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Die meisten Kassenbons landen im Abfalleimer. 

Überblick

Wie die Bonpflicht funktioniert

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Die Frankfurter Rundschau beantwortet Fragen zur neuen Belegpflicht in Einzelhandel und Gastronomie.

Wer muss seit 1. Januar unaufgefordert Kassenbons ausstellen?
Völlig klar ist das in der neuen Abgabenordnung nicht geregelt. Letztlich trifft diese Pflicht aber alle Händler, Gastronomen und Handwerker, die ein elektronisches Kassensystem verwenden. Ähnlich ist das zum Beispiel bereits in Österreich, Italien und Schweden.

Was muss alles auf dem Beleg stehen?
Unter anderem der vollständige Name und die vollständige Anschrift des Unternehmens, das Datum der Belegausstellung, der Kaufzeitpunkt, Menge und Art der gekauften Artikel, der Kaufpreis und der darauf entfallende Steuerbetrag.

Müssen Kunden den Bon mitnehmen? Oder gar aufbewahren?
Nein.Eine Pflicht, den Bon mitzunehmen, gibt es nicht.

Wozu soll die Pflicht, Kunden einen Kaufbeleg auszustellen, gut sein?
Das Bundesfinanzministerium verspricht mehr Transparenz im Kampf gegen Steuerbetrug. Anhand des Belegs sei etwa leichter nachprüfbar, ob der Geschäftsvorgang einzeln festgehalten, aufgezeichnet und aufbewahrt wurde, heißt es. Ein Abgleich des Bons mit den Aufzeichnungen der Kassensoftware zeige dann, ob die Kasse manipuliert wurde.

Ist die Manipulation von Kassensystemen ein großes Problem?
Offenbar schon. Der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) spricht davon, dass der öffentlichen Hand auf diese Weise jährlich schätzungsweise bis zu zehn Milliarden Euro an Steuern entgehen. Aus diesem Grund müssen elektronische Kassen seit 1. Januar eigentlich auch über eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung verfügen. Noch haben die Händler, Friseure, Wirte aber bis September Zeit, ihre Kassensysteme umzurüsten. Der Handelsverband rechnet allein für die nötige Software mit Kosten von etwa 300 Euro pro Kasse.

Was passiert, wenn ein Händler sich weigert, Bons auszustellen?
Erst mal nicht viel. Ein Bußgeld für Verstöße gegen die Bonpflicht gibt es nicht. Die könnten aber als Indiz gewertet werden, dass den Aufzeichnungspflichten nicht entsprochen wurde, heißt es beim Bundesfinanzministerium.

Allein im Einzelhandel wächst die Gesamtlänge an Bons, die ausgegeben werden, nach Schätzungen des Handelsverbands Deutschland nun um mehr als zwei Millionen Kilometer. Ist das nicht zum Schaden der Umwelt?
Prinzipiell müssen die Händler und Gastronomen keine Papierbelege ausstellen. Das Bundesfinanzministerium weist darauf hin, dass die Kasseninhaber auch Belege per E-Mail oder auf das Handy ausgeben können. Die Ausgabepflicht sei bewusst „technologieneutral“ gestaltet.

Mag sein. Die allermeisten Händler werden aber doch Papierbons ausgeben. Und sind die nicht aus besonders umweltschädlichem Thermopapier?
Der hessische Finanzminister Schäfer warnt vor „Hysterie“. Der Handel könne auch bei Kassenrollen auf umweltfreundliches, recyclingfähiges Papier zurückgreifen, heißt es. Außerdem sei es seit dem Jahreswechsel faktisch verboten, Thermopapier mit der Chemikalie Bisphenol A in der Europäischen Union zu vermarkten.

Zusammengestellt von Christoph Manus

Frankreich will den Kassenzettel für kleine Beträge wieder abschaffen. Das Parlament verabschiedete im Senat ein Gesetz gegen Verschwendung – und gegen die Bonpflicht.

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