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Kritik an grüner Oase in der Jordanstraße

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Von: Boris Schlepper

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Anwohnerinnen und Anwohner der Jordanstraße können wegen des Parklets nicht mehr schlafen, auf dem bis spät in die Nacht Leute sitzen und Krach machen. Die Bürgerinitiative, die das Stadtmöbel aufgebaut hat, sucht nach einer Lösung.

Eigentlich soll das Parklet in der Jordanstraße den Stadtteil Bockenheim lebenswerter machen. Eine kleine grüne Oase anstelle eines Parkplatzes, in der sich die Menschen treffen und unterhalten können. Doch für eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, ist das Straßenmöbel nach eigenen Angaben die Hölle. Bis in die frühen Morgenstunden säßen auf der hölzernen Konstruktion vor ihrer Wohnung regelmäßig Leute und sorgten für Lärm. „Ich kann seit Wochen nicht mehr schlafen.“ Und sie ist nicht die einzige, die sich an dem Parklet stört.

Rund 20 Anwohner:innen haben sich vor kurzem bei einem Termin mit dem Ortsbeirat 2 und der Bürgerinitiative Bockenheim außer Haus (BI) getroffen. Die Initiative hatte die Idee für das Parklet, es aus eigenen Mitteln finanziert und im Juni aufgebaut (die FR berichtete). Der Ortsbeirat unterstützt das Projekt. Die Menschen, die dort wohnen, seien jedoch nicht gefragt worden, was sie von dem Projekt halten, kritisiert die Anwohnerin.

Anders als in den Gaststätten und den Kiosken in der Straße, fehle auf dem Parklet die soziale Kontrolle. Zusätzlich zum Lärm ließen viele der nächtlichen Nutzer:innen ihren Dreck zurück, sagt die Anwohnerin. „Da liegt morgens ein richtiger Müllberg.“ Bei vielen in der Straße werde das Parklet deshalb nur noch „gelbe Hölle“ genannt. Das Viertel sei dadurch nicht lebenswerter geworden, „im Gegenteil!“. Positiv sei das Parklet allenfalls tagsüber, wenn sich dort etwa Familien mit Kindern hinsetzen.

Eine Plane könnte helfen

Anna Erdelmann von der Bürgerinitiative kann den Ärger verstehen. So sehr sie die Idee des Parklets auch schätze, sei es nicht akzeptabel, dass davon eine Lärmbelästigung ausgehe. „Wir brauchen eine Lösung, die einvernehmlich ist.“ Denkbar seien etwa Absperrungen oder eine Plane, die abends den Zugang zu der Konstruktion verwehrt. Wie diese genau aussehen können, sei aber noch offen. Für Lösungen habe die BI auch Kontakt zum Grünflächenamt aufgenommen und zu Initiativen in anderen Großstädten, so Erdelmann. Auch habe die Bockenheimer Gruppe die Stadtpolizei um häufigere Kontrollen gebeten. Regelmäßige Streifen seien nicht zu leisten, habe die Behörde erwidert.

Da es sich um ein Experiment handele, das noch nicht viele Vorläufer habe, sei es klar, dass nicht alles reibungslos laufe. Das Parklet jetzt abzubauen, wolle die BI aber nicht, so Erdelmann. „Wir brauchen mehr Plätze zum Verweilen.“ Bockenheim außer Haus sei dafür angetreten, die Dominanz der Autos in den Straßen zu brechen und das Viertel lebenswerter zu machen. Und im Winter werde die Konstruktion voraussichtlich ohnehin abgebaut, da sie nicht winterfest sei. Eine Lösung für die Ruhestörung müsse aber eher gefunden werden.

Die Suche nach dem Standort sei „nicht so gut gelaufen“, sagt der stellvertretende Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU), der an dem Termin vor Ort teilgenommen hat. Offenbar seien nicht alle Anwohner:innen gefragt worden. Wichtig sei es jetzt, möglichst schnell zu reagieren, dass die Menschen nicht länger nachts gestört würden, auch wenn es sich wohl vor allem um ein „Sommer-Problem“ handele. Wie eine konkrete Lösung aussehen könne, konnte er nicht sagen. „Wir denken in alle Richtungen“, so Kaufmann. Denkbar sei auch ein anderer Standort. Grundsätzlich stünden die meisten Anwohner:innen und der Ortsbeirat hinter dem Projekt.

Ein Aspekt des Treffens sei auch gewesen, dass das Parklet nicht ideal beschaffen sei, so Kaufmann. So biete es etwa keinen Schutz vor der Sonne, weshalb sich dort tagsüber kaum jemand niederlasse. „Das kann man noch optimieren.“ Die derzeitige Konstruktion biete nur wenig Schatten, räumt Anna Erdelmann ein. Da die BI mit einem Designer und Schreiner zusammenarbeite, könnte auch eine andere Konstruktion entstehen.

Der Ortsbeirat 2 tagt am Montag, 12. September, 19 Uhr, in der katholischen Gemeinde St. Ignatius, Gärtnerweg 60 Westend). In der Bürgerfragestunde wird ein Vertreter der genossenschaftlichen Immobilienagentur GIMA Frankfurt über das Beratungsangebot von Eigentümerinnen und Eigentümern zum sozialverträglichen und gemeinwohlorientierten Hausverkauf informieren.

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