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Stadtteilbotschafterin Olivia Hildebrandt (rechts) geht auf Tour durchs Viertel, hier mit Moritz Waechter und Judith Schneider (Mitte).

Frankfurt-Bornheim

Bornheim: Ein neuer Blick auf die Nachbarschaft

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Die Stadtteilbotschafterin bietet Rundgänge durchs Viertel an. Vom Firmensitz der FES geht es ins kleinste Museum der Stadt.

Die Teilnehmer der Stadtteiltour staunen, als sie die Pforten des Luisenhofes passieren und dahinter den Firmensitz der FES in seiner ganzen Größe bestaunen können. Zugegeben, ganz fremd ist das Gelände den meisten nicht. „Hier bringe ich doch immer meine Batterien hin“, sagt ein Teilnehmer. Michael Werner, Sprecher der FES, nimmt die Gruppe in Empfang und klärt darüber auf, dass in seinem „Müllschlösschen“ früher ganz besondere Karossen verkehrten, die „Universal-Sammelwagen für Straßenkehricht“.

Die rund zweistündige Stadtteiltour, die vom Günthersburgpark über den FES-Firmensitz im Luisenhof bis an die Schwelle der verborgenen Archivräume des Bernemer Museumslädchen führte, ist Teil des Programms „Home is where your Neighbourhood is“ (Dein Zuhause ist, wo Deine Nachbarschaft ist) der Stadtteilbotschafterin Olivia Hildebrandt.

„Ich möchte den Bornheimern die Möglichkeit bieten, neue Leute, weniger bekannte Orte und neue Möglichkeiten im Stadtteil kennenzulernen“, sagt die 25-jährige Sport -und Jurastudentin.

„Ich selbst wohne seit ein paar Jahren in Bornheim und bin hier richtig happy“, sagt Hildebrandt. „Der Stadtteil ist auf überschaubarem Raum sehr vielfältig, Familien sind hier ebenso zu Hause, wie Studenten.“ Ursprünglich wollte sie im Günthersburgpark zum Sportfest laden, da der Sport als Motor viele Menschen zusammenbringe.

Da das Grünflächenamt hierfür keine Möglichkeit sieht, führt die Stadtteilbotschafterin die Teilnehmer charmant durch den Park. Am 29. März, 24. April und 24. Mai sind weitere Touren mit Spiel-, Tanz- und Pflanzaktionen geplant. „Ich habe auch selbst viel Spaß an diesen Aktivitäten, die ich in ein buntes Programm einfließen lassen kann.“

Die „Stadtteilbotschafter“ sind ein Nachbarschaftsprojekt der Frankfurter Stiftung Polytechnische Gesellschaft, an dem sich 2019/20 insgesamt 15 junge Menschen beteiligen. Sie veranstalten Sport- und Kulturfeste, nachhaltige Kochkurse, Workshops für Straßenkunst und vieles mehr.

Wie der Günthersburgpark, den Mayer Carl von Rothschild 1855 mit einem Sommerpalais anstelle der früheren Günthersburg bebaute und 1892 für die Bürger öffnete, verdankt auch der Luisenhof seine Entstehung der international bekannten Frankfurter Bankiersfamilie. „Mayer Carl ließ das Anwesen für seine Frau Luise errichten, die hier sogar eine Milchwirtschaft betrieb“, erzählt Michael Werner.

1996 zog hier nach einigen Restaurierungsarbeiten die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) ein, die nicht nur für die Straßenreinigung und Müllentsorgung zuständig ist, sondern auch Schulbusfahrten für Behinderte anbietet. Werner zeigt das denkmalgeschützte Gebäude mit dem Glockenturm, der mit Rücksicht auf umliegende Kirchtürme jeweils zwei Minuten vor Dienstbeginn und Dienstschluss läutet, führt durch den „Hof zum Lustwandeln“ mit historischen Sichtachsen und erklärt anhand des Betriebshofes mit zahlreichen Hallen, Behältern und Fahrzeugen für Abfall- und Räumungsdienste, warum sein Müllschloss wegen so viel Betriebsamkeit normalerweise kein öffentlicher Ort ist.

Dann geht es weiter zum Bernemer Museumslädchen, das als „kleinstes Museum Frankfurts“ seine Heimat in einem historischen Fachwerkhäuschen in der Turmstraße 11 gefunden hat. Hier ist derzeit eine Fotoausstellung vom Bürgerverein und Förderkreis Historisches Bornheim zu sehen, der seit seiner Gründung 1890 zunächst Bürger- und Bezirksverein war.

Infos für die Bewerbungen als Stadtteilbotschafter 2020/21 finden sich auf www.stadtteilbotschafter.de.

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