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Protestierten auch am letzten Tag vor den Ferien weiter: die Jugendlichen der Fridays for Future-Bewegung in Frankfurt.

Klimaschutz

Fridays for Future fordert von Stadt Frankfurt: „Ruft den Klimanotstand aus!“

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Die Protestbewegung legt der Stadt Frankfurt einen Forderungskatalog vor.

Sie fordern eine vorrangig an Klimaschutzzielen orientierte Stadtpolitik – und mehr politische Mitbestimmungsrechte für Jugendliche. Mit einem umfassenden Forderungskatalog zum Erreichen der Klimaschutzziele von Paris und für die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad hat die Protestbewegung Fridays for Future die Stadt Frankfurt nun zum Handeln aufgefordert.

Im Anschluss an ihren wöchentlichen Streik, an dem sich auch am letzten Schultag vor den Sommerferien einige Hundert Schülerinnen und Schüler beteiligten, trugen die Jugendlichen ihre Positionen bei einer Pressekonferenz im Senckenberg-Museum vor. Auch Erwachsene der Bewegungen „Scientists for Future“ und „People 4 Future“ schlossen sich dem Forderungskatalog an.

Fridays for Future: Frankfurt soll dem Beispiel Wiesbadens und Rüsselsheims folgen

„Wir können nicht alleine das Klima retten, das müssen wir alle gemeinsam tun“, sagte die Schülerin Kira Geadah an die Gäste aus Politik und Medien und die zuvor Demonstrierenden gewandt, die dicht gedrängt auf dem Boden unter den Dinosaurierskeletten Platz genommen hatten. Der Anstoß für ein klimaneutrales Leben müsse aus den Kommunen kommen.

Konkret fordern die Schüler, Frankfurt solle den Klimanotstand ausrufen, wie dies Wiesbaden und Rüsselsheim am Donnerstagabend bereits getan haben. Damit müsste die Stadt bei sämtlichen politischen Entscheidungen die Auswirkungen auf das Klima und die Umwelt berücksichtigen und das Prinzip der Wirtschaftlichkeit dem der Nachhaltigkeit unterordnen.

Weiterhin fordern die Schülerinnen und Schüler bis 2030 eine zu 100 Prozent erneuerbare Energieversorgung für die Stadt sowie die sogenannte Nettonull, dass also nur so viele Treibhausgase ausgestoßen werden dürfen, wie durch die Natur oder Speichersysteme auch wieder kompensiert werden können. Außerdem solle die Stadt klimaneutrales Bauen und eine grüne Stadtentwicklung vorantreiben, eine umfassende Verkehrswende vollziehen und durch Einführung eines Jugendparlaments mehr Jugendbeteiligung ermöglichen.

Schüler legen Positionspapier vor

In ihrem Positionspapier führten die Schüler alle diese Punkte weiter aus. So fordern sie beispielsweise, das Heizkraftwerk West müsse sofort von Kohle auf Gas um- und spätestens im Jahr 2022 ganz abgestellt werden. Alle Dächer im Stadtgebiet sollten begrünt oder mit Photovoltaik ausgestattet sowie fossile Öl- und Gasheizungen in Wohn- und Geschäftshäusern durch regenerative Systeme ersetzt werden. Dies wie auch die nachhaltige Gebäudedämmung und möglichst klimaneutrales Bauen sollten gefördert werden.

In puncto Verkehr sollte nach Wunsch von Fridays for Future der öffentliche Nahverkehr spätestens im Jahr 2025 für alle Menschen kostenfrei sowie die Innenstadt autofrei werden. Fraport müsse den Flughafenausbau stoppen, die Zahl der Kurzstreckenflüge durch höhere Startgebühren reduzieren sowie ab 2035 nur noch klimaneutrale Flieger starten lassen.

„Die Klimafrage ist immer auch eine soziale Frage“, sagte der 18-jährige Konstantin Nimmerfroh. Das überparteiliche Bündnis betont in seinem Positionspapier daher auch, dass keine der Maßnahmen zu Mieterhöhungen und Verdrängung ärmerer Menschen führen dürfe. Und es fordert die Stadt auf, sich zum sicheren Hafen für Geflüchtete zu erklären und Projekte der zivilen Seenotrettung finanziell zu unterstützen, denn es seien die Menschen im globalen Süden, die am meisten unter den Folgen des Klimawandels litten.

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), die ebenso wie Planungsdezernent Mike Josef (SPD) ins Museum gekommen war, sagte der FR: „Ich kann viele Forderungen unterstützen.“ Einen Klimanotstand nannte sie allerdings „reine Symbolpolitik“. Sie betonte, die Koalitionspartner von CDU, Grünen und SPD würden in der Sommerpause bei Klausurtreffen, zu denen mit Ausnahme der AfD auch die Oppositionsparteien eingeladen seien, über die städtischen Klimaschutzmaßnahmen und auch die Forderungen der Jugendlichen sprechen. Die kündigten derweil an, dass sie auch in den Sommerferien ihre wöchentlichen Streiks fortführen werden.

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