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Pläne für ehemaliges türkisches Generalkonsulat in Bockenheim

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Von: Boris Schlepper

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In der leerstehenden Villa in der Zeppelinallee könnte ein Kulturzentrum entstehen.
In der leerstehenden Villa in der Zeppelinallee könnte ein Kulturzentrum entstehen. © Renate Hoyer

In der leerstehenden Villa an der Zeppelinallee könnte ein türkisches Kulturzentrum entstehen. Seit Jahren steht das denkmalgeschützte Gebäude leer und verfällt.

Das ehemalige Generalkonsulat der Türkei an der Zeppelinallee soll in ein türkisches Kulturzentrum umgewandelt werden. Die denkmalgeschützte, neoklassizistische Villa, die die Auslandsvertretung von 1974 bis 2011 beherbergte und noch immer dem türkischen Staat gehört, steht seit deren Umzug in die Kennedyallee in Sachsenhausen leer und zerfällt.

Der aus der Türkei stammende SPD-Stadtverordnete Hüseyin Sitki hat nach eigenen Angaben nach einer Anfrage der FR mit Generalkonsul Erdem Tunçer telefoniert. Dieser habe ihm gesagt, dass an der Zeppelinallee ein Yunus-Emre-Institut entstehen werde, so Sitki. Ähnlich den Goethe-Instituten setzt sich dieses zur Förderung der türkischen Sprache und Kultur im Ausland ein. Das Konsulat befinde sich zudem im Austausch mit dem Frankfurter Denkmalamt, das auf den maroden Zustand hingewiesen habe, so der Sozialdemokrat. Erste Arbeiten seien danach umgesetzt oder auf den Weg gebracht worden. Vor allem am Dach und an der Außenfassade.

Die zuständige Stadtteilkonservatorin für Bockenheim, Caroline Hero, bestätigt auf FR-Anfrage, dass bereits Gespräche zwischen dem Denkmalamt und dem türkischen Generalkonsulat stattgefunden haben. Ziel sei gewesen, „gemeinsam eine Gesamtlösung für die zukünftige Nutzung und eine denkmalgerechte Sanierung zu erarbeiten“. Vorerst seien Anfang des Jahres allerdings „nur die allernötigsten Reparaturen“ an Dach und Fassade durchgeführt worden.

Grundsätzlich tue ein längerer Leerstand keinem Bauwerk gut, sagt Hero. Im Falle des ehemaligen Generalkonsulats in der Zeppelinallee „ging er leider mit mangelnder Bauunterhaltung einher, was sich mittlerweile auch an der Straßenansicht gut ablesen lässt“. Zwar sehe das Hessische Denkmalschutzgesetz das Instrument der Instandsetzungsverfügung vor, wenn, etwa durch Leerstand, Gefahr für die Gebäudesubstanz bestehe. Aufgrund der „besonderen Besitzverhältnisse“ wäre eine solche aber rechtlich kaum durchzusetzen, sagt die Konservatorin. Handele es sich um Schäden, die lediglich die Optik beeinträchtigen, aber keine Folgeschäden für die Bausubstanz befürchten lassen, sei dies „zwar bedauerlich, aber hinzunehmen“.

Stadtverordneter Sitki hat sich in den vergangenen Jahren schon mehrfach beim Generalkonsulat dafür eingesetzt, dass dort etwa türkische Migrantenvereine unterkommen können, sagt er. Im Rahmen dessen habe er sich die leerstehende Villa auch einmal von Innen angeschaut. Dort sei alles vergammelt und wesentlich schlechter erhalten als von außen, „ich hatte Angst, rein zugehen“.

Mit dem Zustand der 1911 errichteten Villa, in der sich früher ein Hotel befand, hat sich auch der Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend) in seiner jüngsten Sitzung beschäftigt. Das Gremium hat einen gemeinsamen Antrag von Grünen und FDP auf den Weg gebracht. Darin fragt es etwa, ob dem Magistrat Pläne bekannt sind, wie die Villa künftig genutzt werden soll und in welchem Umfang das Gebäude sanierungsbedürftig ist.

Die Liegenschaft sollte unbedingt erhalten und genutzt werden, heißt es in der Begründung. Sie dürfe nicht das selbe Schicksal erleiden wie etwa das ehemalige Polizeipräsidium, sagt Antragstellerin Carola Scholz (Grüne). Dort sei solange nichts geschehen, dass es jetzt nur unter großer Mühe im Kern erhalten werden könne.

1974 hat der türkische Staat das Gebäude gekauft, in dem sich zuvor ein Hotel befand. 2011 zog das Generalkonsulat an die Kennedyallee.
1974 hat der türkische Staat das Gebäude gekauft, in dem sich zuvor ein Hotel befand. 2011 zog das Generalkonsulat an die Kennedyallee. © Renate Hoyer
Teile der Fassade der neoklassizistischen Villa bröckeln. Ein Balkon ist deshalb mit Bändern gesichert.
Teile der Fassade der neoklassizistischen Villa bröckeln. Ein Balkon ist deshalb mit Bändern gesichert. © Renate Hoyer

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