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Mit blühenden Stauden gegen die Asphaltwüste

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Von: Boris Schlepper

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Das Parklet lädt seit Mitte Juni in der Jordanstraße zum Sitzen und Chillen ein. Gebaut hat sie die Nachbarschaftsinitiative.
Das Parklet lädt seit Mitte Juni in der Jordanstraße zum Sitzen und Chillen ein. Gebaut hat sie die Nachbarschaftsinitiative. © Bockenheim außer Haus

Georg-Büchner-Schule und die Nachbarschaftsinitative Bockenheim außer Haus wollen ihr Viertel aufwerten. Pflanzkübel sollen den Sommer über die Straßen begrünen, geplant ist am Samstag auch eine Art temporäre Spielstraße.

Gelbe Blumentöpfe an Laternenpfählen, auf Bürgersteigen und an Hausecken. Mit der Aktion „Mehr Grün für Bockenheim“ wollen Jugendliche der Georg-Büchner-Schule gemeinsamen mit der Nachbarschaftsinitiative „Bockenheim außer Haus“ ihr Quartier lebenswerter machen. Am heutigen Mittwoch werden 18 Standorte im Stadtteil temporär mit Stauden bepflanzt.

Den Sommer über sollen rund 30 Pflanzkübel zur Kühlung der Straßen beitragen und die Aufenthaltsqualität im Viertel steigern, sagt Nina Waibel-Rohde von der Initiative. Doch nicht nur das. „Wir wollen mit der Aktion auch zeigen, was hier fehlt.“ Denn im Grunde reiche es nicht aus, nur ein paar Blumentöpfe aufzustellen. „Wir bräuchten hier eigentlich mehr Bäume, aber wir können ja nicht selbst die Straßen aufreißen.“ Die Aktion sei ein kleiner Schritt in diese Richtung. Schüler:innen des Lernbereichs Zukunft des 10. Jahrgangs der Integrierten Gesamtschule (IGS) haben mitgeholfen, das Projekt umzusetzen. Zunächst suchten sie geeignete Stellen für die Blumentöpfe aus, wo es besonders wenig Grün gibt, berichtet die pädagogische Rektorin Elke Blum. Sie bereiteten die Töpfe her und strichen sie gelb, damit sie als Teil der Aktion wiedererkannt werden können. Mit 400 Flyern informierten sie die Nachbarschaft. Abschließend bepflanzten sie die Töpfe mit Stauden, die die Initiative gekauft hat. Vor allem insektenfreundliche Stauden kämen zum Einsatz, sagt Waibel-Rohde, damit Bienen & Co eine Nahrungsquelle in der „Asphaltwüste“ geboten werde.

Das Projekt Sommerstraßen

Damit die Pflanzen in den gelben Töpfen lange blühen, werden Gießpaten gesucht. Sie können sich unter post@bockenheimausserhaus.de bei der Initiative melden.

Zum nächsten Tag der Sommerstraße lädt die Nachbarschaftsinitiative Bockenheim außer Haus für Samstag, 2. Juli, ein. Von 15 bis 19 Uhr wird die Kiesstraße frei für Kinderspiele, gemeinsame Outdoor-Aktivitäten und nachbarschaftlichen Austausch.

Das Projekt wird am Samstag von rund zehn weiteren Initiativen in Frankfurt umgesetzt: in der City West in der Pfingstbrunnenstraße, im Dornbusch in der Mierendorffstraße, im Nordend in der Kosel- und Weberstrasse, in Alt-Rödelheim in Rödelheim, in Sachsenhausen in der Textorstraße und im Unterliederbacher Chattenweg.

2021 gab es in Bockenheim zwei Sommerstraßen; ein vierter Termin ist für den 17. September geplant. bos

Es ist nicht das erste Mal, dass die Initiative sich für mehr Grün im Stadtteil einsetzt. 2021 hatte sie bereits gelbe Blumentöpfe aufgestellt. Vor knapp drei Wochen haben die Mitglieder ein sogenanntes Parklet, eine Sitzecke in Kombination mit einem kleinen Garten, auf einem Parkplatz in der Jordanstraße aufgebaut. Im Februar hatten sie die Idee im zuständigen Ortsbeirat 2 vorgestellt, der das Projekt unterstützt. Die Stadt hatte jetzt grünes Licht gegeben, so dass die Gruppe mit ihrem Geld, das sie bei der Aktion „Stark für Dein Projekt“ der Nassauischen Heimstätte gewonnen hatte, und einem Schreiner aktiv werden konnte.

Die Georg-Büchner-Schule hatte über das Projekt in der Frankfurter Rundschau gelesen und den Kontakt zur Initiative hergestellt, sagt Blum. Ein Glücksgriff für die IGS, die nach Kooperationspartnern für ihren Lernbereich Zukunft im Stadtteil suche. Im Rahmen des Wahlpflichtfachs befassen sich die Schüler:innen der Klassen sieben bis zehn mit Themen auf Basis der 17 globalen Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung. Positiv sei dabei, dass Schüler:innen über die Kooperation auch einen Einblick in bürgerschaftliches Engagement erhalten hätten, was man im Kleinen bewegen kann, um größere Veränderungen herbeizuführen, sagt Blum. „Das ist enorm wichtig, da nicht alle Kinder aus Haushalten kommen, in denen sich die Eltern engagieren.“

Auch für die Initiative sei die Zusammenarbeit mit den jungen Menschen ein großer Gewinn, sagt Waibel-Rohde. Daher sei eine weitere Kooperation geplant. Nach den Sommerferien will sich die IGS an der sogenannten Sommerstraße, mit der die Kiesstraße temporär zur Spielstraße wird, beteiligen (siehe Infobox), kündigt Blum an. Da dann das neue Schuljahr schon begonnen habe, sei noch offen, wie die Teilnahme aussehen soll.

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