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„Bitte nicht noch mehr Ketten“

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Parminder Kaur mit ihrer Hündin Rocky am Bornheimer Uhrtürmchen.
Parminder Kaur mit ihrer Hündin Rocky am Bornheimer Uhrtürmchen. © Renate Hoyer

Die neue Vorsitzende des Gewerbevereins Bornheim Mitte, Parminder Kaur, über den Wandel der Berger Straße. Und darüber, wie sie die Gewerbetreibenden der Einkaufsmeile und der angrenzenden Straßen stärken will.

Parminder Kaur ist die neue Vorsitzende des Gewerbevereins Bornheim Mitte. Im Juli hat die 40-Jährige den Posten von Franz Steul übernommen, der den Zusammenschluss vor 24 Jahren gegründet hat und nicht mehr angetreten ist.

Frau Kaur, Sie sind seit zwei Monaten im Amt. Haben Sie schon konkrete Pläne, was Sie auf der Berger und in den Seitenstraßen alles verändern wollen?

Nein. Derzeit höre ich mich bei unseren Mitgliedern um, was ihnen auf den Herzen liegt. Dafür habe ich inzwischen fast alle einmal besucht. Vielen geht es nicht gut, ein großes Problem ist der Personalmangel, was ja ein bundesweiter Trend ist.

Wie helfen Sie Ihren Mitgliedern?

Wichtig sind etwa gemeinsame Aktionen, wie es sie auch in der Pandemie schon gegeben hat. Etwa die Aktion Frankfurt-Restart, mit der die Händler gezeigt haben, dass sie wieder ihre Türen für die Kundschaft öffnen. So etwas stärkt die Gemeinschaft – und bei den Kunden hat es für eine Zugehörigkeit gesorgt.

Ist es den Menschen denn wichtig, wo sie einkaufen?

Viele wollen das lokale Gewerbe unterstützen. Ich höre häufig, dass man auf Einkäufe im Internet verzichtet, da man bei uns vor Ort den persönlichen Kontakt hat und beraten wird.

Dennoch wird der Online-Handel für stationäre Gewerbetreibende ein Problem darstellen.

Ja, deshalb wünschen sich unsere Mitglieder, dass wir gemeinsam mehr Werbung machen. Dafür wollen wir etwa möglichst regelmäßig auf dem Wochenmarkt mit einem Aktionsstand auf den Gewerbeverein aufmerksam machen. Dort können wir zeigen, was wir machen und wie vielfältig Bornheim ist – vor allem in den Seitenstraßen gibt es Händler, die kennen nicht alle.

Ein weiteres Problem ist der Leerstand. Zwischen Höhen- und Eichwaldstraße gibt es derzeit mehrere brachliegende Gewerbeflächen. Wer sollte diese Ihrer Ansicht nach übernehmen?

Es wäre schön, wenn dort Händler einziehen, die ein Alleinstellungsmerkmal haben, etwa ein Schokoatelier, Delikatessen- oder Spezialitäten-Läden. Möglichst nicht noch mehr Ketten bitte, um den individuellen Charakter der Berger Straße zu wahren.

Zur Person

Parminder Kaur ist sei Juli Erste Vorsitzende des Gewerbevereins Bornheim Mitte. Kaur ist Mutter einer elfjährigen Tochter.

Die 40-Jährige hat zunächst eine Ausbildung als Hotelier in Heidelberg gemacht. Später war sie im Marketing aktiv, inzwischen im Bereich Retail-Marketing, wo sie neben ihrem Wein- und Spirituosen-Laden hauptberuflich arbeitet. Das Geschäft in der Mainkurstraße 8 betreibt sie seit Anfang 2021 mit einem Sommelier und zwei Aushilfen.

Der Gewerbeverein Bornheim Mitte hat 63 Mitglieder. Zweite Vorsitzende ist Martina Genzel. Kontakt über www.frankfurt-berger-strasse.de. bos

Was bereitet den Händlern und Händlerinnen zu schaffen?

Es sind vor allem hohen Mieten. Ich will deshalb den Kontakt zum Ortsbeirat und zur Wirtschaftsförderung aufbauen, ob man uns da helfen kann. Denn es ist äußerst schwierig, an die Eigentümer der Immobilien heranzukommen.

In Bornheim Mitte hat der Supermarkt Tegut seit Sommer geschlossen. Wissen Sie, wie es dort weitergeht?

Es heißt, die Filiale bleibe zu, da eine neue am Fünf-Finger-Plätzchen aufmache. Dafür könnte eine Fastfood-Kette kommen, was schade wäre. Denn die zieht keine Kunden für die anderen Geschäfte an und bringt Müll.

Um die Sauberkeit hat sich bislang auch die Zentrenkümmerin, Margit Martin-Marx, gesorgt. Das Programm ist im Juli ausgelaufen. Wollen Sie es fortsetzen?

Auf jeden Fall. Wir hoffen, dass die Wirtschaftsförderung künftig die kompletten Kosten übernimmt. Derzeit warten wir auf eine Rückmeldung. Und wir wollen an Frau Martin-Marx festhalten. Sie kennt alle Händler, ist sehr gut vernetzt. Wir, und damit meine ich auch die Gewerbetreibenden, die ihren Posten als sehr wichtig betrachten, hoffen, dass sie weitermacht.

Sie haben Ihren Wein- und Spirituosen-Laden seit anderthalb Jahren. Wie sind Sie zum Posten der Vorsitzenden gekommen?

Der Gewerbeverein und die Kümmerin haben sich in der Pandemie super um die Gewerbetreibenden gekümmert. Sie haben Aktionen gestartet und informiert, welche Corona-Regeln gerade gelten. Das war eine große Hilfe. Als ich dann vor ein paar Monaten gefragt worden bin, ob ich nicht mehr machen will, habe ich nicht lange überlegt. Auch wenn ich erst dachte, ich soll nur das Amt der Kassiererin übernehmen (lacht).

Franz Steul hat das Amt 24 Jahre lang besetzt.

Er hat große Fußstapfen hinterlassen, aber er unterstützt mich, gibt Tipps, das ist sehr freundschaftlich. Und Martina Genzel, die Zweite Vorsitzende, hilft mir ebenfalls. Gemeinsam kann man mehr erreichen.

Interview: Boris Schlepper

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