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Bernhard Ochs beim Frankfurter Fastnachtsumzug 2016.
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Bernhard Ochs beim Frankfurter Fastnachtsumzug 2016.

Kommunalpolitik

Bornheim: Das Original tritt ab

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
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Bernhard Ochs zieht sich nach einer Herz-OP aus der Frankfurter Kommunalpolitik zurück. Zu seiner Reha gehörten auch Kontrollgänge auf der Berger Straße, kündigt das Original launig vom Krankenbett aus an.

Ein Urgestein der Frankfurter Kommunalpolitik zieht sich aus dem Geschäft zurück. Bernhard Ochs ist zum 31. Dezember von seinem Ortsbeiratsmandat zurückgetreten. Es gehe ihm „derzeit weniger gut“, lässt der 73-Jährige über eine Rundmail ausrichten. Gewohnt offen berichtet Ochs: „Kurz vor Weihnachten wurde ich am Herzen operiert und lag einige Tage im Krankenhaus.“ Das sei ganz ohne Vorankündigung geschehen, schreibt er weiter. Nun sei er zumindest wieder zu Hause und werde „bestens umsorgt“.

Nachfolger für die „Frankfurter“ im Ortsbeirat 4 (Bornheim / Ostend) wird Peter Schmidt, den Ochs ausdrücklich als „meinen Freund“ bezeichnet. Schmidt sei schon eine Wahlperiode lang Mitglied im Ortsbeirat gewesen und kenne sich somit aus. Er sei auch erfahrener Vereinsvertreter. Bei den Kommunalwahlen im März war Schmidt auf Platz 1 der Liste der „Frankfurter“ für den Ortsbeirat ins Rennen gegangen. Ochs dagegen auf Rang 8, weil er eigentlich wieder in die Stadtverordnetenversammlung einziehen wollte. Dafür reichten die Stimmen nicht, bei der Abstimmung über die Ortsbeiratsliste kummulierten und panaschierten die Bornheimer ihren bunten Hund aber ganz nach oben.

Kein Wunder, Ochs blickt zurück auf 18 Jahre als Stadtverordneter und 13 Jahre als Ortsbeirat, davon fünf Jahre als Ortsvorsteher des 4ers. „Es war für mich ein guter Lebensabschnitt, meiner Vater- beziehungsweise Mutterstadt Frankfurt und meinem Stadtteil Bornheim so lange dienen zu dürfen“, schreibt Ochs etwas pathetisch. Gedient hat er auch anderweitig. Ochs ist neben seinem politischen Wirken sehr aktiv im Vereinsleben, wenn sich das auf kommunaler Ebene überhaupt so klar trennen lässt.

Von 1991 bis 2003 war der 73-Jährige Vorsitzender des Vereinsrings Bornheim, der die Interessen von rund 70 Vereinen mit mehr als 30 000 Mitgliedern vertrat. 2003 wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Ochs ist auch Stadtteilhistoriker, hat die Gründung des „Bernemer Museumslädchens“ initiiert. In dem unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhaus an der Turmstraße 11 wird die Geschichte Bornheims aufgearbeitet, zudem werden Ausstellungen und Mundartabende veranstaltet. Gerade erst ist der neue Stadtteilkalender „Wir in Bornheim“ erschienen, den Ochs mitkuratiert. Seit 1992 bietet Ochs Führungen durch seinen Stadtteil an, kostümiert, versteht sich.

„Das Ehrenamt hat in meiner Familie Tradition“, hat Ochs einmal gesagt. Seine Mutter war Sozialpflegerin der Stadt, der Vater im Vorstand eines Sportvereins und anderen Vereinen. Der Großvater war ehrenamtlicher Stadtverordneter, Gewerkschafter, Genossenschaftler und Vereinsmensch. „Das steckt positiv an und nur so funktioniert Demokratie und gesundes Staatswesen.“

Auszeichnungen hat der Bornheimer für sein Wirken viele erhalten. 2020 etwa das Verdienstkreuz am Band. „Sein ganzes Engagement kann ich nicht schildern, sonst wären wir noch lange hier“, scherzte OB Peter Feldmann damals in seiner Laudatio über den früheren Parteifreund.

Der war 37 Jahre lang SPD-Mitglied, ist dann aber aus persönlichen Gründen ausgetreten. „Aber so wie man Christ sein kann, ohne der Kirche anzugehören, kann man auch Sozialdemokrat ohne Parteibuch sein“, hat Ochs im FR-Interview zur jüngsten Kommunalwahl über sich gesagt. Als solcher sehe er sich politisch „etwas links der Mitte“.

Bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sei das wichtigste Thema in Frankfurt. Auch der Gentrifizierung entgegenzuwirken, „die wir hier in Bornheim und im Ostend sehr stark erleben“. Außerdem müsse der Einzelhandel gestärkt werden. „Schon vor der Corona-Pandemie standen viel zu viele Geschäfte leer.“ Was an den teils „absurden Mietpreisen“ liege.

„Zu meinen künftigen Rehabilitationsmaßnahmen gehören Spazier- oder Kontrollgänge auf der Berger Straße und durch das lustige Dorf“, kündigt Ochs nun vom Krankenbett aus an. Er freue sich auf Begegnungen „im schönsten Teil Frankfurts“.

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