadt, den Festplatz an der Eissporthalle für einen Neubau der Europäischen Schule zu nutzen?

Dazu haben wir uns nicht positioniert. Nur so viel: Die Dippemess ist ja keine Bornheimer Veranstaltung. Wenn sie an einen anderen Standort in Frankfurt verlegt wird, ist das auch okay. Thema im Ortsbeirat wurde die Dippemess immer mal durch Beschwerden, dass die Besucher die angrenzenden Straßen zuparken.

Die Pandemie hat auch in diesem Jahr vieles verändert. Sie konnten nur in großen Sälen im Saalbau Bornheim und im Zoo-Gesellschaftshaus tagen, die Besucherzahl war begrenzt. Wie versucht der Ortsbeirat, den Menschen in Bornheim und im Ostend zu helfen?

Wir können nicht viel tun, aber wir haben etwa Geld aus unserem Budget an Vereine gezahlt, damit diese Fixkosten begleichen konnten. Dem Gewerbeverein haben wir jetzt für seine Kampagne unseren Schaukasten in Bornheim-Mitte zur Verfügung gestellt und die Weihnachtsdekoration bezuschusst. Dennoch ist es für den Einzelhandel und die Gastronomie nach wie vor schwer. Es gibt aber auch Pandemiegewinner. Auf der Berger Straße unweit der Höhenstraße hat sich ein Mieter für ein Ladenlokal gefunden, das lange leer stand: ein Testzentrum.

Interview: Boris Schlepper

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