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Weniger Wege im Frankfurter Biegwald

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Von: Boris Schlepper

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Fraßspuren des Heldbocks an einem Eichenstamm im Biegwald.
Fraßspuren des Heldbocks an einem Eichenstamm im Biegwald. © Michael Schick

Die Stadt will Trampelpfade im Biegwald zum Schutz von Bäumen und dem seltenen Heldbock reduzieren. Der vom Aussterben bedrohte Käfer lebt vor allem auf Stieleichen, die in dem Wald wachsen.

Im Biegwald gibt es viele Wege. Zu viele, um genau zu sein. Das 18,4 Hektar großen Gebiet nördlich der Autobahn 648 unweit des Rebstockparks ist regelrecht von Trampelpfaden und Wegen durchzogen. Die Stadt will diese jetzt reduzieren – zum Schutz der Bäume und des dort heimischen und streng geschützten Heldbockkäfers. In der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend) am Montagabend haben Vertreter:innen der Stadt die Pläne vorgestellt.

Vielen Bäumen im Biegwald gehe es nicht gut, erläuterte Sabine Ellinger vom Grünflächenamt. Der Klimawandel und das Absinken des Grundwassers bereite besonders den Altbäumen Schwierigkeiten, „sie können sich nicht an die Veränderungen anpassen“. Erschwerend hinzu komme, dass das Gebiet offiziell nicht als Wald gelte, sondern als Grünfläche. Und in dieser habe die Stadt eine besondere Verkehrssicherungspflicht zu wahren.

Konkret bedeutet das, das links und rechts jedes Weges und Pfades alle Bäume in einem Radius von 30 Metern auf Trockenholz kontrolliert werden müssen, sagt Anja Rieder vom Umweltamt. Tote Äste etwa müssten zügig herausgeschnitten werden. „Und wenn es gar nicht anders geht, müssen wir die Bäume fällen.“ Nur 1,5 Hektar des gesamten Waldes unterliege derzeit nicht der intensiven Verkehrssicherungspflicht. Mit dem Ergebnis, dass es im Biegwald inzwischen kein geschlossenes Kronendach mehr gebe.

Zusammen mit dem Senckenberg Forschungsinstitut habe die Stadt deshalb untersucht, welche Wege und Pfade aufgegeben werden können, sagt Rieder. „Die brauchen wir nicht alle.“ Klar sei, dass weiterhin ein Rundweg und eine Nord-Süd-Verbindung nötig ist. Auch eine Querung werde bleiben, um das Grün unterschiedlich erfahren zu können. Ebenso Zufahrten etwa zu Häusern oder Kleingärten.

Überhaupt sollen die Wege auch nicht völlig gesperrt werden, sagte Volker Rothenburger, der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde. Sie sollen lediglich nicht mehr der Verkehrssicherungspflicht unterliegen. Wer sie dennoch nutze, tue das dann „auf eigenen Gefahr“. Um darauf aufmerksam zu machen, könnten sie etwa durch Totholz blockiert werden. Dadurch könne immerhin eine Fläche von 4,5 Hektar geschaffen werden, die nicht intensiv gesichert werden müsse. Zusätzlich soll das Gebiet aufgeforstet werden, vor allem durch heimische Arten.

Nicht nur dem Wald würde es gut tun, wenn weniger Bäume gestutzt werden müssten, machte Kirsten Lindner von der Unteren Naturschutzbehörde klar. Auch der wegen der intensiven Waldbewirtschaftung vom Aussterben bedrohte Heldbock profitiere davon. Denn der streng geschützte Käfer ist vor allem auf Stieleichen angewiesen, die im Biegwald wachsen. Dort suchten sich die Tiere meist einen alten Baum, in und an dem sie in der Regel ihr gesamtes Leben verbrächten. Sie legten ihre Eier in die Rinde, erläuterte Lindner. Die Larven fräßen sich in den Stamm, wo sie sich verpuppten und schließlich schlüpften. Dennoch seien sie keine Schädlinge, beantwortete sie die Frage eine Besuchers der Sitzung.

Da sich der Heldbock kaum ausbreitete, sei nicht darauf zu hoffen, dass er sich etwa in den nur ein Kilometer entfernten Niedwald ausbreiteten. „Deshalb müssen wir Maßnahmen ergreifen, um sie im Biegwald langfristig zu erhalten“, so Lindner.

Der Ortsbeirat begrüßt den Vorstoß der Stadt. In einem gemeinsamen Antrag von Grüne, SPD, CDU, und FDP sprach sich das Gremium dafür aus, Wege zugunsten des Baumbestandes mit Lebensraum für den Heldbock zurückzubauen. Mehrere Stadtteilpolitiker:innen forderten, dass ein einstiger Waldkindergarten erhalten bleibt, der schon länger brach liegt.

Der Heldbock wird auch Großer Eichenbock oder Riesenbock genannt. Hier ein totes Exemplar im Biegwald.
Der Heldbock wird auch Großer Eichenbock oder Riesenbock genannt. Hier ein totes Exemplar im Biegwald. © Michael Schick

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