Auf der Leiziger Straße herrscht viel Betrieb – aber nicht in den Geschäften.
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Auf der Leiziger Straße in Frankfurt Bockenheim herrscht nach der Lockerung der Corona-Regeln viel Betrieb – aber nicht in den Geschäften.

Bockenheim

Dramatische Verluste wegen Corona - Deshalb bleiben Geschäfte leer

Einzelhändler in Bockenheim klagen über Umsatzeinbußen – trotz Wieder-Eröffnungen vieler Geschäfte.

  • Nach der Lockerung der Maßnahmen gegen das Coronavirus* sind viele Geschäfte in Frankfurt wieder geöffnet
  • Die Einzelhändlern in Frankfurt-Bockenheim haben trotzdem hohe Umsatzeinbußen
  • Grüne und SPD schlagen eine Sperrung der Leipziger Straße vor

Frankfurt-Bockenheim - Den Einzelhändlern in der Leipziger Straße im Frankfurter Stadtteil Bockenheim geht es schlecht. Die Geschäfte sind nach dem Corona-bedingten eingeschränkten Lockdown zwar wieder geöffnet, der Umsatz fehlt aber. Wie Holger Wessendorf, Vorsitzender des Gewerbevereins „Bockenheim aktiv“, in der Online-Bürgersprechstunde des Ortsbeirats 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald) berichtete, klagten sie über Umsatzeinbußen von 75 bis 95 Prozent. „Das ist dramatisch“, äußerte sich Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) besorgt.

Auf den Einwand, dass sich Menschen vor den Geschäften in der Einkaufsstraße drängten, entgegnete Wessendorf, dass der Eindruck täusche: „Die Straße ist voll, aber die Geschäfte sind leer.“ Das sei eine direkte Folge der Regeln, die derzeit für den Einkauf gelten. Pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche darf laut der neuen Corona-Regeln derzeit nur ein Kunde das Geschäft betreten. 

Frankfurt-Bockenheim: Geschäfte bleiben trotz Corona-Lockerung leer

Damit kämen weniger Kunden, was sich auf den Umsatz auswirke. Viele Einzelhändler in Frankfurt wüssten nicht so recht, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Wie viele von ihnen Soforthilfen beantragt hätten, wisse er nicht. „Die Umfrage ist nicht repräsentativ“, sagte Wessendorf. Befragt wurden dabei nämlich ausschließlich Mitglieder des Gewerbevereins. Seit der Lockerung der Corona-Regeln dürfen in Hessen Hotels, Restaurants, Kinos und Schulen wieder öffnen.

Eine Sperrung der Leipziger Straße in Frankfurt-Bockenheim lehnten die Einzelhändler jedoch strikt ab. Weil die Corona-Abstandsregeln vor Geschäften und dem schmalen Bürgersteig nicht eingehalten werden können, hatten Grüne und SPD diese Maßnahme angeregt. Die probeweise Sperrung für den Autoverkehr an Samstagen auf dem Abschnitt zwischen Adalbertstraße und Kurfürstenstraße hatte der Ortsbeirat im vergangenen Jahr mehrheitlich beschlossen, und er wartet nun auf die Umsetzung durch das Verkehrsdezernat.

Corona in Frankfurt: Baustellen verschärfen Situation für Geschäfte 

So lange nicht geklärt sei, wie der Lieferverkehr abgewickelt, der Verkehr in den Seitenstraßen geführt und die Zufahrt zu Grundstücken geregelt werde, sei eine Sperrung keine Option, stellte Wessendorf klar. Und er gab zu bedenken, dass derzeit mehrere Baustellen die Situation in der Leipziger Straße in Frankfurt-Bockenheim verschärften. Auch auf Parkplätze könne man nicht verzichten.

Maria-Christina Nimmerfroh (FDP) wandte ein, dass die Geschäftsleute dann die Möglichkeit hätten, auf den freien Flächen Waren zu verkaufen oder Sonderevents zu organisieren. Oder sie könnten Sommergärten eröffnen. Nach der Lockerung der Corona-Regeln haben viele Geschäfte wieder geöffnet, trotzdem ist die Situation für Geschäftsleute keine Rückkehr zur Normalität.

Corona-Regeln: Geschäfte sind auf Unterstützung der Frankfurter angewiesen

Nach Angaben von Oliver Schwebel, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, fehlten derzeit Pendler und Touristen, die einkauften. Die Wirtschaftsförderung bemühe sich aber, den Einzelhändlern zu helfen. So sei beispielsweise eine Kampagne fürs Radio geplant, in der betont werde, dass die Geschäftsleute im Kampf ums Überleben auf die Unterstützung der Frankfurter angewiesen seien. Außerdem gebe es auf der Internetseite der Wirtschaftsförderung eine Plattform, die auflistet, welche Geschäfte es in den Stadtteilen gibt. Beides soll den Umsatz ankurbeln. Die Corona-Krise hat große wirtschaftliche Auswirkungen. Viele Arbeitnehmer sind wegen des Coronavirus in Kurzarbeit.

Schwierig sei die Situation auch für die Frankfurter Turn- und Sport-Gemeinschaft, deren Vorsitzender Wessendorf ist. Inzwischen betrage der finanzielle Ausfall 130.000 bis 150.000 Euro. Monatliche Fixkosten von 40.000 Euro für den Unterhalt dreier Sportstätten liefen aber weiter. Eine Weile könne der rund 10.000 Mitglieder zählende Verein dies verkraften, erklärte der Vereinschef. „Dauert es noch lange, muss man überlegen, wie man das Ganze abwickelt.“

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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