Ralf Moritz (53) ist seit 2011 Vorsitzender des Bernemer Kerwe Gesellschaft 1932, die das traditionelle Kirchweihfest ausrichtet. Foto: Andreas Arnold

Bornheim

Bernemer Kerbegesellschaft: „Die Kerwelisbeth ist unsere Heldin“

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Der Vorsitzende der Bernemer Kerbegesellschaft Ralf Moritz zur Kritik an der Tradition, die Schutzpatronin des Kirchweihfests zu verbrennen. Manche sehen in dem Brauchtum einen frauenfeindlichen Ritus und fordern, dass er abgeschafft wird.

Seit mehreren Hundert Jahren wird das Bornheimer Kirchweihfest gefeiert. So auch dieser Tage. Am heutigen Mittwoch endet die 412. Bernemer Kerb. Traditionell wird zum Abschluss die Kerwelisbeth symbolisch verbrannt. Doch nicht jedem gefällt das.

Herr Moritz, manche kritisieren die Tradition der Lisbethverbrennung als unverhohlenen frauenfeindlichen Ritus und fordern, dass er abgeschafft wird. Wie sehen Sie das?
Ich kann die Aufregung nicht nachvollziehen. Die Geschichte unserer Kerwelisbeth ist eine erfundene Saga, wie sie auch andere Kirchweihfeste für ihre jeweiligen Schutzpatrone haben. Bei uns ist es nur eben eine Frau. Der Brauch ist rein symbolisch: Mit der symbolischen Verbrennung der Kerwelisbeth endet unser Fest. Im kommenden Jahr steigt sie dann wie ein Phönix wieder aus der Asche empor – und die nächste Bernemer Kerb kann beginnen.

Moniert wird, dass auf der Homepage des Bernemer Kerbevereins unkommentiert erzählt wird, dass die Lisbeth eine Frau gewesen wäre, „ständig am Keifen, schmuddelig anzusehen, nervend und altklug“. Um sich dem Gekreische und den wüsten Beschimpfungen zu entziehen, habe man sie in den Wald verbannt und für mehrere Tage auf einem Baum gefesselt. Als ein Blitz in den Baum schlug und die Lisbeth verbrannte, hätten alle gejubelt. Das ist nicht sehr freundlich, oder?
Ich gebe zu, dass der Text in der heutigen Zeit etwas ungünstig zu lesen ist. Aber unsere Kerb ist immerhin 412 Jahre alt. Heute weiß niemand mehr so genau, wann die Geschichte der Kerwelisbeth erfunden wurde. Jedoch ging es in früheren Zeiten in solchen Geschichten eben etwas deftiger zu, als man das heute gewöhnt ist.

Welche Bedeutung hat die Lisbeth für Ihren Verein?
Für uns ist die Kerwelisbeth nichts Negatives. Sie ist die Heldin unseres Vereins. Sie wird von uns hoch geschätzt und zu jedem Fest herausgeputzt. Bei internen Feiern sitzt sie am DJ-Pult oder an der Zapfanlage. Sie ist unsere Schutzpatronin!

Mit dem Bernemer Mittwochendet die 412. Ausgabe der Kerb. Ab 13 Uhr verwandeln zahlreiche Vereine, Geschäfte und Wirte die Berger zwischen Saalburg- und Freihofstraße in einen großen Apfelwein- und Biergarten.

Musik-Programmerwartet die Besucher an den Bühnen an der Berger Straße 214 und 275, am Bernemer Fünffingerplätzchen, am Hoher Brunnen und an der Kirchnerschule.

Die Lisbethverbrennung– das offizielle Ende der Kerb – findet um 21.45 Uhr am Stand der Kerwe Gesellschaft (Höhe Berger Straße 207/209) statt.

Und was denken die Frauen in Ihrem Verein über die Lisbeth?
Unser Verein ist multikulturell aufgestellt. Wie haben Mitglieder aus vielen Ländern und verschieden Religionen in unseren Reihen – bei uns hat keiner ein Problem mit der Lisbeth.

Wie bewerten Sie dann die Kritik von außen?
Die Saga ist erfunden, da wird viel zu viel hineininterpretiert. Heutzutage wird immer häufiger versucht, in allem einen Fehler zu finden. Doch man muss Tradition auch Tradition sein lassen – ansonsten können wir anstatt der Kerb, wie sie jetzt ist, auch einfach ein 08/15-Open-Air-Fest machen, von denen es in Frankfurt schon mehr als genug gibt.

Ähnliche Figuren gibt es auf anderen Kirchweihfesten. Dort wachen die Schutzpatrone auf dem Kerbebaum über das Fest, werden gegen Ende der Festtage für alle Sünden verantwortlich gemacht und verbrannt. In Bornheim geht die Lisbeth nicht in Flammen auf. Warum?
Wir verbrennen sie nur symbolisch, also eigentlich nur einen kleinen, schwarzen Pappkarton. Dieser wird in einem großen Trauerzug quer über das Fest getragen und dann nach einer Trauerrede eingeäschert. Wie gesagt, wir schätzen unsere Kerwelisbeth.

Werden Sie etwas an der Saga auf Ihrer Homepage ändern?
Wir werden uns nach der Kerb darüber unterhalten, was wir mit dem Text machen – und ihn gegebenenfalls ändern.

Interview: Boris Schlepper

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