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Teures Gedenken

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Von: Boris Schlepper

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Die Platte an der Ginnheimer Straße / Ecke Schloßstraße erinnert an die Synagoge in Bockenheim und muss saniert werden.
Die Platte an der Ginnheimer Straße / Ecke Schloßstraße erinnert an die Synagoge in Bockenheim und muss saniert werden. © Peter Jülich

Laut Ortsbeirat ist die Sanierung von Erinnerungsorten Aufgabe der Stadt. Damit sich die Arbeiten nicht verzögern, bezahlt das Stadtteilparlament 1200 Euro für die Tafel , die an die ehemalige Bockenheimer Synagoge erinnert.

Die Gedenkplatte, die an die zerstörte Bockenheimer Synagoge erinnert, kann saniert werden. Der Ortsbeirat 2 stellt 1200 Euro aus seinem Budget zur Verfügung, um die 1988 vom Bildhauer Willi Schmidt angefertigte Bodenplatte an der Ecke Schloßstraße/Ginnheimer Landstraße wieder instand zu setzen. Zudem soll die Sichtbarkeit verbessert werden, denn die Platte befindet sich versteckt neben einem Lokal. Ein entsprechender Antrag von Grüne und CDU wurde nun ohne Gegenstimmen auf den Weg gebracht.

Es ist nicht die erste Vorlage zu dem Thema. Erst im November hatte das Gremium den Magistrat aufgefordert, die Platte zu sanieren. Die Verwaltung hatte daraufhin geantwortet, dass sich die Kosten auf 1200 Euro beliefen, die der Ortsbeirat übernehmen möge. Was das Stadtteilgremium verärgert, wie dem neueren Antrag zu entnehmen ist. Der Ortsbeirat fördere die Installierung gerne aus seinem Budget. „Die Instandhaltung solcher wichtiger Erinnerungsorte mit stadtweiter Bedeutung“ sei jedoch Aufgabe des Magistrats, der die Kosten künftig wieder zu übernehmen habe, fordern die Stadtteilpolitiker:innen.

Um die Sanierung jedoch nicht weiter zu verzögern, zahle der Ortsbeirat die Kosten. Zwar gebe es Einspar-Erfordernisse, doch handele es sich um eine Angelegenheit „im gesamtstädtischen Interesse und mitnichten um lokale begrenzte Kleinigkeiten“, heißt es in der Begründung des Antrags.

Laut Elena Melnikow-Schneidmiller vom Kulturdezernat haben die Ortsbeiräte die Kosten für Sanierungen oder Instandhaltungen nie komplett zu tragen. In der Regel stecke viel mehr Arbeit und Kosten dahinter, die die Stadt übernehme. Der Magistrat frage immer nach, ob sich ein Gremium beteiligen wolle. In der Regel gebe es eine positive Rückmeldung. Zudem arbeiteten Ortsbeirat und Magistrat gleichermaßen für die Bürger und Bürgerinnen, das Geld komme aus der selben Quelle und sei für das Wohl der in Frankfurt lebenden Menschen gedacht.

Die Mittel der Stadt seien begrenzt, sagt Melnikow-Schneidmiller. Die Anzahl der Gedenkstätten, - tafeln und -platten dagegen enorm. Auch habe die Kommune nicht nur die Unterhaltung zu zahlen, sondern müsse etwa bei Vandalismus, antisemitischer Schmierereien oder Diebstahl zum Teil schnell einschreiten, was zusätzliche Kosten verursache. Die Ortsbeiräte bei der Finanzierung einzubeziehen, geschehe daher „im Sinne des produktiven Miteinanders“. Anderenfalls müsste die Kommune stärker Prioritäten setzen und könnte nicht so viele Sanierungen umsetzen, „dann müsste zum Teil etwas auf der Strecke bleiben“.

Der Ortsbeirat 2 hat sich in seiner Sitzung indes dafür ausgesprochen, Geld für eine weitere Restaurierung einer Gedenktafel zur Verfügung zu stellen. 2000 Euro gibt das Gremium aus seinem Budget für die Reinigung und Nachbeschriftung der Gedenktafel des ehemaligen Malers und Kupferstechers Friedrich Wilhelm Delkeskamp auf dem Alten Friedhof Bockenheim. Dessen Todestag jährt sich Anfang August zum 150. Mal, weshalb die Arbeiten zeitnah erfolgen müssten, heißt es im Antrag der CDU.

Freidemokratin Sophie Hartmann forderte in der Debatte über die beiden Anträge eine einheitliche Regelung, für was Ortsbeirat und für was Magistrat zuständig sei. Ohne die Klarheit zögen sich viele Prozesse in die Länge. Auch müsse stets von Neuem abgestimmt werden.

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