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Zehn Tage lang machte eine Plakataktion auf Rassismus und Polizeigewalt aufmerksam. Nicht jeder der Sätze durfte aufgehängt werden. Bild: Enrico Sauda
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Zehn Tage lang machte eine Plakataktion auf Rassismus und Polizeigewalt aufmerksam. Nicht jeder der Sätze durfte aufgehängt werden. Bild: Enrico Sauda

Bockenheim

Plakate gegen Rassismus und Gewalt

Aktion zeigt verletzende Sprüche, die sich Jugendliche im Alltag anhören mussten. Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg will die Großplakate auch in anderen Stadtteilen zeigen.

Dann kam von der Lehrerin die Frage, ob es normal wäre, dass so viele dunkle Menschen in einer Klasse sind und ob die überhaupt einen deutschen Pass besitzen“ steht auf einem Plakat. Es ist eines von acht, das zehn Tage lang an frequentierten Stellen in Bockenheim für Aufsehen gesorgt hat. Unter der Überschrift „Rassismus“ in Klar- und Lautschrift standen Sätze, die sich Jugendliche im Alltag anhören mussten und die sie verletzt haben.

Die Gruppe „Grup – Gegen Rassismus und Polizeigewalt“ hat so gemeinsam mit dem Bockenheimer Stadtteilbüro Alltagsrassismus sichtbar gemacht. Mit Sätzen und Situationen, die junge Menschen in der Schule, in der Öffentlichkeit und mit der Polizei erlebt und erfahren haben. „Rassismus in der Stadt ist Alltag“, sagt Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) am Mittwochabend. Sie ist beeindruckt von den Plakaten, „die keine platten Sprüche, sondern Alltagserfahrungen junger Menschen sind. Man sieht hin – und das ist wichtig.“ Eskandari-Grünberg lobt die Initiative und ruft dazu auf, „immer und überall laut nein zu sagen, wenn es zu Alltagsrassismus kommt“.

Anette Mönich von der Initiative Zukunft Bockenheim im Stadtteilbüro erlebt an den Plakaten viel Betroffenheit. „Das liegt auch an dem Mut der jungen Leute zwischen 16 und 22 Jahren, die erzählen, was sie an Rassismus in der Stadt erleben, dass sie sich zu dem Thema öffnen und sogar zugestimmt haben, dass Zitate von ihnen auf Plakaten landen.“

Schwieriger sei es bei der Plakatierung gewesen. Rund 2500 Euro habe es gekostet, die Großflächen zu mieten. „Ein Plakat wurde vom Vermieter verboten“, sagt Mönich. „Man würde eine gesamte Berufsgruppe diskriminieren war das Argument des Flächenvermieters.“

Zwei junge Frauen tragen das verbotene Plakat durch die Straßen, im Stadtteilbüro steht es im Fenster. „Im Winter bei 2°C im Schneeregen. Polizist: „Zieh kurz Deine Hose nach unten, damit wir wissen, dass du nichts am Gürtel hast.“ Ich: „Können wir zumindest unters Dach gehen?“ Polizist: „Nein, wir bleiben hier stehen!“ steht darauf.

Die Teilnehmer:innen von Grup finden es „bedenklich, dass Plakate zensiert werden“ und nennen es „eine Einschränkung der Meinungsfreiheit und Täter-Opfer-Umkehr. Andere Plakate die auf Voreingenommenheit der Polizei hinweisen, durften aufgehängt werden. Ebenso wie üble Erfahrungen in der Schule oder in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Sowohl Grup, das Stadtteilbüro als auch die neue Bürgermeisterin, die selbst aus dem Iran geflüchtet ist, rufen auf zur Wachsamkeit. „Wichtig ist, dass Menschen gleich behandelt werden. Dass das Anders-sein Normalität ist“, sagt Eskandari-Grünberg. „Das schaffen wir gemeinsam, indem jeder aufmerksam ist und ‚nein‘ sagt zu Rassismus und Diskriminierung. Die Plakataktion hat sehr dazu beigetragen und ich setze mich auf jeden Fall dafür ein, dass sie auch in anderen Stadtteilen zu sehen sein wird.“

„Rassismus ist ein heikles Thema und auch der Umgang damit“, sagt ein junger Mann. Er rät dazu, immer zuerst nach den Bedürfnissen der Betroffenen zu fragen. „Man sollte zuerst dem Diskriminierten signalisieren, dass man da ist und helfen möchte.“ Wer nur zusehe, könne als Gaffer wahrgenommen werden, sagt er. „Wer sich ohne Kontakt zum Diskriminierten aggressiv gegen den Diskriminierenden wendet, kann die Situation verschlimmern. Besser ist es, zu fragen, was der Betroffene braucht und ihm anzubieten, als Zeuge zur Verfügung zu stehen.“

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