+
Das Museo Aero Solar wurde aus Plastiktüten hergestellt.

Bonames

Frankfurt-Bonames: Eine Kathedrale aus Plastik im Umwelt-Exploratorium

  • schließen

Der Verein Umwelt-Exploratorium will mit dem begehbarem Riesenballon in Frankfurt für das weltweite Müllproblem sensibilisieren.

Zugegeben, es ist schön im Museo Aero Solar. Der begehbare Riesenballon habe „so ein bisschen was von einer Kathedrale“, sagt Till Hergenhahn vom Verein Umwelt-Exploratorium. Schlüpft man hinein, fühlt man sich tatsächlich ein bisschen wie im Schein eines Kirchenfensters: Von allen Seiten schimmert es bunt hindurch. Für einen Moment vergisst man sogar, was außerhalb des Ballons passiert – wegen des Gebläses, das lautstark Luft nachpumpt. Besucherin Anita Schamberger war anfangs ebenfalls „beeindruckt“ vom Raumgefühl des Museo. Dann aber wurde ihr bewusst: „Eigentlich ist es aus Müll“ – genauer gesagt aus unzähligen miteinander verbundenen Plastiktüten. Plötzlich hat das Museo etwas Bedrückendes. Bilder von Plastikteppichen auf den Weltmeeren kommen einem in den Kopf. 

Oder die Nachricht, dass inzwischen auch in menschlichen Körpern Mikroplastik nachgewiesen wurde. Grund genug für das Umwelt-Exploratorium, sich in seiner aktuellen Sommerwerkstatt dem Thema Plastik zu widmen. Alternative Technologien und Ideen gebe es genug, sagt Hergenhahn. Was es brauche, seien handlungsfähige Menschen. „Dazu aber muss ich erst mal die Situation verstehen, in der ich bin.“ Anhand des Museo Aero Solar zum Beispiel, das „nur die Spitze des Müllbergs“ (Hergenhahn) symbolisiert. Es ist Open Source, nichtkommerzielles Nachmachen erwünscht.

Dahinter steht eine internationale Community, die seit 2007 dafür gesorgt hat, dass das Museo schon an mehr als 20 Orten zu Gast war. Überall haben Menschen ihre Plastiktüten angeklebt, bis vor vier Jahren die Grenzen des Wachstums erreicht waren: Es musste dauerhaft geteilt werden. Seitdem lagert die eine Hälfte in Berlin, die andere hier auf dem alten Flughafen Bonames/Kalbach. Das Frankfurter Exemplar ist aktuell 15 Meter hoch, sein Umfang beträgt 63 Meter. Jetzt am Wochenende hatte das Umwelt-Exploratorium dazu aufgerufen, alte Plastiktüten vorbeizubringen und sie in das Museo einzufügen. Bis zum Samstagnachmittag sind jedoch kaum Menschen in den ehemaligen Hubschrauberhangar gekommen. 

Vielleicht, weil inzwischen weniger Plastiktüten verbraucht werden? Michael Schalk, der gemeinsam mit Schamberger da ist, hat überhaupt keine mehr – außer vier bis fünf besonders große Tüten, die er für Umzüge aufheben möchte. Am Museo gefällt ihm, dass es den Müll sichtbar macht. „Sonst verschwindet Plastik ja immer“, etwa wenn es in andere Länder entsorgt werde. Wer anders als Schalk noch Plastiktüten übrig hat, kann sie am kommenden Wochenende abgeben. Am Sonntag dürfte es sich lohnen, besonders früh aufzustehen: Dann soll das aufgeblasene Museo im Sonnenaufgang abheben. 

Im Anschluss öffnet an zwei Wochenenden das Plastiklabor. Dort kann mitgebrachter Abfall aus der Gelben Tonne analysiert werden, in Schwimm- und Brennversuchen. Wenn alles klappt, kommt noch ein Nahfeld-Infrarotspektrometer hinzu. Mittels Wellen kann es 8000 verschiedene Kunststoffe bestimmen. Am letzten Wochenende der Sommerwerkstatt geht es schließlich um plastikfreie Alternativen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare