Bockenheim

Leipziger soll autofrei werden

  • schließen

Die FDP macht sich für die Idee stark, die Leipziger Straße autofrei zu gestalten. 

Madrid, Basel, Oslo – all das sind Beispiele, wo das teilweise oder gänzliche Verbannen von Autos aus den Innenstädten den Einzelhandel hat boomen lassen und ganz nebenbei der jeweiligen Stadt ein grüneres Image verschafft hat. Allein: Klappt das überall? Die Frage, wie Fuß-, Rad- und Autoverkehr miteinander funktionieren oder wer wen zukünftig verdrängt, beschäftigt nun erneut das für Bockenheim zuständige Stadtteilgremium.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Fraktionen des Ortsbeirats 2 mit dem Autoverkehr auf der Leipziger Straße auseinandersetzen. Vor etwas mehr als zwei Jahren plädierte die SPD-Fraktion bereits für eine Sperrung des Abschnittes zwischen Markgrafenstraße und Am Weingarten. Im November vergangenen Jahres forderten die Grünen mehr Fahrradstellplätze.

Beide Themen greift jetzt die FDP wieder auf. Antragstellerin Maria-Christina Nimmerfroh (FDP) fordert einerseits mehr Fahrradbügel, andererseits ein Experiment: Zwischen Bockenheimer Warte und Kurfürstenstraße sollen Autos nicht mehr einfahren können. Das Verbot soll nur samstags gelten, zwischen 10 und 17 Uhr, ein halbes Jahr lang.

Die Anregung der SPD vor zwei Jahren lehnte der Ortsbeirat ab. Diesmal verschob Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) die Diskussion. „Ohne Vertreter vom Einzelhandel“ wolle er nichts entscheiden, so Kaufmann. Denn hier liegt ein entscheidender Interessenkonflikt – einige Gewerbetreibende seien vom Autoverkehr abhängig, sagen die einen. Die anderen sagen: Die Umsätze der Läden würden steigen, sobald die Leipziger wenigstens in Abschnitten zur Fußgängerzone erklärt wird.

So argumentiert etwa die Initiative „Autofreie Leipziger Straße“ um Bernhard Witzlau. Er beruft sich auf Studien, die seine These stützen: In anderen Städten steige der „Umsatz in autofreien Gebieten“, schreibt er in seiner Petition. Auf der Online-Plattform „Frankfurt fragt mich“ hat er die notwendige Anzahl von 200 Unterschriften um fast das doppelte überschritten – nun muss sich der Magistrat mit der Idee beschäftigen, die Leipziger Straße autofrei zu gestalten. Ob vorerst nur in Abschnitten, an bestimmten Wochentagen oder Zeiten – das lässt die Initiative zunächst offen. Langfristig würde sich die Idee sowieso durchsetzen müssen, appellierte Witzlau in der Sitzung an die Ortsbeiräte. Die Frage sei lediglich, wann.

Nun also soll das Gemenge aus verschiedensten Interessen in Erfahrung und dann miteinander in Einklang gebracht werden. Deshalb hoffen die Ortsbeiräte in der kommenden Sitzung eine rege Beteiligung der Betroffenen. Was will das Schuhgeschäft, der Optiker, das Kiosk? Was wünschen sich Gastronomen, Radfahrer, Fußgänger? Und eben auch die Autofahrer? Denn im Falle einer Sperrung müsste die Autokolonne durch die umliegenden Straßen geleitet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare