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Sie wollen Bonames aufwerten

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Von: Friedrich Reinhardt

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Katarina Korff , Jens Pössel mit Sohn Emil, Lola und Susanne Schwind sowie Eva Holl auf dem Platz Am Wendelsgarten, der umgestaltet werden soll.
Katarina Korff , Jens Pössel mit Sohn Emil, Lola und Susanne Schwind sowie Eva Holl auf dem Platz Am Wendelsgarten, der umgestaltet werden soll. © Friedrich Reinhardt

Die Bürgerinitiative „Mein Bonames“ ist jetzt rund ein Jahr alt. Ihre Ziele sind immer noch die gleichen: Sie will vernetzen und Räume zu Treffpunkten machen.

Wenn Jens Pössel über den Platz „Am Wendelsgarten“ spricht, merkt man, dass er sich schon oft darüber aufgeregt hat – und sich jederzeit wieder hineinsteigern könnte. Er blickt zur Boulebahn, die aussieht wie ein Blumenbeet ohne Erde und Blumen. „Wer will den hier Boule spielen?“ Er lacht spöttisch, schüttelt den Kopf, will sich nicht aufregen und spricht sachlich weiter.

Darüber, wie sich die Pflastersteinwüste im Sommer aufheize, dass Sitzgelegenheiten fehlen und der Platz daher kein Treffpunkt ist. Pössel hatte deshalb Ortsvorsteherin Wera Eiselt (Grüne) geschrieben und von ihr erfahren, dass er mit seinem Anliegen nicht allein ist. Die Bürgerinitiative „Mein Bonames“ war da gerade im Entstehen.

Heute ist Pössel eines der sieben Mitglieder. Viele sind wie er in den 40ern, seit einigen Jahren Eltern und in dieser Zeit nach Bonames gezogen. Andere wohnen ihr Leben lang im Stadtteil, „und sehen ihn deshalb mit anderen Augen“, sagt zum Beispiel Eva Holl.

Sie ist eine der Mitgründerinnen. Sie und Katarina Korff lernten sich in der Elternzeit kennen und standen beide vor dem gleichen Problem. „In Bonames gibt es nichts für junge Mütter“, sagt Holl, „irgendetwas, wo man in der Elternzeit hingehen kann und andere Eltern trifft“, sagt Korff. Ohne solch einen Ort werde die Elternzeit schnell zur Isolationszeit.

Die Initiative hat das Gefühl, Bonames sei „ein vergessener Stadtteil“. „Die August-Jaspert-Schule sieht noch so aus wie damals, als ich sie besucht habe“, sagt Susanne Schwind. 41 Jahre ist sie alt. Ein Quartiersmanagement wie in vielen, auch benachbarten, Stadtteilen gibt es nicht. Im Ortsbeirat 10 (Berkersheim, Bonames, Eckenheim, Frankfurter Berg, Preungesheim) kommt von 19 Mitgliedern nur Waltraud Port (CDU) aus Bonames. Wer sieht also die kleinen Probleme, die nur aus der alltäglichen Lebenserfahrung gesehen werden können? Diese Fragen stellen sich die Mitlieder der Initiative.

Dabei hat Bonames eine besondere Struktur, die die Politik berücksichtigen müsse, erklären die Mitglieder. Verkehrstechnisch ist der Stadtteil ein Kind der 60er-Jahre, alles ist aufs Auto ausgerichtet. Der Verkehr zwischen Harheim und Nieder-Erlenbach und zwischen Nieder-Eschbach, Kalbach und dem Riedberg – alles fährt durch den Ortskern.

Mitmachen

Die Initiative „Mein Bonames“ sucht weitere Mitstreiter und Mitstreiterinnen. Wer mitmachen möchte, erreicht sie per E-Mail an mein.bonames@gmx.de.

Der Stadtteil ist geteilt. 6393 Menschen – Stand 30. Juni 2022 – leben in Bonames. Die eine Hälfte wohnt in der Hochhaussiedlung am Ben-Gurion-Ring. Eine „Transitsiedlung“, so nennt sie eines der Mitglieder, das schon immer in Bonames wohnt. „Wer dorthin zieht, will wieder weg.“

Die andere Hälfte wohnt im Ortskern, sagt Holl. Viele Familien seien dort in den vergangenen Jahren hingezogen. Auch gibt es viele ältere Bewohner und Bewohnerinnen, die schon ihr ganzes Leben hier verbracht haben. Es sind zwei Welten mit unterschiedlichen Bedürfnissen.

Der Eindruck, vergessen worden zu sein, wird dadurch verstärkt, dass Kleinigkeiten oft eine große Wirkung hätten. Auf dem Spielplatz in der Straße Am Storchenhain beispielsweise waren bis zum Sommer alle Flächen mit weichem Rindenmulch bedeckt. Für Kinder unter zwei Jahren bot der Spielplatz so überhaupt nichts. „Rindenmulch nehmen die ganz kleinen allenfalls in den Mund“, sagt Korff. Sand dagegen fühle sich spannend an. Korff hat sich an das Grünflächenamt gewandt, ein Mitarbeiter hat zugehört und bald wurde auf einer Fläche der Rindenmulch gegen Sand getauscht. „Lob für Herrn Alt“, gibt sie dem Redakteur als Auftrag für den Artikel mit.

Verbesserungen sind also mit relativ wenig Aufwand möglich – wenn sich jemand darum kümmert. Das will die Bürgerinitiative übernehmen. Im Sommer haben sie bereits ein Höfefest organisiert, bei dem sich Nachbarn kennengelernen konnten. Mit dem Ortsbeirat haben sie das Spielmobil nach Bonames geholt. Die Friedrich-Fauldrath-Anlage soll eine Schaukel bekommen. Und die Stadt wird eine Erweiterung des Spielplatzes Am Storchenhain prüfen.

Keine schlechte Bilanz für ein Jahr Arbeit. Sie wollen die Menschen im Stadtteil vernetzen. Jens Pössel schwebt eine digitale Plattform vor, die politische Partizipation erleichtern soll. Und kürzlich haben sie Vorschläge gesammelt, für ein neues Konzept für den Platz Am Wendelsgarten.

Die Initiative „Mein Bonames“ sucht weitere Mitstreiter und Mitstreiterinnen. Wer mitmachen möchte, erreicht sie per Mail an mein.bonames@gmx.de.

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