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Der heutige Bebauungsplan für den Kulturcampus ist zehn Jahre alt.
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Der heutige Bebauungsplan für den Kulturcampus ist zehn Jahre alt.

Bockenheim

Zweite Chance für Bockenheimer Campus

Initiativen tragen Wünsche und Ideen zum geplanten Kulturcampus zusammen. Die alte Planung müsse an die geänderten Klimabedingungen und Mobilitätsmöglichkeiten angepasst werden.

Der Campus Bockenheim hat eine zweite Chance verdient, finden das Bockenheimer Stadtteilbüro, das Offene Haus der Kulturen und die AdA-Kantine. Die drei Institutionen luden für Donnerstagabend zu einer Stadtteilversammlung ein, dem Aufruf folgten rund 80 Menschen.

Das Interesse am Schicksal des Campus ist groß, im Publikum sitzen junge Studierende aber auch Männer und Frauen, deren Abschluss an der Goethe-Universität schon einige Jahre zurückliegen dürfte. „Uns alle verbindet etwas mit diesem Campus“, beginnt Martin Lommel, ein Bockenheimer, der sich seit vielen Jahren für den Stadtteil engagiert und den Abend moderiert.

Er übergibt an Anette Mönich vom Stadtteilbüro: „Es ist bedauerlich, dass die Flächen rund um den Campus, die bisher neu bebaut wurden, an Investoren gegeben wurden.“ Teure Wohnungen ohne wirklichen öffentlichen Nutzen, moniert die Bockenheimerin. 2011 hätte es in den Planungswerkstätten zur Zukunft des Campus viele Anregungen vonseiten der Bürger und Bürgerinnen gegeben. „Das Wenige, das bisher passiert ist, war genau entgegengesetzt zu den damaligen Wünschen“, so Mönich.

Auch Architekt Lothar Augustin steht den mittlerweile zehn Jahre alten Umwandlungsplänen kritisch gegenüber: „Alles in dem Areal hier soll abgerissen werden, bis auf die historische Bockenheimer Warte und das Studierendenhaus“, gibt er zu Bedenken. Seit mehr als zehn Jahren existiere das Label „Kulturcampus“, das die geplante Neustrukturierung des Campus zusammenfasst. Der Kulturcampus soll laut Stadtplanungsamt eine Nutzungsmischung bieten, geplant ist auch ein Neubau von Gebäuden der Musikhochschule und eventuellen weiteren Kultureinrichtungen.

„2011 entstand der heute gültige Bebauungsplan. Dieser ist so offen formuliert, dass mit den Flächen im Prinzip alles und auch nichts passieren kann“, fasst der Architekt zusammen. Alle Akteure und Akteurinnen würden nur für sich selbst arbeiten, die ABG Frankfurt Holding als Eigentümer des Campus an der Spitze. „Es gibt keinen gemeinsamen Masterplan, jeder bearbeitet seine Briefmarke. Land und Stadt zucken hin und her und die ABG wird jedes Teilstück kapitalbringend einzeln entwickeln“, kritisiert er.

Die Folge werde „ein Flickenteppich sein, der keinerlei Qualitäten für das Quartier mit sich bringt“, prognostiziert Augustin. Zudem müssten die Planungen aus rein technischer Sicht ohnehin überdacht werden, denn die Welt hat sich in den vergangenen zehn Jahren verändert: „Wir haben heute geänderte Klimabedingungen und geänderte Mobilitätsmöglichkeiten.“ Der neue Magistrat müsse nun eine klare Richtung vorgeben und die Stadtverordnetenversammlung neu entscheiden. „Der zehn Jahre alte Beschluss ist einfach nicht mehr aktuell.“

In zehn Punkten hat die Initiative Zukunft Bockenheim festgehalten, wie sie sich den Umgang mit dem Campus wünscht. Demnach soll etwa auf den letzten Flächen, die noch in öffentlicher Hand sind, „soziales Leben, kulturelle Vielfalt und Nachhaltigkeit im Umgang mit Flächen und Ressourcen“ realisiert werden. Die Bereiche Campus Nord und Mitte, die derzeit durch einen Abschnitt der Bockenheimer Landstraße getrennt sind, sollen nach Ansicht der Initiative durch eine öffentliche Fläche verbunden werden. Dazu soll ein betoniertes Areal größtenteils entsiegelt werden.

Weitere Punkte der Liste sind unter anderem eine bessere und intensivere Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern, eine nachhaltige Planung und der Erhalt von „identitätsstiftenden Bestandsgebäuden“ wie dem Juridicum. Auch das studentische Wohnen soll am Campus bleiben und der Anteil der Wohnungen von derzeit 40 Prozent hochgesetzt werden.

Die Bockenheimer Politik ist bereits im November auf das Thema angesprungen. So meldet sich Carola Scholz (Grüne) vom Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend) zu Wort: „Wir haben bereits eine umfassende Anfrage zu dem Thema im Ortsbeirat verabschiedet.“ In einer Pressemitteilung stellt die Grünenfraktion klar, dass sie die Aktivitäten des Offenen Hauses der Kulturen und des Stadtteilbüros unterstützt. Sie fordert eine neue Diskussion über das, was auf dem Gelände entstehen kann – und was nicht. Gebe es einen Architekturwettbewerb zu den Kulturprojekten, dann müssten dessen Vorgaben den heutigen Anforderungen entsprechen, und etwa eine verträgliche Dichte, eine möglichst geringe Versiegelung, sowie ausreichend Grünraum und Baumbestand berücksichtigen, fordert Scholz. mit bos

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