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Da schaut der Meister: Das Stoltze-Museum ist in der Altstadt eröffnet worden, aber noch nicht ganz fertig,

Stoltze-Museum

Stoltze zieht in die Altstadt

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Wiedereröffnung für einen Tag: Das Stoltze-Museum feiert seinen Umzug ins neue Domizil. Es bleibt aber vorerst geschlossen.

Das Stoltze-Museum hat am Dienstagvormittag in der neuen Altstadt seine Wiedereröffnung gefeiert – und am selben Tag erneut geschlossen, weil noch Restarbeiten ausstehen.
Ein Geruch von frischer Farbe liegt in der Luft. Die geladenen Gäste strömen in das Erdgeschoss der aufwendig rekonstruierten „Goldenen Waage“, wo ein vom Museum unabhängiges Café Platz finden wird. Parallel dazu reißt ein Bauarbeiter Kreppbandreste von der Empore ab. „Heute morgen wurde oben noch gestrichen“, sagt Museumsleiterin Petra Breitkreuz, „mir ist fast das Herz stehen geblieben.“

Rein rechtlich befindet sich das Museum über den berühmten Frankfurter Dichter, Satiriker und Journalisten Friedrich Stoltze noch im Bauzustand. Deshalb dürfen am Eröffnungstag nur zehn Personen gleichzeitig in die Ausstellung, Geduld ist gefragt.
Diese teilt sich auf zwei Häuser auf, wobei das Gebäude „Weißer Bock“ als Eingang fungiert. Es besteht aus nicht viel mehr als einer großen, ovalen Treppe. Fünf Stationen erzählen hier Stoltzes Leben von der Kindheit an. Breitkreuz sagt, dass sich ein Besuch besonders am Abend lohnt: „Das ganze Museum strahlt im Dunkeln wie eine Laterne“ – eine Anspielung auf Stoltzes Satirezeitschrift „Frankfurter Latern“. 

Im ersten Stock des Gebäudes „Goldene Waage“ befindet sich das Kaminzimmer, passenderweise mit Stoltzes Originalofen. Extra für das neue Museum hat ihn ein Bad Schwalbacher Ofenliebhaber aus seiner 30 Exemplare umfassenden Sammlung herausgelöst. Eine Ebene darüber sollen zukünftig Wechselausstellungen gezeigt werden – die erste Schau zu Stoltzes Briefwechseln ist bereits fertig, nicht aber der Raum. 

Seit 1978 gibt es das Stoltze-Museum, zunächst in der Töngesgasse, anschließend im Kundenzentrum der Frankfurter Sparkasse. Deren Stiftung fungiert als Finanzier und Betreiber, laut Kunstminister Boris Rhein eine „Einzigartigkeit in der deutschen Museumslandschaft“. „Weiterhin ist der Eintritt frei“ sagt Robert Restani, stellvertretender Stiftungsrats-Vorsitzender.
Demselben Gremium sitzt Oberbürgermeister Peter Feldmann vor, der Stoltze als einen radikalen Demokratiekämpfer würdigt. 1816 geboren, war Stoltze in der Deutschen Revolution von 1848 aktiv. Er habe Leute dazu gebracht, „für ihre eigenen Interessen“ aufzustehen.
Frankfurt sei schon immer etwas radikaler und aufmüpfiger, findet Feldmann. Noch heute würden seine Bewohner Spott, demokratisches und antiautoritäres Denken schätzen. Davon zeugen ihm zufolge Institutionen wie das Schauspiel oder die Fliegende Volksbühne von Michael Quast.

Der neue Museumsstandort ist übrigens nur wenige Meter von Stoltzes Geburtsort entfernt, dem ehemaligen Gasthof „Zum Rebstock“. Minister Rhein spricht deshalb von einem „Neubeginn, der eine Heimkehr ist“. Viereinhalb Jahre voll „harter, aber auch sehr befriedigender Arbeit“ waren dazu nötig, sagt Breitkreuz. 

Nachdem das rote Band durchschnitten ist und die Ehrengäste gegangen sind, öffnet das Stoltze-Museum einen Nachmittag lang für alle. Jetzt ist es wieder geschlossen. Und die endgültige Eröffnung? In rund einem Monat, hofft man bei der Sparkasse.

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