Ausbilderin Barbara Bicer zeigt Obse Yadeta li.) und Sharnjit Kaur Ahluwalia (re.) das Sortiment im Bereich Büro- und Schreibbedarf. Foto: Michael Faust
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Ausbilderin Barbara Bicer zeigt Obse Yadeta li.) und Sharnjit Kaur Ahluwalia (re.) das Sortiment im Bereich Büro- und Schreibbedarf.

Frankfurt-Bornheim

Bornheim: Karriere durch den Schub-Laden

Ausbildungsprojekt für junge Frauen an der Spessartstraße ist erfolgreich. Wiedereröffnung nach Renovierung.

Sharnjit Kaur (27) hat im vergangenen Jahr vor der Industrie- und Handelskammer ihre Prüfung zur Verkäuferin mit einem „sehr gut“ abgelegt und gehört damit zu den Besten ihres Jahrgangs. Ihre Ausbildung begann sie vor zwei Jahren im „Schub-Laden“ in der Spessartstraße 11 und nutzte die Chancen, die ihr das Ausbildungsprojekt von Faprik bietet, einer gemeinnützigen GmbH, die als Träger der Jugendberufshilfe anerkannt ist.

Seit sechs Jahren lebt die gebürtige Inderin in Deutschland. Die Arbeit im Verkauf macht ihr Spaß, sagt sie. „Vor meiner Ausbildung habe ich ein dreimonatiges Praktikum im Geschäft gemacht, um zu schauen, ob mir der Beruf gefällt.“ Nach dem IHK-Abschluss hat sie noch ein drittes Jahr angeschlossen, will die Abschlussprüfung zur Kauffrau im Einzelhandel ablegen.

Im dualen System können die Auszubildenden des Projekts, allesamt junge Frauen im Alter von 16 bis 27 Jahren, im Geschäft oder in Kooperationsbetrieben praktische Erfahrungen sammeln. Dazu gehört zum Beispiel der Kontakt zu Kunden, Warenbestellungen oder die Inventur. An zwei Tagen in der Woche geht es in die Berufsschule.

Begleitet werden die jungen Frauen von Barbara Bicer, seit sechs Jahren Ausbilderin im Projekt. Außerdem stehen ihnen zwei Sozialarbeiterinnen zur Seite, die beraten. „Alle Auszubildenden sind junge Frauen, die in Frankfurt leben und aus unterschiedlichen Gründen Schwierigkeiten haben, auf dem ersten Ausbildungsmarkt Fuß zu fassen“, erklärt Beate Fuhrich, die das Ausbildungsprojekt leitet.

Ein Erfolgsprojekt. „Seit den Anfängen vor mehr als 30 Jahren, haben weit mehr als 100 junge Frauen ihren Abschluss gemacht“, sagt sie stolz. Auch in diesem Jahr würden neun Auszubildende ihre Prüfung vor der IHK ablegen. „Ich bin sicher, dass es alle erfolgreich bestehen werden.“

14 Tagen lang war das Geschäft wegen Renovierung geschlossen. Kunden finden dort Schreibwaren und Papeterie. „Schon lange wollten wir etwas ändern“, erzählt Fuhrich. Dass dies jetzt möglich wurde, sei der Unterstützung des Lions Clubs Palmengarten zu verdanken, der die Kosten übernommen und bei der Vermittlung eines Handwerksbetriebes und der Organisation behilflich gewesen ist.

Mittlerweile ist das Warenangebot – Produkte, die aus umweltfreundlichen und zertifizierten Materialien hergestellt sind und überwiegend aus Deutschland kommen – wieder in die Regale einsortiert: Der Fußboden ist mit Hilfe von Handwerkern ausgetauscht, die Wände in einem zarten Mint gestrichen.

Dafür mussten alle tüchtig anpacken. „Die Regale mussten leer geräumt, die Waren inventarisiert und verpackt werden“, zählt Fuhrich auf. Sie lobt das Engagement der aktuell 19 Frauen, die sich für das Gelingen der Neugestaltung des Geschäfts ordentlich ins Zeug gelegt hätten.

Zu ihnen gehört Obse Yadeta (19), die vor vier Jahren aus Äthiopien nach Frankfurt kam. Sie lebt in einer betreuten Wohngemeinschaft, ihre Betreuerin machte sie auf das Ausbildungsprojekt aufmerksam. Zum 15. August 2019 startete sie ihre Ausbildung zur Verkäuferin und fühlt sich mit dieser Entscheidung immer noch sehr wohl.

Im Projekt, das vom Jugend- und Sozialamt der Stadt Frankfurt gefördert wird, werden zum kommenden Ausbildungsjahr wieder Plätze frei. Info im Netz unter: www.faprik.com

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