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„Ich bin hier der erste Niederländer“: Bernemer Kerb trotzt der Hitze

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Von: Gernot Gottwals

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Beim Festumzug durch Bornheim, hier das „Bürgermeister-Paar“.
Beim Festumzug durch Bornheim, hier das „Bürgermeister-Paar“. © Rainer Rüffer

Bei der Bornheimer Kerb ist etwas weniger los als vor der Corona-Pause. Gefeiert wird noch bis Mittwoch. Zum Teil auch in privaten Höfen.

Frankfurt – Es ist Samstagnachmittag. Bei steigenden Temperaturen laufen die Motoren der Fahrzeuge und manche Gemüter heiß. Am Festplatz wird geunkt: „Der Festumzug ist wegen der Hitze doch längst abgesagt.“ Ja, darf denn das wahr sein?

Niemals. Denn bei der ersten Bernemer Kerb nach zwei Jahren Coronapause packt die Kerwe-Gesellschaft tatkräftig an, rangiert, schiebt den betriebsmüden Traktor über den Platz an der Zwiwwelkersch. „Schon zum Einläuten der Kerb haben wir einen furiosen Start hingelegt und wollen das am Wochenende noch toppen“, sagt die erste Schriftführerin Veronika Dörffler. Rund 400 bis 500 Leute drängten sich am Freitagabend zur Livemusik der „Blues Power“ und der „Nobby Stiles Blues Band“ um die Johanniskirche, am Samstagabend werden es mehr als 2500 sein, die beim Fassanstich fürs Freibier anstehen.

Frankfurt: Baum kommt heil auf die Bernemer Kerb

Geschätzt sind weniger Besucher:innen als vor Corona auf der Kerb. Doch Hauptsache, die traditionellen Programmpunkte am Wochenende stehen, wozu der ökumenische Gottesdienst in der Johanniskirche und der Gickelschmiss gehören: Dort schafft es ein Mann mit verbundenen Augen und mehreren Versuchen, mit einem Dreschflegel den Tontopf zu zerschmettern, unter dem sich früher ein Hahn befunden haben soll.

Für die hartgesottenen Kerbeburschen und -mädels begann die Kerb am Samstag um sechs Uhr morgens mit der Einholung des Kerbebaums aus dem Enkheimer Wald. „Obwohl wir nur 50 statt der üblichen 60 bis 70 Leute waren und wegen Sperrungen über den Riederwald fahren mussten, haben wir den Baum heil und ohne abgebrochene Spitze hierhergeschafft“, freut sich René Eisenacher. Ein Highlight: Beim Aufstellen des 23,3 Meter hohen Exemplars gibt es einen Frühschoppen mit der Skyline Bigband und vielen „Baumschoppen“ zum halben Preis, bis der Baum steht.

Der Nachmittag gehört den Kindern, die beim Kinderfest der Freiwilligen Feuerwehr Seckbach das neue kompakte Löschfahrzeug bestaunen und genau wissen wollen, wie die Wasserschläuche und Atemschutzmasken funktionieren. Heiß begehrt sind die Rettungsanzüge: Um sich einmal wie richtige Feuerwehrleute zu fühlen, nehmen die Kinder das Schwitzen gerne in Kauf.

Bernemer Kerb in Frankfurt: „Ich bin hier der erste Niederländer“

Als Ortsdiener Dieter Bender die Glocke zum Festzug läutet, sind die besten Plätze in den Lokalen an der Berger Straße längst belegt. Immer wieder wird der Zug angehalten, während sich das Kerwepaar Melanie Halbach und Marc Ringelstein, das Bürgermeisterpaar Jutta Steinhauer und Ralf Moritz sowie der Ortsdiener mit Ebbelwei erfrischen.

Mit von der Partie ist Ehrengast Michel van Goethem: „Ich bin hier der erste Niederländer“, verkündet der Gastronomieberater beim Fassbieranstich und verspricht, die Beiträge der ersten zehn neuen Mitglieder der Bernemer Kerwegesellschaft für ein Jahr zu übernehmen. Weitere Akzente setzen die „Berjersleut“ der Sachsenhäuser Brunnen- und Kerbegesellschaft, die närrischen Wagen des Großen Rates und verschiedener Karnevalsvereine aus Bornheim und Sachsenhausen, die Bad Vilbeler Quellenkönigin Sara I. und die schillernd blauen Sportgruppen der TG Bornheim.

Frankfurt: „Wem es auf dem Kerweplatz zu laut wird, der kommt bei unserem Hoffest wieder runter“

Während Hildegard Hartmann und Eva Häfner die beliebten Kerwebrote der Evangelischen Gemeinde Bornheim mit Handkäs mit Musik schmieren, füllen sich langsam die privaten Höfe. „Wir haben extra eine Modepuppe meiner Mutter zur Lisbeth umfunktioniert“, scherzt Laura Müller. Ralf Conrad feiert schräg gegenüber eine Privatparty, auch vor dem Haus der früheren Ortsvorsteherin Hedi Tschierschke grüßt eine verkleidete Kerwepuppe beim gemeinsamen Schoppen.

„Wem es auf dem Kerweplatz zu laut wird, der kommt bei unserem Hoffest wieder runter“, freut sich Thomas Völker, Geschäftsführer der TG Bornheim. „Dass der Bernemer Mittwoch ausfallen muss, während das Berger Straßenfest gefeiert werden kann, ist doch sehr bedauerlich.“

Dafür steigen heute um 12 und 16 Uhr der Frühschoppen der Kerweburschen und der Damenabend in der Gaststätte zur Sonne und beim Wein Dünker. Und die Bernemer hoffen auf spontane Feste am Mittwoch, ehe die Kerb um 21.45 Uhr mit einem Trauerzug und der Lisbethverbrennung beerdigt wird. (Gernot Gottweis)

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