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Engagierte Frauen: Ursula Hotz, Jutta Vollack, Angela Arncken, Monika Hofmann, Helga Gibbels, Waltraud Hofmann, Gertraud Molkenthen (v.l.). 

Bornheim

Bornheim: Bildungsverband wird 70

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Längst sind es keine Hausfrauen mehr, die den Verband der Frankfurter Frauen für Kultur und Bildung formen. Statt auf Handarbeit und Hauswirtschaft liegt der Fokus inzwischen auf Malerei, Tanz und Sprachkurse.

Immer wieder klingelt bei Jutta Vollack und ihren Mitstreiterinnen das Telefon. Mal fragen die Anruferinnen nach dem nächsten Kochkurs, wollen lernen, wie man näht oder wie man Socken strickt. Doch damit sind sie beim Verband der Frankfurter Frauen für Kultur und Bildung falsch. „Das machen wir gar nicht“, sagt die Vorsitzende. Doch es läutet nicht zufällig: Jahrzehntelang standen derartige Kurse auf dem Programm des Vereins, der am 5. Oktober seinen 70. Geburtstag feiert. Denn die Gruppe ist aus dem ehemaligen Hausfrauenverband hervorgegangen, erklärt Monika Hofmann, die Zweite Vorsitzende.

1949 wurde der Hausfrauenverband gegründet. Der Grundgedanke sei gewesen, dass sich die Frauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Familie alleine durchbringen mussten, gegenseitig stärken und unterstützen konnten, sagt Hofmann. Vielen hätte in der Nachkriegszeit etwa das Geld für eine eigene Nähmaschine gefehlt. Im Verband, der bis 2008 an der Eschersheimer Landstraße 1 in der Innenstadt seinen Sitz hatte, standen fünf Geräte, die sie nutzen konnten. Auch Hauswirtschaftsprüfungen konnten in der Geschäftsstelle abgelegt werden, „wir hatten dort zwei große Küchenzeilen“, sagt Hofmann.

„Damals wurde auch gegen die Benachteiligung der Frauen gekämpft“, erinnert sich die Zweite Vorsitzende. Der Begriff Hausfrau sei zu dieser Zeit das Höchste gewesen, was Frauen an Anerkennung erhalten konnten. „Es wurde gar nicht wahrgenommen, dass Frauen auch ein Hirn haben.“ Doch diese Phase sei glücklicherweise vorbei.

Kontakt

Der Verband Frankfurter Frauen für Kultur und Bildung hat seinen Sitz in der Saalburgstraße 12 und hat montags, mittwochs und donnerstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet.

Telefonisch erreichbar ist er unter 59 81 52, über E-Mail unter verb.frankf.frauen@t-online.de

Vor allem die 68er Jahre hätten vieles auf den Kopf gestellt, sagt Vollack. „Frauen waren nicht mehr bereit, alles hinzunehmen und bestanden auf ihre Rechte.“ Prominente Vertreterinnen wie die Politikerin Rita Süssmuth, die Journalistin Alice Schwarzer und die US-amerikanische Schauspielerin Jane Fonda hätten sich als Vorkämpferinnen für die Gleichberechtigung eingesetzt.

Und „Hausfrau“ war kein erstrebenswertes Ziel mehr. So habe sich der Verein 2009 dafür entschieden, den Namen zu ändern, sagt die Vorsitzende, „unsere Zielsetzung war eine andere geworden. Unser Fokus war auf Kultur und Bildung ausgerichtet.“

In diesem Sinne finden sich jetzt Aquarellmalen, Tanzen sowie Sprachkurse in Italienisch und Englisch auf dem Programm. Regelmäßig werden gemeinsame Museumsbesuche organisiert, es gibt einen Literaturkreis mit Lesungen und Vorträgen über berühmte Persönlichkeiten. „Außerdem bieten wir monatlich Gespräche am Runden Tisch an“, ergänzt Schatzmeisterin Waltraud Hofmann. Dazu werden Referenten eingeladen, die etwa über Themen wie Menschenrechte, Gesundheit, Umweltbewusstsein berichten und zur Diskussion einladen.

Auch engagiere sich der Verein sozial und organisiert jährlich vier Flohmärkte am Bornheimer Uhrtürmchen, bei dem Spenden verkauft werden. Teile des Erlöses gehen unter anderem an die Ordensschwester Sigrid die sich um Obdachlose kümmert, die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte oder die Praunheimer Werkstätten. „Wir sitzen nicht nur zusammen, trinken Kaffee und reden über Krankheiten“, stellt Vollack klar. Dabei komme auch das Gesellige nicht zu kurz.

Etwa 100 Frauen aus ganz Frankfurt und Umgebung sind Mitglied im Verband. Männer dürfen nicht beitreten, sie seien aber als Gäste gerne gesehen, sagt Monika Hofmann. Das durchschnittliche Alter liege bei 65 Jahren. „Unser ältestes Mitglied ist 94 Jahre alt.“ Ein Programmheft kann in der Geschäftsstelle abgeholt werden. Wer sich den Verband erst einmal anschauen möchte, kann zum Klönnachmittag jeweils am letzten Dienstag im Monat, 14 bis 16.30 Uhr, kommen.

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