Pamela Lieb, Anette Mönich und Osumanu Alhassan (von links) freuen sich auf ihre Gäste. 
+
Pamela Lieb, Anette Mönich und Osumanu Alhassan (von links) freuen sich auf ihre Gäste. 

Bockenheim

Ein Lagerfeuer für Bockenheim

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
    schließen

Die Kantine der ehemaligen Akademie der Arbeit an der Mertonstraße will Menschen zusammenbringen.

Es duftet. Die Gerüche wabern über den Tresen in der alten Kantine der Akademie der Arbeit, an der Mertonstraße. Als wäre es eine moderne Szene-Gastro können Gäste beobachten, was sich in der Küche tut. Ein bunter Querschnitt an Bockenheimer Initiativen hat sich aufgemacht, die Kantine neu zu beleben, für Bedürftige zu kochen.

Die großen Fenster lassen viel Licht in den Gastraum, beleuchten eilig zusammengestellte Tische und Stühle. Ein antikes Stück ragt heraus. Ein Polster-stühlchen mit Tisch und Schublade. Es könnte gewiss eine interessante Geschichte erzählen. Das übernimmt Anette Mönich. Immerhin ist sie schon ewig engagiert in Bockenheim, ist quasi ein Einrichtungsgegenstand des Stadtteils, wenn auch nicht antik.

Eigentlich sollen sich gemeinschaftliche Wohngruppen für die Nutzung der Akademie bewerben, für das gesamte Ensemble. So eine Konzeptvergabe dauert, also bietet die Stadt das Gebäude zur Zwischennutzung an. Mönich und Mitstreiterinnen aus dem Stadtteilbüro haben es inspiziert. In der Kantine bleiben sie wie vom Schlag getroffen stehen. Dort könnte eine Art Volksküche sein. Die Idee spricht sich herum, entwickelt Strahlkraft. 80 Menschen stehen bereits „verbindlich“ auf der Mitarbeiterliste. „So eine Großküche fehlt im Stadtteil“, sagt Mönich. Aber das alleine kann die „Aufbruchstimmung“ nicht erklären.

Ada-Kantine, Mertonstraße 30, ab Samstag, 11. Juli, 12-14 Uhr. Helfer oder Spenden erwünscht. Kontakt über E-Mail: info@ada-kantine.de; www.ada-kantine.org

Einige Gruppen seien schon sehr lange hinterher, aus dem ehemaligen Uni-Campus etwas Sinnvolles zu machen, sagt Mönich. Nun scheint endlich das lang ersehnte Fenster aufzugehen. „Nach all den Jahren des Nein! Geht nicht! Weg da!“

„Kochen macht Spaß“, sagt Pamela Lieb vom Verein „Über den Tellerrand“ dazu. Auch weil es ein Austausch ist. Das hat sich ihr Verein auf die Fahnen geschrieben, Menschen mit und ohne Fluchterfahrung zusammenzubringen. Nun in einer professionellen Großküche, freut sie sich. „Kochen ist ein Stück Heimat.“ Das man sich bewahrt, das man den anderen näher bringt.

Die Arbeit in der Küche möchte die Kantine auch nutzen, um Qualifizierung anzubieten. Geflüchtete Menschen für den ersten Arbeitsmarkt zu rüsten. „Die bewegen sich oft in einem Teufelskreis“, erzählt Osumenu Alhassan von der Initiative „Project Shelter“.

Geflüchtete dürfen zunächst nicht arbeiten. Dann erst, wenn sie einen Wohnsitz haben, ohne Job bekommt man aber keine Wohnung. Ohne Wohnung keinen Job. Um den Teufelskreis zu durchbrechen, akzeptieren viele auch miese Jobs, werden ausgebeutet. Das wäre in der Ada-Kantine anders. „Kochen emanzipiert“, sagt Alhassan vergnügt. „Ich muss niemanden bitten, ich bereite mir selber etwas zu.“ Am liebsten Reis mit Gemüse.

Vorerst gilt der Vertrag bis November 2021. Die Kantine könnte sich vorstellen, das Angebot weiter zu tragen. Immerhin sollen die künftigen Bewohner auch soziale Angebote für den Stadtteil schaffen. Mit manchen potenziellen Bewerbern hat Mönich darum bereits gesprochen und positive Signale erhalten.

Mehr zum Thema

Kommentare