Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Läden in der Leipziger Straße in Frankfurt-Bockenheim leidet unter dem Corona-Lockdown.
+
Von hier, an der Ecke zur Adalbertstraße, zieht sich die Leipziger bis zum Kirchplatz hoch.

Einkaufen in Frankfurt

Corona-Lockdown in Frankfurt: Leipziger Straße in der Krise - Botschaften in Schaufenstern sollen Hoffnung machen

  • Fabian Böker
    vonFabian Böker
    schließen

Die Geschäftsleute auf der Leipziger Straße in Frankfurt leiden unter Corona. In vielen Schaufenstern finden sich trotzdem hoffnungsvolle Botschaften.

Die Leipziger Straße wird schlechter dargestellt als sie in Wirklichkeit ist. Davon ist Isabelle Routisseau überzeugt. Bockenheims Einkaufsstraße biete immer noch Vielfalt. Natürlich falle auf, dass sich bestimmte Branchen häuften. „Aber auch die drei Optiker und vier Telefonläden haben ihre Berechtigung, sie werden alle gebraucht.“

Routisseau ist im Vorstand des Bockenheimer Gewerbevereins und sieht vor allem zwei Vorzüge der Leipziger. Zum einen würde sich Geschäft an Geschäft reihen, und anders als auf der Berger Straße in Bornheim oder auf der Schweizer Straße in Sachsenhausen gebe es keine reinen Wohnhäuser dazwischen. Zum anderen gäbe es einfach alles, was man braucht. „Aus Bockenheim muss eigentlich niemand in die Innenstadt zum Einkaufen fahren.“

Katrin Vögeding mag die Vielfalt der Leipziger Straße.

Corona-Lockdown in Frankfurt: „Click&Collect“ reicht nicht aus

Katrin Vögeding stimmt dem voll zu. Sie wohnt seit vielen Jahren an der Leipziger und findet sie „immer noch schön“. Zwischen all den Handyläden und Spielhallen, die sie für ein Unding hält, gebe es immer wieder Lichtblicke. Zum Beispiel kleine Familienbetriebe. Auch das Publikum sei sehr angenehm, „weil es so gemischt ist“. Nur einen Nachteil gebe es: „Man braucht hier viel Zeit beim Bummel, weil man immer jemanden trifft.“

Normalerweise kommt auch Isabelle Routisseau mit vielen Kundinnen und Kunden zusammen, die ihre Galerie Hake im Hinterhof der Hausnummer 35 aufsuchen. Fragt man sie aber, was während Corona los ist, sagt sie direkt: „Nichts.“ Menschen, die spontan vorbeischauen, seien kaum noch unterwegs, „Click & Collect“, also das Bestellen der Ware zum Abholen, „ist nur ein Tropfen auf dem glühenden Stein“.

Isabelle Routisseau in ihrer Galerie Hake im Hinterhof der Hausnummer 35.

Schuhgeschäft Vabene: Resonanz trotz Corona-Lockdown überraschend gut

Dieses Schicksal teilt sie mit anderen Geschäftsleuten auf der Leipziger. In einer Reinigung ist zu hören, dass dort statt 2000 Hemden nur noch maximal 100 im Monat gereinigt werden. Klar, sagt Isabelle Routisseau: „Wer nicht mehr ins Büro zum Arbeiten muss, braucht kein sauberes Hemd. Wer am Wochenende nicht mehr eingeladen ist, muss sich nicht schick machen“. Und benötigt auch kein Mitbringsel, das man bei ihr erhalten würde.

Ebenfalls keine Kundschaft hatte das Schuhgeschäft Vabene an der Ecke Am Weingarten. Seit knapp zwei Wochen ist das anders. Dann fing der Traditionsladen mit „Click & Collect“ an. „Die Bude rennt man uns nicht ein“, sagt Inhaber Rüdiger Simons. Die Resonanz sei dennoch überraschend gut. Das läge vor allem an der Lauf- und Stammkundschaft. Letztere habe das Schuhgeschäft, das es seit 36 Jahren gibt, auch schon im ersten Lockdown „ganz hervorragend unterstützt“, erinnert sich Simons.

Die Leipziger Straße

Rund 800 Meter ist die Leipziger Straße lang. Sie führt von der Adalbertstraße nahe Bockenheimer Warte bis zur Kreuzung mit Friesenstraße, Grempstraße und Basaltstraße. In Bockenheims Einkaufsmeile gibt es etwa 130 Geschäfte, zudem etwa 20 Läden in der Ladengalerie an der Leipziger Straße/Ecke Adalbertstraße.

Einst hieß die Leipziger Frankfurter Straße. Als Bockenheim 1895 eingemeindet wurde, erfolgte die Umbenennung. Mit dem Nahverkehr ist die Leipziger Straße gut zu erreichen. Die U-Bahn-Linien U4, U6 und U7 halten an der Bockenheimer Warte, die U6 und U7 an der Station „Leipziger Straße“. Ebenfalls in der Nähe, zum Beispiel an der Warte, halten auch die Straßenbahnlinie 16 und mehrere Busse.

