+
Die Kinder paradieren durch Bockenheim.  

Bockenheim

Süßes auf Asphalt von Bockenheim

  • schließen

Beim Kinderumzug auf der Leipziger laufen die jungen Besucher. Die Menge am Rand wirft Kamelle.

Der Lastwagen beginnt zu wackeln, als die Musik einsetzt. Mehr als ein Dutzend Kinder hüpft und tanzt auf der Ladefläche des LKW und versetzt ihn so in Schwingung. Dann setzt sich der „Kinderfaschingszumzug“ am Rosenmontag über die Leipziger Straße in Bewegung. Von der Ladengalerie an der Bockenheimer Warte geht die Parade bis zum Kirchplatz.

Seit rund drei Jahrzehnten veranstaltet die Kinderwerkstatt Bockenheim den Umzug. 20 Kinder- und Jugendeinrichtungen machen jedes Jahr mit. Auf einige hundert schätzt Robert Wald, Sozialarbeiter bei der Kinderwerkstatt, die Teilnehmerzahl in diesem Jahr. Der 56-Jährige, selbst schon lange dabei, ist dem Motto „Dschungel“ entsprechend in ein Elefanten-Kostüm geschlüpft und trägt darüber eine gelbe Warnweste, weil er als Ordner neben dem Lastwagen mitläuft. Verkleidungen seien aber alle Möglichen erlaubt, berichtet er. „Das Besondere bei uns ist, dass die Kinder selbst auf der Straße laufen“, sagt Wald.

Und deren Blicke richten sich meist auf den nassen Asphalt. Von links und rechts fliegen neben Konfetti Bonbons, Flips und Leckereien in die vorbeiziehende Menge. Einiges landet auf dem Boden. Da lohnt der prüfende Blick. Der achtjährige Klaas, im Drachen-Kostüm mit grün geschminktem Gesicht, wuselt durch die Menge und sucht nach Essbarem. Bei Besuchen der Oma in Köln sei er auf Karnevalsumzügen gewesen, sagt der Achtjährige. „Viel größer“ seien die, ruft er und verschwindet. Die Lautstärke auf der Bockenheimer Version kann sich dank mehrerer Handkarren mit Lautsprechern sowie einer Gruppe Trommlern weithin hören lassen.

Konfetti im Haar

Teils kommen die Kamelle von Ladeninhabern, die mit Flyern Wochen vorher von der Kinderwerkstatt informiert wurden, um ihre Süßigkeiten-Vorräte aufzufüllen. Teilweise werfen Betreuer der Einrichtungen Süßes in die Menge, darunter eine fleischfressende Pflanze, im Alltag Mitarbeiterin des Eschersheimer Jugendbüros. Aus dem Eingang einer Apotheke fliegen Traubenzucker-Tabletten. Der dreijährige Jonas, mit roter Löwen-Mähne auf dem Kopf, in der Konfetti hängt, ist von seiner Mutter kaum zu halten, läuft durch Gruppen von Zugteilnehmern und sucht den Boden ab.

„Nett gemacht und ohne Autos“, das gefällt der Mutter, die nicht namentlich in der Zeitung erscheinen möchte. Etwas halbherzig hat sich die 36-Jährige, die sonst keine große Fastnachterin sei, als Clown mit Hütchen verkleidet und die Wangen blau bemalt. Einige Meter weiter hinten laufen Großmutter und Enkelin in aufwendigeren, farbenfrohen Clownsgewändern, die Oma Christel Sparfeld selbst genäht habe, wie die 69-Jährige berichtet. Ihr sei am wichtigsten, „dass die Kinder Spaß haben“. Enkelin Marlene sagt: „Man kann hier viele Süßigkeiten bekommen“, die die Oma aus Nied in einer Plastiktüte sammelt.

„Ich finde es schön, dass hier so viele Kostüme sind“, fügt die Achtjährige hinzu. Und nach Kakao und Kreppel am Kirchplatz werde „weiter Party gemacht“, wie Sparfeld sagt. Im benachbarten Kindergarten „Waldmonster“ soll der Kinderfasching in die letzte Runde gehen, ehe die Teilnehmer von ihren Eltern abgeholt werden, die während des Umzugs noch arbeiten müssen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare