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Immer bei der Arbeit: die Kommissare Horst Klopper und Pivo Sawatzkic.

„Bockinale 2019“

Aus Liebe zum Trash

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Beim 16. Frankfurter Filmfestival des schlechten Films zeigen Filmemacher eine Tatort-Persiflage.

Wer eine Liebe für schlechte Filme hat, der dürfte bei der „Bockinale 2019“ genau richtig sein. Bei dem 16. Frankfurter Filmfestival des schlechten Films ist am Samstag, 25. Mai, als Hauptfilm eine Tatort-Persiflage zu sehen, bei der die Leiche eines Möbelunternehmers wie das von ihm verkaufte „Willy-Regal“ in ihre Einzelteile zerlegt wird.

Ausgedacht hat sich die 30 Minuten lange Episode um die Tatort-Kommissare Horst Klopper und Pivo Sawatzkic das Fresh Trash Produktion-Team, das seit Jahren regelmäßig zur „Bockinale“ einlädt. Es ist ein Kreis von Frankfurter Filmfreunden, die sich dem Trash verschrieben haben. „So richtig trashig sind wir aber leider nicht mehr. Über die Jahre sind wir professioneller geworden“, kommentiert Harald Flörke, ein Mitglied des Produktionsteams, die neue Produktion.

Serien-Klassiker verulkt

Seit 2002 dreht Fresh Trash Production Filme. Die anfangs zumeist etwa 15 Minuten langen Beiträge, in denen beispielsweise der Serien-Klassiker um das Alpenmädchen Heidi oder das Genre der Science-Fiction-Filme persifliert werden, waren zunächst nur privat zu sehen. Dann wagten die Filmfreunde mit der Gründung der „Bockinale“ den Sprung in die Öffentlichkeit. Veranstaltungsorte waren in der Vergangenheit das alte Fechenheimer JUZ, das auch in diesem Jahr Austragungsort des Filmfestivals ist, und das studentische Kino „Pupille“ im Festsaal des Studierendenhauses in Bockenheim, in dem für die diesjährige Veranstaltung mit Trailern geworben wird.

Inzwischen hat die „Bockinale“ einen festen Kreis begeisterter Anhänger. Die Fresh Trash Production-Mitglieder, die alle voll berufstätig sind, drehen in ihrer Freizeit. Im vergangenen Jahr musste das Trash-Festival ausfallen. „Wir hatten alle zu viel zu tun“, sagt Flörke. Doch im Sommer kam den Filmfreunden die Idee, einen ganz eigenen „Tatort“ zu drehen. Schnell war das Skript entwickelt, die Dreharbeiten begannen und Ende März war der Film fertig geschnitten.

„Wir wollten erst einen düsteren skandinavischen Krimi drehen. Dann haben wir uns aber doch für eine Komödie entschieden“, sagt Flörke. Elemente der so populären Skandi-Krimis sind in der neuen Produktion dennoch enthalten. So werden die Frankfurter Kommissare von dem schwedischen Kommissar Hägerson unterstützt, dessen Rolle aber nicht mit einem Nachfahren der Wikinger, sondern mit einem Japaner besetzt ist. Und der ermordete Möbelunternehmer erinnert an einen berühmten schwedischen Möbelhersteller, der einst mit Selbstbaumöbeln den Möbelmarkt revolutionierte.

Beiträge von Besuchern

Die Tatort-Persiflage ist nicht der einzige Film-Beitrag, der auf der „Bockinale“ zu sehen sein wird. Die Besucher des Filmfestivals sind eingeladen, eigene digitale Filmbeiträge von wenigen Minuten Länge mitzubringen. Das sollten allerdings keine Ausschnitte aus professionell gemachten Produktionen sein, sondern Filme, die privat angefertigt worden sind, sagt Flörke. Er erinnert sich an einen Beitrag aus vergangenen Jahren, bei dem ein „Bockinale“-Besucher ein Familien-Filmchen aus den 1980er Jahren zeigte, das Vater und Söhne beim Cowboy-Spiel zeigte. Beiträge wie diese seien oft auch wegen der zeitlichen Distanz unfreiwillig komisch, findet er.

Flörke übrigens spielte den schwedischen Möbelunternehmer, der ermordet wird und dessen Leiche zerlegt wird. Für die Rolle lernte er nicht nur eigens ein paar Sätze Schwedisch. Um die von einem Metzger besorgten „Leichenteile“ drastisch in Szene zu setzen, bauten er und seine Filmfreunde in einem Wald ein Bücherregal, das berühmte „Willy“-Regal, auf. „Das war danach nicht mehr zu gebrauchen“, sagt er. Es war zu blutbesudelt.

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