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Seit 25 Jahre gibt es die Interkulturelle Bühne. In Bornheim hat das theater seinen Sitz seit 17 Jahren.

Bornheim

Bornheimer Bühne ist Ort der Begegnung

Die Interkulturelle Bühne feiert ihr 25-jähriges Bestehen. Wegen des Coronavirus ist die Party auf Mai verschoben.

Die Interkulturelle Bühne (IKB) ist ein Ort der Begegnung und des Austausches. Das Ziel von Theatergründer und -leiter Yusuf Kilic ist es, dass die Zuschauer aus den Stücken über Rassismus, Krieg und Kulturen lernen und ihr Handeln im Alltag überdenken, wenn sie eine Situation erleben, die sie im Theater sehen. Beispielhaft nennt Kilic ein Stück, in dem ein Mädchen ohne Deutschkenntnisse nach Geld fragte und abgewiesen wird. Im Alltag sollten sich die Zuschauer an das Stück erinnern und eben kein Mädchen abblitzen lassen.

Yusuf Kilic, Leiter der IKB, auf der Großen Bühne in Alt-Bornheim. 

Er selbst habe noch nie jemanden abgewiesen, der in der IKB ein Stück aufführen wollte, sagte Kilic gestern auf einer Pressekonferenz zum Jubiläum der Bühne. So zählt er seit 25 Jahren mehr als 100 Veranstaltungen pro Jahr. Die Bühne feiert acht Premieren jährlich.

Als großen Erfolg sieht es der Leiter an, dass sein Theater noch immer besteht und er eine eigene Spielstätte hat. Los ging es für Kilic nämlich im Kirchenraum der Dreifaltigkeitskirche in Bockenheim, später spielte er im Jugendzentrum des Internationaler Bunds im Gallus.

Bereits seit 17 Jahren betreibt er die Spielstätte in Alt-Bornheim und ist froh über jeden einzelnen, der mitmacht. „Wir sind offen, wir sind frei, nur erwarten wir Ernsthaftigkeit“, sagte er. Kilic freut sich darüber, dass die Stadt Frankfurt zeigt, dass sie die IKB als Theater ernst nimmt, indem sie seit zwei Jahren mit 1200 Euro im Monat fördert.

Jubiläumsfeier

Akteure der Interkulturellen Bühnewerden in mehreren U-Bahnen Richtung Römer am Samstag, 16. Mai, Pantomime aufführen. Gegen 17 Uhr werden die Gruppen am Römerberg sein und ein Stück aufführen.

Eine Partyfindet ab 19 Uhr in den Räumen der Interkulturellen Bühne, Alt-Bornheim 32, statt, bei der jeder mitfeiern kann.

Bei Interesse an der Sternfahrtteilzunehmen und Pantomime aufzuführen, kann man sich melden per Mail an info@interkulturelle-buehne.de. Die Proben werden am Mittwoch, 6. Mai, und Mittwoch, 13. Mai, stattfinden. 

Der Theatergründer hat seinen eigenen Willen. Preise, die nur ihn persönlich auszeichnen sollten, nicht aber alle am Theater beteiligten Akteure, habe er abgelehnt. Ebenso Auszeichnungen von Institutionen, von denen Kilic glaubt, sie wollten sich nur selbst profilieren, indem sie sein Theater würdigten.

Vor 25 Jahren gründete der Theaterleiter die Interkulturelle Bühne aus Protest. Kilic war Schauspieler, ihn habe gestört, dass er wegen seines Äußeren häufig einen Drogendealer, Zuhälter oder Vergewaltiger habe spielen müssen. „Niemand hat über die Interkulturalität gesprochen.“ Mit seinem Theater wollte er zeigen, dass in einer multikulturellen Gesellschaft Klischees nicht zum Maßstab für Theaterrollen werden sollten.

Bei der IKB passt er die Rollen den Schauspielern an. In vielen Stücken werden mehrere Sprachen gesprochen. „Wenn die Zuschauer die Antwort auf Deutsch verstehen, wissen sie auch, was gefragt wurde“, sagte Regisseurin Anette Quentel, die das Theaterstück „Ein Volksfeind“ von Henrik Ibsen im Mai auf die Bühne bringt (siehe Artikel unten). „Jede Sprache hat ihre eigene Melodie“. Eine fluchende Italienerin muss man nicht verstehen, es reiche zu erkennen, dass sie fluche.

Der ehrenamtliche Schauspieler Nico Strauch im Fundus der Bühnen. 

Quentel arbeitet seit zwölf Jahren bei der Bühne. Ihr größter Erfolg ist es, wenn die Zuschauer im Theater mitfühlen und ihr Tage nach dem Stück erzählen, sie hätten bis vier Uhr morgens über das Stück diskutiert. Das Publikum sei sehr vielfältig. „In der IKB treffen sich Menschen aus aller Welt, genauso wie aus der Nachbarschaft“, sagte Kilic und ist froh, dass sein Theater ein Ort für den kulturellen Austausch ist.

Kilic und Regisseurin Quentel planen zur Jubiläumsfeier eine Sternfahrt in mehreren U-Bahnen. In den Wagen möchten sie, so möglich, zusammen mit Freiwilligen, Pantomime-Darstellungen zeigen. Die Sternfahrt führt zum Römer. Dort treten die Akteure auf. Was genau zu sehen sein wird, nimmt Kilic nicht vorweg. Im Anschluss lädt er in die Interkulturelle Bühne ein. „Mit Karaoke, Tanzen und Buffet sollen die Menschen sich wie zu Hause fühlen“, sagte er.

Die Sternfahrt und die folgende Jubiläumsparty waren ursprünglich für den kommenden Samstag geplant. Wegen des Coronavirus wird sie auf den 16. Mai verlegt. Außerdem schließt Kilic, die IKB im März und April.

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