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Das Haus an der Leipziger Straße 68. 

Bockenheim

Bockenheim: Protest gegen Abriss an der Leipziger Straße

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Die Initiative Stadtteilbüro Bockenheim kämpft um den Erhalt der Leipziger Straße 68. Das historische Gebäude aus dem Jahr 1828 steht seit Jahren leer. Jetzt soll es abgerissen werden.

Seit gut zwei Jahren sind die Türen und Fenster des zweistöckigen Hauses in der Leipziger 68 mit Holzbrettern notdürftig zugenagelt. 2017 zog der letzte Mieter des Gebäudes, ein Asia-Imbissladen, aus. Seitdem drang Wind und Wetter durch die provisorische Bretterlösung in das historische Gebäude, Baujahr 1828, ein. Jetzt soll es abgerissen werden.

„Es ist ein Unding wie dieses Haus heruntergewirtschaftet wurde“, schimpft Anette Mönich von der Initiative Zukunft Bockenheim. Ihr Anliegen ist es alte Gebäude im Stadtteil zu schützen und sozialverträgliches Wohnen zu fördern. Das Haus aus dem frühen 19. Jahrhundert gehöre ebenso wie die unter Denkmalschutz stehende Bock Apotheke schräg gegenüber zum schützenswerten Bestand im Stadtteil. „Bockenheim lebt von solchen historischen Gebäuden“, findet Anette Mönich.

Die Immobilie, die seit Jahrzehnten im Besitz der Familie Gaumer ist, geriet – wie auch die Eigentümer – schon oft in die Schlagzeilen, zuletzt 2014. Damals wurden in einem Schuppen im Hinterhof des Gebäudes wohnungslose Osteuropäer illegal untergebracht. Eine Praxis, die der inzwischen verstorbene Eigentümer auch in seinen anderen Liegenschaften, etwa im Bahnhofsviertel, anwendete. 2004 geriet er dafür vor Gericht.

Heute werden seine Häuser von der Gaumer Hausverwaltung, einer Gesellschaft seiner Erben, gemanagt. Diese hat nun den Abriss des Gebäudes beschlossen. An die Stelle soll ein neues vierstöckiges Wohnhaus mit Ladenzeile im Erdgeschoss gesetzt werden. Das bestätigen Stadt und Ortsbeirat.

Das Gremium hatte sich bereits im Januar an die Stadt gewandt. Es vermutete, dass die Immobilie bewusst heruntergewirtschaftet wurde, um einen Abriss des unter die dort geltende Erhaltungssatzung fallenden Objekts zu erleichtern. Die Stadt indes sah keine Schuld bei den Eigentümern. „Für die Leipziger Straße 68 besitzt der Magistrat keine Erkenntnisse, wonach die Liegenschaft gezielt abgenutzt oder heruntergewirtschaftet wurde“, hieß es in einer Stellungnahme vom 23. April.

„Wir haben nur eine Handhabe, wenn das Gebäude eine Gefahr für Leib und Leben, etwa vorbeilaufender Passanten, darstellt“, sagt Mark Gellert, Sprecher des Dezernats Planen und Wohnen. Das Verbot der Wohnraumzweckentfremdung, das in diesem Fall zum Tragen hätte kommen können, habe das Land Hessen 2003 aufgehoben.

Ortsbeirat und Stadtteilbüro argumentieren, dass durch das Modernisierungs- und Instandhaltungsgebot der Baugesetzgebung die Stadt Druck auf die Eigentümer ausüben könnte. Werde der Eigentümer dann nicht tätig, könne man ihn sogar enteignen. Dieses Gebot, so Gellert, sei aber sehr komplex und in der Realität für die Stadt nur schwer umsetzbar. „Oft stellen sich Initiativen das sehr einfach vor. Aber als Stadt können wir nicht den Eigentümern vorschreiben, was sie tun sollen.“

Mönich zufolge lässt die Stadt wieder eine Chance verstreichen, einerseits den historischen Bestand im Stadtteil zu sichern und sich andererseits für bezahlbaren Wohnraum einzusetzen. „Durch den Neubau des Gebäudes erstehen wieder teure Eigentumswohnungen auf der Leipziger“, so Mönich. Die Möglichkeit, in der Immobilien günstige Wohnungen entsprechend der Milieuschutzsatzung des Stadtteils zu schaffen, werde nicht genutzt.

Gegen den Abriss protestiert das Stadtteilbüro gemeinsam mit den Freunden Bockenheims am 4. September um 18 Uhr vor der Immobilie.

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