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Bornheim: Ein Viertel zum Wohlfühlen

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Abseits der Berger Straße ist es vergleichsweise ruhig, und nur wenige Menschen sind anzutreffen. Dafür offenbart sich ein Blick direkt auf die Frankfurter Skyline. Foto: Christoph Boeckheler
Abseits der Berger Straße ist es vergleichsweise ruhig, und nur wenige Menschen sind anzutreffen. Dafür offenbart sich ein Blick direkt auf die Frankfurter Skyline. © Christoph Boeckheler

Rund um die Berger Straße findet man viele kleine Geschäfte und Cafés zwischen engen Schluchten bunter Häuser. Dazwischen ist das Leben mindestens genauso bunt und vielfältig.

Frankfurt - Der Pfeil trifft diesmal die Höhenstraße an der Ecke Sandweg. An einem kalten und windigen Mittwochmorgen geht es deshalb in die nordöstlich der Innenstadt gelegene Höhenstraße, die sich an der Grenze der Stadtteile Nordend und Bornheim befindet. Obwohl das Viertel vor allem für die Berger Straße sowie unzählige Restaurants und kleine Läden bekannt ist, sind hier schon um 10 Uhr morgens viele Menschen zwischen den bunten Häusern unterwegs.

Eine von ihnen ist Carolin Schreinert, die vor einem kleinen Schreibwarengeschäft in der Berger Straße steht und Postkarten begutachtet. „Die sind zum Abschied für meine Kollegen“, erklärt sie. Am nächsten Tag sei ihr letzter Arbeitstag, danach wechsle sie den Job und wolle ihre Kollegen deswegen noch ein letztes Mal überraschen.

Schreinert wohnt bereits seit sieben Jahren in Frankfurt und kommt ursprünglich aus der Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt. Zunächst war sie für einen Job in die Stadt gezogen und vor zwei Jahren schließlich zu ihrem Partner nach Bornheim. Das Viertel hat es ihr angetan, berichtet sie: „Ich möchte in keine andere Ecke in Frankfurt ziehen. Und wenn ich eine Wohnung mit Garten finde, dann bleibe ich hier für immer.“ An Bornheim schätzt sie vor allem die Straßenbahnanbindung und die Berger Straße. „Und weil es hier so schöne kleine Cafés gibt. Hier ist noch so ein individueller Touch vorhanden.“

Bornheim hat sich gut entwickelt

Keine 50 Meter weiter schüttelt Andy Bule den Fußableger vor seinem Kleidungsgeschäft „Number Seven“ aus. Das Geschäft gibt es schon seit 25 Jahren, sagt er nicht ohne Stolz. Gegründet habe es seine Frau, er sei dann später miteingestiegen. Auch das keine zehn Meter entfernte Schuhgeschäft „mi.na“ gehört den beiden, sie wohnen ganz in der Nähe in dem Viertel.

„Ich fühle mich in Frankfurt zu Hause“, sagt Bule, der vor 23 Jahren von Kroatien nach Frankfurt gezogen ist. Seitdem habe sich jedoch vieles verändert: „Damals war das Viertel hier noch nicht besonders. Da war es noch mehr das Arbeiterviertel als das schicke, hippe Viertel, das es jetzt ist. Es hat sich echt gut entwickelt“, beschreibt er den Werdegang Bornheims, den er miterlebt hat.

Vor allem die Berger Straße habe heutzutage ein „gewisses Flair“, das sehe seine Frau genauso. „Wir sind der Meinung, dass die Berger Straße die Straße ist, wo man Frankfurt so erleben kann, wie es ist: international, mit einem großartigen interkulturellen Angebot und einem großen Potenzial auch in der Mode – das hat man ja gerade erst anhand der Fashion Week in Frankfurt gesehen“, erklärt er und nickt zeitgleich in Richtung seines Modegeschäfts.

