Flüchtlingspolitik

Flüchtlinge in Frankfurt-Bonames: „Sprecht mit uns“

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft in Bonames üben Kritik am Vorgehen der Stadt. Vergangene Woche war die Lage eskaliert, weil wegen Problemen mit dem Stromnetz alle Herde der Bewohner eingesammelt worden waren.

Im Streit über die Zustände in der Flüchtlingsunterkunft am Alten Flugplatz in Frankfurt-Bonames haben die geflüchteten Menschen einen Bericht verfasst, der die Entwicklung der letzten Monate aus ihrer Sicht darstellt. Mit Hilfe der Römerfraktion der Linkspartei sollte das drei Seiten umfassende Papier am Donnerstag beim Frankfurter Sozialdezernat abgegeben werden. In dem Bericht, der der Frankfurter Rundschau vorliegt, üben die 330 Bewohner der Unterkunft massive Kritik am Vorgehen der Stadt und an der Diakonie als Betreiberin der Unterkunft.

In der vergangenen Woche waren schon länger bestehende Probleme mit dem Stromnetz der Unterkunft eskaliert. Wegen Brandgefahr hatten die Flüchtlinge sämtliche in ihren Wohnungen installierten Herde und Kochplatten abgeben müssen, kurzzeitig war sogar der Strom abgestellt worden. Das Vorgehen der Stadt hatte große Unruhe unter den Bewohnern ausgelöst, die Polizei war vor Ort. Derzeit gibt es wieder Strom, die Herde werden aber nicht freigegeben. Die Menschen werden aktuell über einen Caterer versorgt, während die Stadt mit Hochdruck daran arbeitet, das Stromnetz so auszubauen, dass die Flüchtlinge wieder selbst kochen können.

Dem Bericht der Bewohner zufolge bestehen die Probleme in der Unterkunft schon seit einer Renovierung Anfang 2019. Wegen der Arbeiten hätten viele Familien mehrfach umziehen müssen, es habe Probleme mit Warmwasser und Schimmel gegeben. Damals habe es schon geheißen, große Herde müssten aus den Wohnungen verschwinden. „Die kleinen Herde, mit nur zwei Platten, reichen uns jedoch nicht, um für die Familie zu kochen“, schreiben die Flüchtlinge. Dem Bericht zufolge fühlten die Bewohner sich schon damals mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen. Auch bei Gesprächen hätten Vertreter von Stadt und Diakonie sie mehr oder weniger aufgefordert, die Umstände vor Ort hinzunehmen.

Stress bis zur Panikattacke

Als dann der Strom abgestellt worden und die Herde aus den Wohnungen geholt worden seien, habe das bei einigen enormen Stress bis hin zu Panikattacken ausgelöst. Durch den Einsatz vieler Polizisten habe man sich zusätzlich eingeschüchtert und schlecht behandelt gefühlt.

Der Bericht endet mit konkreten Forderungen. Die Flüchtlinge wollen „eine menschenwürdige Unterbringung“ mit guten Kochmöglichkeiten, warmem Wasser und ausreichend Strom, WLAN und keine Security-Mitarbeiter mehr vor Ort. Außerdem fordern die Bewohner: „Sprecht mit uns, nicht über uns.“

Robert Standhaft, Büroleiter von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), sagte der FR am Donnerstag, es habe immer wieder intensive Gespräche mit den Bewohnern der Unterkunft gegeben. Die Probleme mit der Warmwasserzufuhr seien in fast allen Modulen der Anlage bereits behoben. In Bezug auf die Stromversorgung arbeite die Stadt derzeit mit Hochdruck an einer Lösung. Man warte aktuell noch auf ein Brandschutzgutachten und müsse Termine mit den entsprechenden Handwerkern finden. „Wir hoffen, den Menschen nächste Woche die Lösung präsentieren zu können, wenn wir die Kochsituation wieder im Griff haben“, sagte Standhaft. (Hanning Voigts)

In Oberrad gibt es eine neue Unterkunft für Geflüchtete mit 26 Wohnungen.

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