Bockenheim

„Wilder Sonntag“ am Limes-Wasserhäuschen in Frankfurt-Bockenheim

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Beim „Wilden Sonntag“ am Limes-Wasserhäuschen passt der Schauer zum Motto.

Nur die tiefen Töne des Kontrabasses finden durch den heftigen Regenguss hindurch den Weg zu den entferntesten Zuhörern. Diese haben sich unter dem Dach des „Limes-Wasserhäuschens“ an der Frauenfriedenskirche, in der Franz-Rücker-Allee, geflüchtet. Währenddessen lässt das Jazz-Duo „Mikovic-Hacker“ in der kleinen Grünanlage dahinter, noch hinter der Rollschuhbahn, unter zwei Pavillons seine Instrumente erklingen.

Zum „Sommerjazz am Wasserhäuschen“, aus der Veranstaltungsreihe „Der wilde Sonntag“ von Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), sind am Sonntagnachmittag rund 200 Besucher gekommen. In fünf Sitzreihen aus Bierbänken sind zu Beginn alle Plätze belegt. Einige haben Klappstühle mitgebracht. Andere stehen dahinter. Doch es dauert nur wenige Songs bis der Regen das Publikum zweigeteilt hat. Einige eilen unter das Dach der Trinkhalle oder gleich nach Hause. Der größere Teil aber harrt aus, entweder unter Schirmen oder den beiden Pavillons, unter denen die Musikerinnen sitzen. Dort stehen die Zuschauer dicht an dicht und schauen den Künstlerinnen über die Schulter. Viele haben ein Lächeln auf dem Gesicht, trotz des Wettereinbruchs, oder gerade deswegen. „Ich dachte schon, ich hätte den Schirm umsonst mitgenommen“, scherzt eine ältere Frau.

„Das hört bestimmt gleich auf und ist bestimmt nur ein Platzregen“, sagt Sängerin und Klavier-Spielerin Karmen Mikovic. Doch das Nass vom Himmel geht unaufhörlich weiter. Miriam Kneller und Johannes Reinschmidt haben sich ihre beschichtete Picknickdecke über die Köpfe gezogen, als „improvisierte Überdachung“, wie sie sagt. „Feuchtfröhlich“, nennt der 34-Jährige das Konzert und grinst. Zu gehen, ohne nass zu werden, sei nun ohnehin keine Option mehr, obwohl das „jazz-interessierte“ Paar nur zwei Straßen entfernt wohne. Seine Partnerin bewundert, dass die Musikerinnen so spontan improvisieren.

Sängerin Mikovic sagt: „Meine Moderationen sind für die Füße“. Vor ihrer Version von Stings „Tea in the Sahara“ habe sie von einer Erfrischung erzählen wollen. Das sei nun ja nicht mehr nötig. Auch Gastgeberin Heilig nimmt den Regen gelassen hin. Das Motto des Wilden Sonntages, bei dem während der Sommerferien jeweils sonntags Veranstaltungen an besonderen Orten stattfinden, sei in diesem Jahr „Wasserleben“. Der Schauer passe ganz gut zum Motto, auch wenn sie sich den Regen eine Stunde später gewünscht habe.

Paula Abril und ihre Mutter, die aus Spanien zu Besuch ist, stehen unter Schirmen und vor ihren Klappstühlen, auf denen die durchnässten Sitzpolster liegen. Die 58-Jährige sagt: „Es ist eigentlich wunderbar, wir brauchten den Regen“. Ihr Mann Michael Köhler, der gerade mit dem Auto angekommen ist, um die beiden abzuholen, sagt: „Die Musik passt zur Atmosphäre“.

„In fünf Jahren hat es noch nie geregnet“, berichtet Heilig. Seitdem veranstaltet sie die Reihe, bei der es Führungen zu versteckten Orten gibt und bei der zu Lesungen oder Konzerten fast ausschließlich Frauen auftreten. Das Konzert an diesem Sonntag sei aufgrund des Mottos bewusst hinter einer Trinkhalle gewählt worden. „Wasserleben ist ohne Wasserhäuschen nicht zu denken“, sagt Heilig. Sie seien „Institutionen, die man braucht“. Zur Einführung hatte Trinkhallen-Experte Hubert Gloss einige Worte gesprochen und gefordert, den Stellenwert der Kioske auf den von Äbbelwoi-Kneipen zu heben.

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