Bornheim: Von der Berger Straße in den Sandweg

Von dem Trubel in der Berger Straße geht es anschließend in den parallel gelegenen Sandweg. Die eben noch prominente und laute Geräuschekulisse wird dabei mit jedem Schritt leiser. Von der Höhenstraße kommend läuft hier schnellen Schrittes Tasha Fortrich entlang mit dem Ziel, sich gleich mit Freunden in einem kleinen Café um die Ecke zu treffen. „Ich komme gerade von meiner Wohnung“, sagt sie und zeigt dabei mit ihrem Finger Richtung Höhenstraße: „Die liegt ein bisschen weiter oben, mehr in Bornheim Mitte.“ Vor einem Jahr ist die gebürtige Philippinin dort mit ihrem Freund zusammengezogen, vorher habe sie „vier bis fünf Jahre“ im Westend gewohnt. Wie lange genau, daran kann sie sich in diesem Moment nicht erinnern. „Ich hatte damals zufälligerweise einen Job in Frankfurt gefunden. Da war es vor allem praktisch, im Westend zu wohnen, denn meine Arbeitsstelle war nur wenige Minuten von meiner Wohnung entfernt.“

Durch Pandemie und Homeoffice sei das jedoch nicht mehr so wichtig für sie, und mittlerweile gefalle es ihr in Bornheim sogar besser als im Westend. „Die Leute hier sind echt locker und nett, man kommt schnell mit ihnen ins Gespräch. Außerdem ist alles zu Fuß zu erreichen, und ein gewisser Abstand zum Arbeitgeber ist auch ganz gut“, ergänzt sie lächelnd.

Mieten in Bornheim sind an einigen Orten ziemlich hoch

Weiter geht es durch enge Häuserschluchten zurück über die Höhenstraße in den Bereich oberhalb des Treffers auf der Karte. Hier werkelt Farok Yalcin in der Heidestraße vor einer Parkhauseinfahrt gerade an einem Automaten herum. Der gebürtige Frankfurter arbeitet bei einer Hausverwaltung und hilft dabei, Fahrkartenautomaten zu überprüfen. Er wohne zwar nicht im Viertel, doch kenne sich hier trotzdem sehr gut aus, sagt Yalcin, der Bornheim als „multikulturell und hip“ beschreibt. „Gerade für ein jüngeres Publikum und Familien ist es hier toll. Für ältere Menschen auch, aber die müssen lärmresistent sein, gerade abends.“

Einen Augenblick später fährt ein teures Auto viel zu schnell an ihm vorbei. Dazu fällt ihm ein, dass man in der Umgebung auch viele „Snobs“ treffe. Mit diesem Begriff meine er Leute, die gut betucht sind und ständig zeigen müssen, dass sie sich besser als andere fühlen. „Die werden von einem nahe gelegenen Fitnessstudio und der Berger Straße angezogen.“ Außerdem seien in Bornheim an einigen Orten die Mieten ziemlich hoch, sagt Yalcin und zeigt auf Wohnungen nahe der Tiefgarage. „Aber das war schon immer so.“

Burcu Altinok teilt Post im Viertel aus.
Burcu Altinok teilt Post im Viertel aus. © Christoph Boeckheler

Vorbei am „Saalbau Bornheim“ schiebt Burcu Altinok einen kleinen gelben Wagen vor sich her. Vor der Stadtbücherei bleibt sie stehen und holt ein paar Umschläge hervor. „Heute ist mein erstes Mal in diesem Viertel“, erklärt die Briefträgerin, „aber ich kenne mich hier ja aus, ich bin hier aufgewachsen.“

Sie sei bis heute in Bornheim geblieben, da es ihr viel Spaß mache, hier zu leben und zu arbeiten: „Bornheim ist schön und groß, hier sind viele Menschen, und man braucht keine Angst zu haben, nachts alleine unterwegs zu sein.“ An anderen Orten in Frankfurt sei das nicht so, findet sie. Deswegen werde sie auch zukünftig in Bornheim bleiben: „Ich gehöre einfach hierher. Woanders möchte ich nicht hin.“ (Kim Brückmann)

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