Einen Gewerbeverein für Bockenheim gibt es auch. Zweck des Vereins ist die Förderung von gesellschaftlichen, kulturellen und stadtteilverbindenden Aktivitäten in Bockenheim. Vorstandsmitglied Isabelle Routisseau ist über ihre Galerie Hake erreichbar, auf www.galerie-hake.de, per E-Mail an info@galerie-hake.de oder unter der Telefonnummer 7 07 79 28. bö

Blickt man bei ihm ins Schaufenster, sieht man an allen Schuhen eine Artikelnummer und kann unter Angabe dieser direkt bestellen. Für Simons sei dies eine gute Gelegenheit, „unsere Ware loszuwerden. Wir haben direkt mit dem Schlussverkauf begonnen.“ Auf den Umsatz habe „Click & Collect“ dagegen kaum spürbare Auswirkungen, die Lage sei so oder so existenzbedrohend: „Zwei Monate können wir so noch weitermachen. Aber dann kommt der Räumungsverkauf.“

Das Schuhgeschäft „Vabene“ gibt es seit 36 Jahren.

Dabei seien es gerade die kleinen inhaber- und inhaberinnengeführten Betriebe wie der seine, die die Leipziger Straße ausmachten. Da sind sich Rüdiger Simons und Isabelle Routisseau einig. Trotz angesiedelter Ketten, trotz des Zalando-Outlets Höhe Kurfürstenstraße. Einen Wandel zum Negativen kann Simons nicht erkennen: „Die Straße ist schön.“

Auch Andreas, Inhaber der Tapas-Bar Taska 100, kann der Straße einiges abgewinnen. „Seitdem sich Bockenheim nach der Zeit als reines Studentenviertel neu zu definieren versucht, hat sich auf der Leipziger vieles zum Positiven gewandelt“, sagt er. „Ein bisschen mehr Aufwertung“ wäre noch wünschenswert. „Eine gesunde Mischung von Hipster und Studenten kann den Einzelhandel attraktiver werden lassen.“

Frankfurt Bockenheim: Noch wenig Leerstand trotz Corona-Lockdown

Viel Hoffnung setzt der Gastronom in die Bebauung der Universität, die auf sich warten lässt. Durch sie könne „die Entwicklung des Viertels nachhaltig gesteuert werden“. Wie es nicht aussehen sollte, habe die ABG mit der „Umfunktionierung des Philosophikums zum Edelstudentenwohnheim mit astronomisch teuren Zimmern“ gezeigt. Wie die Zukunft seines Ladens in der Leipziger Straße 100 aussieht, kann Andreas derzeit nicht beurteilen. Sein Restaurant ist zu, seine frisch zubereiteten Tapas ließen sich schlecht am Fenster verkaufen.

Die Metzgerei (Nummer 73) steht seit Januar leer.

Noch also halten sich die meisten Läden, Leerstand gibt es nur sehr wenig. Ein Metzger in Hausnummer 73 sucht einen Nachfolger, seit Jahren steht eine Bank in Nummer 61 leer, die ehemalige Bäckerei Geishecker (Nummer 21a) seit 2014. Ein herausragendes Beispiel für längerfristigen Leerstand ist das Gebäude mit der Hausnummer 6. Dort existierte von 1991 bis Ende 2018 das Fachgeschäft für Artistik und Spiel „Pappnase und Co.“. Inhaberin Inge Braun musste nach fast 30 Jahren schließen, weil die Umsätze rückläufig waren und zugleich die Miete stieg. Bis heute gibt es keinen Nachfolger. Zum Abschied flossen Tränen, an der Scheibe hing ein Zettel mit einer Liedzeile von Reinhard Mey: „Die Zeit des Gauklers ist vorbei.“

Trotz Corona: Hoffnungsvolle Botschaften im Lockdown

In der Corona-Pandemie nimmt die Zahl der Zettel in den Schaufenstern wieder zu. Es sind überwiegend freundliche, hoffnungsvolle Botschaften. So teilt die Filiale der Schneiderei Zauberei in Hausnummer 40 per Aushang mit, dass man „verantwortungsvoll“ mit der aktuellen Situation umgehe und deshalb geschlossen habe. Bei „Vabene“ liest man: „Wir hoffen so sehr, bald wieder öffnen zu dürfen.“ Ähnlich drückt es der Schmuckladen „Schmuckstück“, Nummer 66, aus. Die Mitteilung endet mit dem Gruß: „Hoffnungsvoll, Ihr Team“.

Nur einige Meter weiter, bei Andreas’ Tapas-Bar, wird es melancholisch. „When the music’s over, turn out the light“ steht mit Kreide auf einer Tafel an der Fassade geschrieben. Der Inhaber habe den Song der „Doors“, aus dem die Zeile stammt, am letzten Abend vor der Schließung gehört. „Das passte einfach.“

Bei der Parfümerie Lehr, Hausnummer 23, kann Parfüm bestellt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare