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Mehr mobile Jugendarbeit im Frankfurter Norden gefordert

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Von: Fabian Böker

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Judith Roth und Chris Langefeld fahren mit ihrem Bus zu den Jugendlichen in Preungesheim.
Judith Roth und Chris Langefeld fahren mit ihrem Bus zu den Jugendlichen in Preungesheim. © Renate Hoyer

Der Ortsbeirat 10 wünscht sich entsprechende Angebote in Eckenheim und Bonames. Doch der Bedarf wird in den beiden Stadtteilen unterschiedlich gesehen.

In Preungesheim gibt es sie bereits seit Jahren: die Aufsuchende Jugendarbeit. Nun soll sie auch in Eckenheim und Bonames eingerichtet werden. Das wünscht sich der Ortsbeirat 10 (Preungesheim, Eckenheim, Bonames, Berkersheim, Frankfurter Berg).

Jugendliche seien „durch die Auswirkungen der Coronapandemie in Schule, Familie und Beruf besonderen Belastungen ausgesetzt“, argumentieren die Linken in ihrem Antrag, der einstimmig angenommen wurde. Zwar gebe es in Frankfurt fünf Jugendbüros, in denen Jugendlichen in schwierigen persönlichen Lebenslagen geholfen werde. Aber leider gäbe es für die Stadtteile Bonames und Eckenheim keine Jugendarbeit, die Jugendliche dort anspricht, wo sie sich trifft. Diese Lücke soll der Magistrat nun mit eigenem Personal oder in Kooperation mit freien Trägern schließen.

Den Anstoß gab Stadtverordnete Ayse Dalhoff, Mitglied der Linken im Ortsbeirat, als sie erfuhr, dass Jugendliche in Bonames einen Spielplatz mitgestaltet hätten und sich in Eckenheim in einer Grünfläche treffen. „Da habe ich mal nachgefragt, wie es mit einer Aufsuchenden Jugendarbeit in den beiden Stadtteilen aussieht.“ Aber: Fehlanzeige.

Ortsvorsteherin Wera Eiselt (Grüne) findet, „dass für Jugendliche zu wenig gemacht wird“. Das habe ein Runder Tisch in der August-Jaspert-Schule in Bonames ergeben. „Da wurde dieser Mangel von den Jugendlichen direkt angesprochen“.

Ob der Bedarf in den beiden Stadtteilen wirklich so groß ist, wird dort unterschiedlich gesehen. Silvia Steverding, Leiterin des Kinder- und Jugendhauses Bonames, die ebenfalls bei dem Runden Tisch dabei war, gibt zu bedenken, dass es Jugendliche gibt, die auf keinen Fall mit Sozialarbeitern in Kontakt treten wollen, weil sie gerne unter sich bleiben. Andere Jugendliche, die auch regelmäßig das Jugendhaus besuchen, wünschten sich dagegen längere Öffnungszeiten, um dort mehr Zeit verbringen zu können. „Einen wirklichen Bedarf für Aufsuchende Jugendarbeit sehe ich daher nicht“, sagt Steverding, „wir würden uns dem Anliegen aber auch nicht verschließen.“

Svenja Klemen, Leiterin des Jugendhauses Am Bügel, hat beobachtet, dass junge Menschen nach der Pandemie den öffentlichen Raum wieder stärker nutzen, eine Begleitung durch Fachleute könne da nicht schaden. Aber: „Junge Menschen haben auch das Recht darauf, sich ohne Betreuung im öffentlichen Raum aufzuhalten. Es ist für sie sogar enorm wichtig, da dies Pflichten mit sich bringt, die für ihre Entwicklung zu selbstständigen Individuen vorausgesetzt werden.“

Kinderbeauftragte Kira Schuler findet eine Aufsuchende Jugendarbeit für Eckenheim „auf jeden Fall notwendig“. Das Jugendhaus des Stadtteils werde nicht von allen Jugendlichen aufgesucht. „Daher wäre es umso wichtiger, diese Jugendlichen auf anderen Wegen zu erreichen.“ Schuler erinnert sich, dass es bereits eine Aufsuchende Jugendarbeit in Eckenheim bis 2017 gab. „Die Planstelle müsste meines Wissens nach sogar noch vorhanden sein“, sagt sie, es läge aber an den zur Verfügung stehenden Mitteln.

Hoffnung könnte ihr die Situation in Preungesheim geben. Dort gibt es seit Jahren eine Aufsuchende Jugendarbeit, die im Herbst ausgebaut wurde. Laut Chris Langefeld und Judith Roth, die sich vor Ort um die Jugendlichen kümmern, haben die jungen Menschen ein großes Bedürfnis, ihren Stadtteil oder ihr Wohnumfeld mitzugestalten. „Über die Unterstützung einzelner Jugendlicher hinaus, etwa bei Beziehungskonflikten, Wohnungs- oder Arbeitssuche, ist es daher sehr wichtig, dass es Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen gibt, die die Jugendlichen unterstützen, sich in ihrem Stadtteil zu verwirklichen.“

Da auch manchmal Jugendliche aus Eckenheim zu ihrem Klientel gehörten, gehen Langefeld und Roth davon aus, dass es auch dort Bedarf an einer Aufsuchenden Jugendarbeit gibt.

Svenja Klemen vom Jugendhaus Am Bügel kann die Frage nach dem Bedarf nicht klar mit Ja oder Nein beantworten.
Svenja Klemen vom Jugendhaus Am Bügel kann die Frage nach dem Bedarf nicht klar mit Ja oder Nein beantworten. © christoph boeckheler*
Kira Schuler sieht für Eckenheim eindeutig einen Bedarf.
Kira Schuler sieht für Eckenheim eindeutig einen Bedarf. © Renate Hoyer

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