+
Wegen einer „technischen Störung“ mussten alle, die sich am Freitagmorgen in Amts- und Landgericht aufhielten, auf die Straße.

Bombendrohung in Frankfurt

Bombendrohung gegen die Justiz - Landgericht Frankfurt geräumt

  • schließen

Das Landgericht Frankfurt wird am Freitagvormittag nach einer Bombendrohung evakuiert. Entwarnung nach zwei Stunden.

Gegen 9.30 Uhr unterbrechen Lautsprecherdurchsagen die Arbeit der Frankfurter Justiz, die eigentlich gerade erst die Arbeit aufgenommen hat. Der komplette Gerichtskomplex an der Konstablerwache – mit Ausnahme des Oberlandesgerichts – wird evakuiert. Grund sei eine „technische Störung“, heißt es in der Durchsage und spätestens da ist jedem klar, dass es sich um eine Bombendrohung handelt.

Hunderte verlassen, das allerdings in aller Ruhe, die Säle von Land- und Amtsgericht, die Staatsanwaltschaft verlässt die Büros und auf der „Sammelstelle“ im Anlagenring, auf der anderen Seite der Seilerstraße, wird es immer voller. Die Polizei regelt den Verkehrsfluss auf der Seilerstraße, da viele Autofahrer es nicht einsehen, für ein paar Hundert Menschen, die außerhalb des Fußgängerüberwegs die Straße überqueren, anhalten zu müssen.

Auch die Bürgersteige rund um die Gerichtsgebäude werden geräumt und gesperrt. Lediglich an der Obdachlosen, die unter den Gerichtsarkaden an der Kurt-Schumacher-Straße campiert, beißen sich die Ordnungskräfte die Zähne aus. „Die müsste man wegsprengen“, sagt ein Wachtmeister achselzuckend.

So genau weiß von den Evakuierten erst einmal niemand, was los ist, offizielle Verlautbarungen gibt es nicht, viele gucken auf ihre Handys, weil die „Bild“-Zeitung online in fast schon beängstigender Aktualität meldet: „Um 9.15 Uhr ging eine Bombendrohung per E-Mail auf Englisch ein.“

Es ist etwa 10.30 Uhr, als Landgerichtspräsident Wilhelm Wolf per Megafon verkündet, die Polizei durchsuche die Räume und mit einer Wiederaufnahme der Arbeit könne wahrscheinlich nicht vor 15 Uhr gerechnet werden. Er stellt den Mitarbeitern frei, den Arbeitstag zu beenden. Überraschenderweise entscheidet sich die absolute Mehrheit dafür, dass Wochenende einzuleiten, und diejenigen, die bleiben, werden es später bitter bereuen: Gegen 11.30 Uhr gibt die Polizei Entwarnung, tatsächlich werden sogar zwei, drei Prozesse wiederaufgenommen. Abgereiste Schöffen müssen herbeitelefoniert werden, Justizbeamte, die noch nicht verschwunden sind, werden aus Not für Fremdprozesse zwangsverpflichtet.

Beinahe zeitgleich spielen sich in Darmstadt ähnliche Szenen ab. Auch hier gibt es eine Bombendrohung auf Englisch, auch hier wird das Gericht geräumt, auch hier stellt sich die ganze Sache später als falscher Alarm heraus.

Bombendrohungen gegen die Justiz grassieren derzeit: Im Januar war das Wiesbadener Justizzentrum ebenfalls wegen einer Bombendrohung geräumt worden, Bombendrohungen gab es in den vergangenen Wochen bundesweit, in Frankfurt waren etwa Oberlandesgericht und Staatsanwaltschaft, in Hanau das Landgericht betroffen. Ob all diese falschen Alarme in einem Zusammenhang stehen, ist derzeit noch völlig unklar.

Am Nachmittag ärgern sich dann die Zurückgebliebenen in einem selbst für einen Freitagnachmittag beängstigend leeren Gericht nicht nur über ihre eigene Zögerlichkeit, sondern auch über den kläglich plätschernden Informationsfluss.

Noch vor Ort hatte Landgerichtspräsident Wolf durch die Flüstertüte mitgeteilt, dass ein eigentlich für dieses Wochenende geplanter Serverumzug abgesagt sei und niemand, der nicht mehr in sein Büro komme, Angst haben müsse, dass nicht gespeicherte Daten verloren gingen – eine Angst, die bei den meisten allerdings auch keine besonders starken Formen angenommen hatte.

Und eine Justizangestellte beschwert sich, dass sie bei ihrer Rückkehr ins Büro zu ihrer Überraschung doch eine aktuelle E-Mail der Verwaltung vorgefunden habe. Darin habe freilich kein Wort von einer Bombendrohung gestanden. Vielmehr habe die E-Mail darüber informiert, dass die für Montag geplanten Baumfällarbeiten in Gerichtsnähe wie geplant in aller Herrgottsfrühe begönnen und mit umfallenden Bäumen und Lärmentwicklung zu rechnen sei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare