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Die Schau zeigt Linoldrucke, Collagen und Tonfiguren.

Bockenheim

Von Uli und seiner Werkstatt

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Eine Ausstellung im Stadtteilbüro zeigt die Werke des verstorbenen Stadtteilkünstlers Ulrich Hahn.

Hafida Allouss erinnert sich noch gut daran, wie sie 1986 als Achtjährige aus Marokko „direkt auf die Leipziger“ nach Frankfurt kam. Ihr Vater war schon da, sie folgte ihm mit ihrer Mutter und drei Geschwistern. Von der Großstadt sei sie zunächst „geschockt“ gewesen.

Noch im selben Jahr besuchte Allouss zum ersten Mal das Kinderhaus Am Weingarten: „Und da war Uli und der hatte eine Werkstatt.“ Im Gegensatz zu der engen Wohnung ihrer Familie gab es dort „viel Fläche“. Platz, den das Ehepaar Hahn nutzte, um gemeinsam mit den Kindern Tonburgen oder Linoldrucke für T-Shirts anzufertigen. Dort konnten Kinder so sein, wie sie waren – auch diejenigen Kinder, „die aus anderen Einrichtungen rausgeflogen wären.“

Nicht nur das: Dank Ulrich Hahn ist Allouss „in eine andere Gesellschaft“ jenseits der „marokkanischen Community“ gekommen. Intellektuell und belesen sei er gewesen, dementsprechend gerne habe er über Politik diskutiert. Seine kritische Haltung prägt Allouss noch immer. Er habe sie gefördert, auch über ihre Kindheit hinaus. „Das hätten meine Eltern nicht leisten können“, sagt die heutige Familientherapeutin, allein schon wegen der Sprache.

Der Besuch der Ausstellung im Stadtteilbüro Bockenheim wecke „Kindheitserinnerungen“ in ihr. Wie ihr geht es vielen Besuchern so. Die Schau zeigt die Werke des vor drei Jahren verstorbenen Künstlers Ulrich Hahn. Er und seine Frau Gabriele haben 1974 das Kinderhaus am Weingarten als ehrenamtliche Elterninitiative gegründet.

Neben Tonfiguren und Linoldrucken werden in dem Raum in der Leipziger Straße 91, Aquarelle und Collagen gezeigt. „Von allem ein bisschen was“ sei das Leitmotiv für die Auswahl gewesen, sagt der Enkel Till Hahn, der mit seinem Opa einst Holzritter bastelte. Sämtliche Exponate sind zwischen den 1960er Jahren und 2014 entstanden. Sie stammen entweder aus Ulrich Hahns Anwesen im Spessart – oder aber dem Kinderhaus, das inzwischen eine städtische Einrichtung ist.

Susanna Masoumi ging schon als Kind ins Kinderhaus, heute ist sie dort Pädagogin. In der Schule sollte sie einmal definieren, was Kunst ist. Ulrich Hahn habe ihr geraten, einfach ein weißes Blatt zu zeigen und dazu Zitate vorzulesen. Er sei eben immer gegen den Strom geschwommen, sagt Masoumi, habe aber auch in seinem „eigenen Kosmos“ gelebt. Allouss pflichtet ihr bei: Ulrich Hahn schrieb Briefe, in denen „jeder Satz“ philosophisch war. Sie habe sich deshalb nicht getraut, ihm in ihren eigenen Worten zu antworten.

Noch bis zum 8. März hat die kostenlose Schau im Bockenheimer Stadtteilbüro, Leipziger Straße 91, werktags von 15 bis 19 Uhr geöffnet. Initiatorin der Ausstellung ist Anna Wilhelm, die Schwiegertochter von Ulrich Hahn. Die „viele Energie, die er investiert hat“, habe sie motiviert, seine Kunst der Öffentlichkeit zu zeigen. Er selbst hatte nie großen Wert darauf gelegt.

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