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Die Ordensschwester Maria Katharina Kasper ist heilig gesprochen worden. Auch in Frankfurt-Bockenheim wird sie verehrt.

Bockenheim

Die neue Heilige

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Bockenheims Geschichte ist eng mit der des Frauenordens „Arme Dienstmägde Jesu Christi“ verbunden. Am Sonntag hat die katholische Gemeinde die Heiligsprechung der Ordensgründerin Marie Katharina Kasper gefeiert.

Keine Predigt, sondern Glaubensbekenntnisse bestimmen die Liturgie dieses Gottesdienstes. Schließlich findet die Messe an diesem Sonntag anlässlich der Heiligsprechung von Ordensschwester Marie Katharina Kasper in Rom durch Papst Franziskus vor einer Woche statt. „Einem kleinen Mädchen aus dem Westerwald, das etwas Großartiges vollbracht hat“, erklärt Pfarrer Joachim Braun von der St. Elisabethengemeinde Bockenheim bei seiner Ansprache in der Kapelle des Elisabethenkrankenhauses. Großes, da sind sich alle einig, könne nur durch eine Haltung vollbracht werden, die sich aus der eigenen Motivation, dem individuellen Glauben speise.

Mit Freundinnen beginnt die junge Frau, sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach der Feld- und Hausarbeit um Arme, Kranke und Kinder zu kümmern. Gemeinsam entwickeln sie eine eigene Vorstellung christlicher Nächstenliebe. 1851 gründet sich aus dieser Bewegung um Maria Katharina Kasper der erste Orden im Bistum Limburg: Die armen Dienstmägde Jesu Christi.

Der Orden wächst schnell, 1872 bittet der Pfarrer die ersten Ordensschwestern nach Bockenheim, damit sie auch dort ihre karitative Arbeit fortsetzen. „So ist die Geschichte Bockenheims mit der Geschichte der armen Dienstmägde Jesu Christi verbunden“, erklärt Pfarrer Braun. Im Elisabethenkrankenhaus werden Patienten heute nicht nur von Ordensschwestern aus dem Bockenheimer Konvent betreut, die Katharina Kasper Viasalus GmbH ist auch Trägerin des Krankenhauses. Der Orden betreibt zudem einen Kindergarten und das Seniorenzentrum St. Josefshaus in der Ginnheimer Straße. Stand 2018 sind 560 Ordensschwestern in neun Ländern auf vier Kontinenten tätig.

Begleitet von den Ministranten schreitet Pfarrer Braun durch den Mittelgang der Kapelle auf das Weihwasserbecken zu. Neben dem Eingang soll eine Kasper gewidmete Gebetsecke eingerichtet werden. Neben Buntglasfenstern steht dort das Porträt der Ordensschwester. Nachdenklich, aber entschlossen blickt sie aus ihrer Schwesterntracht. Der Pfarrer segnet die Buntglasfenster mit Weihwasser.

Bei aller Gläubigkeit war Katharina eine selbstbestimmte Frau „Sie schätzte den Bischof sehr, aber sie widersprach ihm auch,“ erzählt Ordensschwester Marita mit Nachdruck. Eigentlich wollte der Bischof den von Kasper gegründeten Orden Elisabethanerinnen nennen. Kasper bestand aber auf dem Namen „Arme Dienstmägde Jesu Christi“.

Nach dem Gottesdienst kommt es beim Sektempfang zu Gesprächen. Die im Laufe des Gottesdienstes gesammelte Kollekte geht an die Katharina-Kasper-Stiftung. „Wir finanzieren so die psychosoziale Beratung von angehenden Eltern von Kindern mit Behinderung“, erklärt Ordensschwester Marita. Der Bedarf an Betreuung sei groß. „Viele Eltern fragen sich: Kann ich dieses Kind wirklich lieben.“

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