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Henri (eineinhalb) als Clown mit seiner Mama im Partnerlook.

Frankfurt-Bockenheim

Helau mit Poncho in Bockenheim

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Beim Bockenheimer Kinderfastnachtsumzug auf der Leipziger Straße ist so manches anders. 

Montag auf der Leipziger Straße: Immer mehr Kinder treffen mit ihren Eltern an der Ladengalerie ein, viele haben Bollerwagen dabei. Junge Trommler aus dem Gallus sorgen für Rhythmus. Nicht allen sieht man an, dass sie gleich beim Kinderfastnachtsumzug mitlaufen werden: Sie tragen Regenjacken, Ponchos und Überwürfe – Sturmtief Bennet sei Dank.

Doch da, ein viel zu kleiner Hut unterhält sich mich einer lilafarbenen Lockenperücke. Welche dazu passenden Verkleidungen sich wohl unter den Jacken verbergen? Zu spät für Nachfragen, Punkt 14 Uhr biegt ein mit Luftballons geschmückter Wagen ein und setzt sich an die Spitze. Die Kinder folgen ihm, aber keine weiteren Wagen.

Der Bockenheimer Kinderumzug unterscheidet sich von einer klassischen Parade, denn: „Da stehen sich die Kinder an der Seite die Beine in den Bauch und frieren“, sagt Gabriele Mlynek. Sie ist Geschäftsführerin des Vereins für soziale Arbeit/Kinderwerkstatt Bockenheim, der den Umzug organisiert. Um das zu vermeiden, dürfen seit „locker 30 Jahren“ die Kinder mitlaufen.

Cindarella (4) als Rotkäppchen.

Einer von ihnen ist der neun Jahre alte Fabrice. Er ist zum dritten Mal dabei. Verkleidet hat er sich als Chewbacca, dem großen, zotteligen Wesen aus der Star-Wars-Reihe. Was der kann? „Sehr viele umbringen“, antwortet Fabrice, der eine Konfettipistole bei sich hat. Sein Vater ergänzt noch, dass Chewbacca durchaus weitere Fähigkeiten hat, er sei auch Copilot im Raumschiff von Han Solo.

Dann beginnt es zu regnen. Menschen ziehen sich Kapuzen über oder stellen sich in Ladeneingängen unter, um von dort aus zuzuschauen. Überall lugen fröhliche Gesichtern hervor, trotz des miesen Wetters. Nach wenigen Minuten, der Zug passiert gerade den U-Bahnhof Leipziger Straße, ist das Schlimmste vorbei.

Dabei sollte es doch nur Süßigkeiten regnen vom Himmel! Eine weitere „Umdrehung“ (Mlynek) im Vergleich den meisten anderen Paraden ist nämlich, dass die Teilnehmer keine Süßigkeiten verteilen, sondern damit beworfen werden. Von Anwohnerinnen und Anwohnern zum Beispiel, aus dem dritten Stock.

Aber auch Geschäftsleute mischen mit. Am Feinkostladen von Aydin Yaman gibt es Goldtaler aus Schokolade, obwohl die großen Auslagen voll mit Obst und Gemüse sind. Endlich mal Süßkram statt diesem gesunden Grünzeug: Welches Kind wünscht sich das nicht? 4,5 Kilo Süßigkeiten hat Yaman in diesem Jahr für den Umzug gekauft. Es hat sich gelohnt: Alles weg, nachdem der mehrere hundert Meter lange Zug vorbei gezogen ist.

Rosenmontagszug der Kinder über die Leipziger Straße.

Trotzdem schätzt die elfjährige Caroline ihre Ausbeute als noch „ziemlich wenig“ ein. Immerhin aber habe sie „von allem etwas“ ergattern können. Am Bockenheimer Umzug mag die Piratin die „Lustigkeit“ sowie die Musik. Begleitet wird sie von der gleichaltrigen Roxanna, die sich als Katze verkleidet hat.

Kurz bevor der Kinderumzug den Kirchplatz erreicht, schallt „der Sonne hinterher“ aus den Boxen. Daraus wird nichts, erneut setzt Regen ein. Einige flüchten hinab in die U-Bahn, die meisten bleiben aber noch auf einen kostenlosen Kakao samt Kreppel. Rund 600 Teilnehmer waren es in diesem Jahr, schätzt Mlynek. Trotz Sturmtief Bennet.

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