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Der Bordsteinblitz ist kaputt

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Von: Fabian Böker

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Die Sozialpädagogen Julia Seufert und Sebastian Engelhardt von der Aufsuchenden Jugendarbeit Preungesheim sind zu Fuß unterwegs.
Die Sozialpädagogen Julia Seufert und Sebastian Engelhardt von der Aufsuchenden Jugendarbeit Preungesheim sind zu Fuß unterwegs. © Renate Hoyer

Auch ohne Wagen sind die Sozialarbeiter Ansprechpartner für die Jugendlichen. Ob das 41 Jahre alte Wohnmobil nochmal auf die Straße zurückkehrt ist ungewiss.

Jugendliche in Preungesheim kennen ihn, den Bordsteinblitz. Doch seit November ist das auffällige Wohnmobil nicht mehr unterwegs, es steht in einer Werkstatt. Die Sozialarbeit vor Ort geht aber unverändert weiter.

Aufsuchende Jugendarbeit klingt vielleicht etwas sperrig. Für die Jugendlichen im Stadtteil sollen Sebastian Engelhardt und Julia Seufert aber vor allem eines sein: verlässliche Ansprechpartner. Die beiden Sozialpädagogen der Jugendhilfe und Jugendberatung (JJ) sind an drei Tagen die Woche in Preungesheim. Ihr Fokus liegt dabei auf der Karl-Kirchner-Siedlung und dort auf so genannten informellen Treffpunkten. Gemeint sind Orte, an denen sich für gewöhnlich Jugendliche des Viertels treffen, zum Beispiel an der Rollschuhbahn in der Jaspertstraße.

Seit 1. Januar 2015 hat der JJ die Trägerschaft für die aufsuchende Jugendarbeit. Der 29-jährige Sebastian Engelhardt ist seit Juli dabei, die sieben Jahre jüngere Julia Seufert seit November. Normalerweise sind beide im Bordsteinblitz unterwegs, einem aus dem Jahr 1976 stammenden Wohnmobil, ein Opel Bedford Blitz. Nach 41 Jahren auf der Straße fängt der Blitz aber an, Schwächen zu zeigen. Und Ersatzteile sind rar. Im November ist er „mitten auf der Straße ausgegangen“, sagt Carsten Wolf, der die Jugendberatung leitet.

Das sei schade, denn der Bordstein Blitz habe zwei große Vorteile: Im Gegensatz zu einem Büro sei man mobil und an verschiedenen „Hotspots der Jugendlichen“ präsent. Da die Streetworker aber nicht einfach nur durch den Stadtteil laufen, sondern eben im Wohnwagen unterwegs sind, „besteht jederzeit eine geschützte Rückzugsmöglichkeit für die Jugendlichen“, ergänzt er.

Doch auch ohne Wohnwagen suchen die beiden Sozialarbeiter suchen die Jugendlichen auf, zeigen Präsenz. „Wir sind mittlerweile durchaus bekannt und akzeptiert“, hat Engelhardt festgestellt. Das war nicht immer so: „Am Anfang wurde ich für einen Zivilpolizisten gehalten.“ Mittlerweile werden beide schon auf der U-Bahn-Fahrt nach Preungesheim mit Handschlag freundlich begrüßt.

„Wir ziehen uns notfalls für ein Gespräch in Jugendzentren oder ins Quartiersmanagement zurück“, erklärt Julia Seufert, wie die Arbeit ohne Bordsteinblitz abläuft. Bei diesen Gesprächen geht es um vieles: Ärger in der Schule, mit dem Freund oder der Freundin, Fragen zu Drogen – die beiden JJ-Mitarbeiter haben immer ein offenes Ohr. Und zwar für „ausnahmslos alle Themen“, wie Sebastian Engelhardt betont.

Ob er und Julia Seufert dann direkt Hilfe leisten können oder an andere Einrichtungen vermitteln, hängt vom Einzelfall ab. „Wir sind zum Beispiel keine professionelle Suchthilfe“, sagt Carsten Wolf. „Deswegen können sich die Jugendlichen natürlich trotzdem mit Suchtproblemen an uns wenden, wir sind gut vernetzt.“

Derzeit laufen Gespräche zwischen der Jugendberatung und der Stadt, die die Einrichtung finanziert, wie es mit dem Wagen weitergehen kann.

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