Häufig gibt es in den Containern technische Probleme.
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Häufig gibt es in den Containern technische Probleme.

Frankfurt Bonames

Streit um Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt: Drei Herdplatten für 330 Bewohner

  • vonClara Gehrunger
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In der Flüchtlingsunterkunft am Alten Flugplatz in Bonames beklagen die Bewohner, dass es in den Wohnungen nur kaltes Wasser gibt. Strom gibt es mittlerweile wieder - allerdings kaum Herdplatten.

  • Bewohner klagen über die Zustände in der Flüchtlingsunterkunft in Bonames
  • Der Strom war vorübergehend abgestellt
  • Die Flüchtlingsunterkunft ist dreckig und es gibt es kein warmes Wasser mehr

Über dem Asphalt der alten Landebahn steht sichtbar die Hitze, ein zerrissener Windsack erinnert an die aktiven Zeiten des alten Bonameser Flugplatzes. Radfahrer und Familien mit Kindern picknicken im Schatten einiger Bäume. Wenige Meter von ihnen entfernt umschließt ein Zaun die hiesige Flüchtlingsunterkunft, von außen zusätzlich bewacht von Sicherheitskräften.

Bis auf spielende Kinder zwischen den zweistöckigen Wohncontainern ist hinter dem Zaun lange niemand zu sehen. Fast alle Fenster sind mit Vorhängen verdeckt, im Außenbereich stehen zahlreiche Fahrräder. Schließlich kommt ein Mann aus einer der Wohnungen und beginnt, in einem kleinen Beet am Zaun Unkraut zu entfernen. Als er angesprochen wird, hört er aufmerksam zu, nickt und ruft seinen Sohn Masut zu sich. In seiner Landessprache schickt er den Jungen in die gemeinsame Wohnung. „Meine Frau kommt“, erklärt er dann lächelnd und wendet sich wieder der Gartenarbeit zu.

Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt: Bewohner müssen ihre Herdplatten abgeben

Wenig später tritt Falzana Hossine an den Zaun und fängt auf das Stichwort „Strom“ direkt an zu erzählen. Am vergangenen Freitag seien Vertreter der Stadt gekommen und hätten angekündigt, es gebe ab sofort keinen Strom mehr, bis alle Bewohner der Unterkunft ihre Herdplatten abgegeben hätten.

Die Afghanin unterbricht sich und blickt unsicher. Eine Sicherheitskraft kommt dazu, will wissen, was hier vorgeht. Der Mann greift nicht ein, geht weg, um sich mit seinen Kollegen zu besprechen. Hossine wartet noch einen Moment, dann spricht sie weiter. „Vorher hatten wir unsere eigene Herdplatte, jetzt gibt es für die ganze Unterkunft nur noch drei“, klagt sie – und das in Zeiten von Corona. Auf die Frage, wie sie mit der neuen Situation zurechtkomme, zuckt sie mit den Schultern. „Andere Familien gehen kochen, dann ich“, sagt sie und sieht dabei selbst nicht sehr überzeugt aus. „Wir hatten schon vorher Probleme mit den Herdplatten.“ Außerdem gebe es nur kaltes Wasser in den Wohnungen.

Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt verdreckt und ohne warmes Wasser

Bis wann das so bleibe und aus welchen Gründen, wisse sie nicht. „Ich habe am Freitag jemanden von der Stadt gefragt“, berichtet sie. Der sei aber direkt weggegangen, ohne ihr zu antworten. Jemand anderes habe von bis zu vier Monaten gesprochen, in denen die 330 Bewohner mit den drei Herdplatten auskommen müssten.

Bereits seit fünf Jahren wohnt Hossine mit ihrem Mann und ihren Kindern in einer Unterkunft. Während des Gesprächs gesellt sich einer ihrer Söhne dazu und schaut mit einem Grinsen, das einen fehlenden Milchzahn zeigt, durch den Zaun hindurch. Ob die Besucherin ihnen eine Wohnung vermitteln könnte, möchte er wissen und zeigt sich enttäuscht über die Antwort. „Ich will von diesem Flüchtlingsheim weg“, sagt er mit entschiedener Stimme und weist darauf hin, wie dreckig es an manchen Stellen der Unterkunft sei.

Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt: Endlich leben „wie normale Menschen“

Dann erblickt der Junge das Fahrrad der Journalistin am Zaun. „Ist das ein schnelles Rad?“, fragt er. Bei einer kurzen Demonstration des Zweirads fällt das Fahrzeug um, die Kette fliegt heraus. Kurz darauf kommt eine weitere Sicherheitskraft vorbei, Hossine murmelt etwas, ängstlich. Doch die Frau mit der gelben Weste grüßt freundlich und fragt, ob alles in Ordnung sei. Schnell wird die Fahrradkette zum Gesprächsthema. Bei Falzana Hossine, zu der sich in dem Moment ihr Mann und ein weiteres ihrer fünf Kinder gesellen, fällt sichtbar die Anspannung ab. Sowohl die Sicherheitsfrau als auch Hossines Mann bieten ihre Hilfe an. Sohn Mesut kann die Unsicherheit seiner Mutter erklären. Nach dem jüngsten Besuch von Journalisten seien Vertreter der Stadt gekommen und hätten den Bewohnern gesagt, sie hätten nicht mit der Presse über interne Probleme sprechen sollen.

„Wir wollen hier keinen Streit“, kommt Hossine abschließend auf das Gesprächsthema zurück, nachdem die Fahrradkette wieder an Ort und Stelle ist. „Davon hatten wir genug in unserem Land.“ Sie wünsche sich nur, „wieder wie normale Menschen“ leben zu können.

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