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Biologin Stephanie Lehrian (r.), junge Obertshausener, Reptilien und viel, viel Regen.

Bonames

Naturlernen am Limit

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Zum Aktionstag im Frankfurter Nordpark schüttet es auf Mensch und Tier herab.

Jana wirkt mit der Gesamtsituation unzufrieden. Die 13-Jährige bade gern, sagt ihre Begleiterin, Falknermeisterin Karin Spellucci, doch stundenlang im Regen zu stehen sei nicht gerade ihre Lieblingsbeschäftigung. Was bei einem Wüstenbussard wie Jana durchaus einleuchtet.

Auch die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Aktionstag „Kultur fördert Natur?“ im Bonameser Nordpark stehen dem Dauerregen am Mittwoch eher ablehnend gegenüber, machen aber das Beste draus. Zusammengepfercht unter Zeltdächern lauschen sie a) dem Prasseln des Niederschlags und b) den Geschichten, die beispielsweise die Biologin Melanie Albert über den Feldhamster erzählt.

„Wir sind sehr froh, dass wir noch welche haben, und versuchen, sie zu schützen“, sagt sie. „Wir laufen über den Acker und gucken, wo sie sind.“ Nicht so leicht, denn Feldhamster, erfahren die jungen Zuhörer aus der Georg-Kerschensteiner-Schule in Obertshausen, sind Wühler.

Nebenan erzählt Stephanie Lehrian, ebenfalls Biologin, von den Problemen der Europäischen Sumpfschildkröte. „Es werden zu viele Hausschildkröten ausgesetzt“, Konkurrenten um Revier und Nahrung. Später lässt Lehrian eine Aspis-Viper herumreichen, neben der Kreuzotter eine der giftigen heimischen Schlangen. „Wer nicht will, muss aber nicht“, beruhigt sie die Schüler. Noch beruhigender, dass sich die Viper in einem Glas mit Konservierungslösung befindet.

Wo wir gerade bei Reptilien und Amphibien sind: „Warum ist auf Apothekenschildern eine Schlange abgebildet?“, fragt Kerschensteiner-Schülerin Belma Pintol. Eine lange und mystische Geschichte, erfährt sie. Und warum die Frage? „Ich mag Schlangen“, sagt die 19-Jährige. „Wenn ich mir ein Haustier zulegen sollte, dann eine Schlange.“

Viele Organisationen sind dabei mit ihren Infoständen: Senckenberg, Vogelschützer, Jäger, Stadtforst, Umweltamt. Und fast 180 Schüler, die meisten aus Obertshausen, gefolgt von der Nieder-Eschbacher Otto-Hahn- und der Sprendlinger Ricarda-Huch-Schule. Ziel: Annäherung an die Natur. Beim Nabu können sie über den Biber staunen, auf dessen Bauch 22 000 Haare pro Quadratzentimeter wachsen. Frank Uwe Pfuhl von der Nabu-Umweltwerkstatt Wetterau freut sich über das Interesse. Nützt solch ein Tag dem Umweltbewusstsein? „Schwer zu messen“, sagt er, „aber wer schon in jungen Jahren dabei war, ist auch später eher offen dafür.“

Jonas Geist, 18, Bio-Leistungskurs, zieht es beruflich ins Gesundheitswesen. „Beim Stadtklima kann man anfangen, etwas für die Umwelt zu tun“, sagt er. „So lässt sich schon was bewirken.“ Aktionstag-Organisationschef Willem Warnecke ist derweil (gespielt) sauer auf den Deutschen Wetterdienst, der schließlich zu den teilnehmenden Organisationen zähle. Andererseits: Regen ist ja auch Natur.

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