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Traditionslokal Heck Meck in Frankfurt steht vor dem Aus: Stammgäste organisieren Petition

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Von: Boris Schlepper

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Conni Rädler will das Heck Meck übernehmen, wenn Michaela Schaar (rechts) im März in den Ruhestand geht.
Conni Rädler will das Heck Meck übernehmen, wenn Michaela Schaar (rechts) im März in den Ruhestand geht. © Peter Jülich

Das Frankfurter Traditionslokal Heck Meck steht vor dem Aus, da die Miete verdreifacht werden soll. Stammgäste setzen sich für den Erhalt ein.

Frankfurt – Das Heck Meck in Frankfurt steht vor dem Aus. Wenn Wirtin Michaela Schaar Ende März nach 37 Jahren in den Ruhestand geht, soll die Miete für die Traditionskneipe verdreifacht werden – auch ein Verkauf des Lokals in der Friesengasse ist möglich.

Dagegen protestieren Stammgäste, die eine Online-Petition ins Leben gerufen haben. Linke und Grüne im Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend) wollen das mit einem gemeinsamen Antrag ebenfalls verhindern.

Traditionslokal Heck Meck in Frankfurt vor dem Aus: Stammgäste wollen helfen

1985 hat Michaela Schaar mit Freundinnen das ehemalige Frieseneck übernommen. „Aus Spaß“, erinnert sich die Wirtin. Sie habe damals studiert und wollte das Lokal nur für ein paar Jahre führen. Daraus wurden knapp 40. Dabei sei das Heck Meck, wie sie es später umbenannte, immer ein Ort gewesen, wo sich die Leute aus dem Quartier treffen.

Und das sich im Laufe der Zeit zu einer Kulturstätte entwickelt habe, mit Konzerten, Theateraufführungen bis hin zum Kneipenquiz. Viele Mitglieder der Friedensinitiativen zählten zu ihren Gästen, sagt Schaar. Inzwischen kämen deren Kinder, „viele von denen haben hier auch gearbeitet“.

Petition für den Erhalt: Miete für das Heck Meck ist zu hoch

Conni Rädler will dieses Konzept aufrechterhalten. Seit Mai arbeitet sie im Heck Meck. Wenn Schaar sich zur Ruhe setzt, möchte sie die Kneipe übernehmen. Dass dann mehr Miete fällig wird, sei ihr klar gewesen. Doch mit 3900 Euro Kaltmiete pro Monat, die der Eigentümer auf einem Immobilien-Portal im Internet verlangt, werde die Miete verdreifacht, „das ist nicht zu schaffen“, so Rädler.

Dafür seien Kosten für Personal, Energie und die Waren einfach zu hoch. Schließlich wolle sie den Gästen auch künftig bezahlbare Getränke und Speisen anbieten und nicht jeden Tisch möglichst mehrfach belegen. „Sonst kommt keiner mehr zum Kartenspielen.“

900 Menschen haben unterschrieben: Heck Meck in Frankfurt ist beliebt

Unterstützung bekommt das Heck Meck von seinen Stammgästen. Sie haben am Samstag eine Online-Petition gestartet, die bereits mehr als 900 Menschen unterschrieben haben. Sie wollen verhindern, dass das „Kleinod städtischer Kultur Opfer von Immobilienspekulation“ wird.

Müsse das Lokal schließen, wäre das „eine Katastrophe für Bockenheim, ein weiterer Verlust urbaner Vielfalt“, heißt es in dem Aufruf. Die Kneipe sei ein Treffpunkt für Studierende und diskutierfreudige Bockenheimer:innen. Das Heck Meck habe den „unverwechselbaren Charme einer lebendigen Stadtteilkneipe, wie es sie kaum noch in Frankfurt gebe“.

Heck Meck in Frankfurt: Politiker setzen sich für das Lokal ein

„Wir wollen das Heck Meck in seiner jetzigen Form erhalten“, sagt Annika Schipper (Linke), die den gemeinsamen Antrag im Ortsbeirat initiiert hat. Mit dem Lokal sei eine weitere Einrichtung, „die den Charakter des Stadtteils prägt, von Gentrifizierung betroffen“.

Leider gebe es derzeit nur wenig rechtliche Handhabe, „der gastronomischen, gewerblichen und kulturellen Verödung von Stadtteilen entgegenzutreten“. Verhindert werden könne die Verdrängung nur über öffentliche Aufmerksamkeit und Gespräche mit den Eigentümer:innen. Führen soll diese der Magistrat.

Heck Meck in Frankfurt: Miet- und baurechtliche Schutzkonzepte müssen her

Zudem soll die Stadt prüfen, welche Mechanismen zur Verfügung stehen oder nötig wären, um kleine Gewerbebetriebe vor Verdrängung zu schützen. „Wir brauchen dringend miet- und baurechtliche Schutzkonzepte, um Bodenpreisspekulation und Gentrifizierungsprozessen wenigstens etwas Einhalt zu gebieten“, sagt Carola Scholz (Grüne). Auch an der Leipziger Straße würden immer mehr bisher gewerbliche Innenhöfe bebaut. Über die Vorlage berät das Gremium in seiner Sitzung am Montag.

Die Immobilien-Firma, die sich um die Neuvermietung kümmert, teilt auf Anfrage mit, dass der Vermieter das traditionelle Lokal ebenfalls aufrechterhalten wolle. Es gebe Gespräche mit Gastronomen, „die allesamt das derzeitige Konzept fortsetzen möchten“. Ein Vertragsabschluss sei noch für 2022 geplant. Im Internet bietet die Firma das Lokal für 3900 Euro zur Miete an– oder für 1,25 Millionen Euro zum Verkauf.

Bei Kontrollen in Alt-Sachenhausen entdeckte das Ordnungsamt neulich in einigen Restaurants Gammelzwiebeln und Mäusekot.

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