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Serjoscha Williams präsentiert selbstgemachte Seifen. 

Bockenheim

Bockenheim: Schönheitspflege ohne Chemie

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Serjoscha Williams führt eine Bio-Drogerie mit Naturprodukten. Der Stammsitz ist in Nürnberg, seit Oktober gibt es eine Filiale an der Leipziger Straße.

Vor das Paradies hat der liebe Gott die Versuchung gestellt. In diesem Fall eine riesen Drogerie einer namhaften Kette an die Leipziger Straße. Wer jedoch dem Impuls widersteht, sich in die endlosen Regalmeter des Konzerns zu stürzen, findet wenige Schritte weiter an der Leipziger 39 tatsächlich ein kleines, naja, Paradies vor. Die Bio-Drogerie „Saleo Naturpflege“.

55 Quadratmeter sind es nur, die sich Serjoscha Williams und seine Lebensgefährtin Sanya Chandhary mit einer Theke, Lagerräumen, Regalen und Pflegemitteln eingerichtet haben. Aber der Duft entführt in die Weite. Da schleicht Sheabutter um die Nase, darüber tänzelt die Orange, bedrängelt die Brennnessel und irgendwo rollt auch eine Kokusnuss vorbei.

Anfang Oktober hat der 29-Jährige das neue Geschäft des Familienbetriebs eröffnet. Seine Schwester führt den Stammsitz in Nürnberg. Die Idee zu allem hatte ihre Mutter. Sie habe sich sehr für ayurvedische Dinge interessiert, für Naturkosmetik, sagt Serjoscha Williams. Von Kopf bis Fuß reibe sich der Mensch mit Chemie ein. Das beginnt beim Shampoo, geht über den Lippbalm, das Deo, Waschgel, Cremes. „Gifte überfluten unsere Haut.“

Seine Mutter habe das ändern wollen, der Welt einen transparenten Raum schaffen wollen, an dem sie sich mit natürlichen Pflegemitteln eindecken könne. Da lebt die Familie noch in den USA. Serjoscha Williams studiert BWL und Psychologie, spielt viel Fußball. 2015 ist seine Mutter gestorben. Ihre Kinder haben den Traum umgesetzt und Saleo gegründet. Der Name ist abgeleitet vom lateinischen Salus, Sicherheit.

Zum Fußball spielen kommt Williams heute nicht mehr. Das Geschäft (und seit kurzem ein Töchterchen) halten ihn auf Trab. Er möchte ja nicht nur naturnahe Pflegemittel anbieten – zu 99 Prozent ohne Palmöl (Monokulturen vermeiden), bio und vorwiegend vegan (zu 98 Prozent). Ihm ist auch wichtig, die Kunden angemessen beraten zu können.

Der Laden soll kein Abverkauf sein. Nach dem Motto: „Kauf’ Dei’ Seifen und geh’ raus!“ Williams gluckst. „Die Leute sollen sich wohlfühlen.“ Dafür muss er jeden Hersteller, jede Manufaktur persönlich besuchen. Auch deswegen kommen für ihn nur deutsche Hersteller und die aus dem angrenzenden Ausland in Frage. Weite Transport- und Inspektionswege konterkarieren den Nachhaltigkeits-Gedanken. Generell gilt das ayurvedische Prinzip, sagt Williams. „Was Du Dir auf die Haut streichst, solltest Du Dir auch auf die Zunge streichen können.“

Seit drei Jahren lässt er in einer kleinen Manufaktur eine eigene handgesiedete Seife herstellen. Auch Haushaltsreiniger und Waschmittel kommen aus eigener Produktion. Im Geschäft finden sich einige wenige Produkte in Plastikverpackung. „So ganz kommen man noch nicht daran vorbei“, bedauert Williams. Es gibt aber auch eine Abfüllstation für Shampoo, Dusch- und Waschgel, für die Kunden eigene Flaschen mitbringen können.

Saleo Naturpflege, Leipziger Straße 39. Montag-Samstag 10 bis 19 Uhr.

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