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Gegrillte Aubergine oder Sabzi Polo?

Ferien zu Hause

Häppchenweise durch Frankfurt

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Bei einer Tour von „Eat the World“ werden die exotischsten Gerichte serviert - und das in nur einem einzigen Stadtteil.

Die kleine, hellgrüne Schale mit dem heiß dampfenden Reis darin hält Katharina zuerst einmal an ihre Nase. „Der riecht voll gut“, ruft sie und schaut in die Runde. Dann schaufelt das zwölfjährige Mädchen einen Klecks Gurken-Joghurt über den rötlich schimmernden Gemüsereis vor sich.

Mit ihrem Vater Lothar Schüller und dessen Schulfreund ist die junge Sachsenhäuserin auf „Eat the world“-Tour durch Bockenheim. An mehr als einem halben Dutzend Stationen machen sie halt und probieren sich durch die Köstlichkeiten verschiedener Regionen weltweit, etwa aus Italien, Iran und Mexiko.

Margery Bridstrup von „Eat the World“ führt das Trio an diesem Montagnachmittag zu den teils abseits gelegenen Orten, wo sie mit einem vielfältigen, kulinarischen Angebot überrascht werden. Daneben zeigt die US-Amerikanerin alte Gebäude und berichtet über die Geschichte des Quartiers, das noch vor dem Bahnhofsviertel das bunteste Frankfurts sei, mit „vielen verschiedenen Nationalitäten“. Bei „Süß und Sauer“ auf der unteren Leipziger Straße sitzt die Gruppe vor einer mit hellem Holz vertäfelten Wand an einer üppig verzierten Tischdecke im Muster eines Perserteppichs. Schräg daneben die volle Auslage mit Kräuter-Bratlingen, Hähnchen und Auberginenmus. „Jeden Tag gibt es hier andere persische Hausmannskost“, sagt Bridstrup.

Die beiden Besitzerinnen servieren den erwartungsfrohen Gästen Kräuter- (Sabzi Polo) und Gemüsereis (Lubia Polo). „Darf ich bei dir mal probieren?“, fragt Frank Breitschaft und steckt seinen Teelöffel in die Schale seines Kumpels, dem der 50-Jährige den schmackhaften Rundgang zum Geburtstag geschenkt hat. Safran schmeckt die kleine Gruppe bei beiden Gerichten heraus. Im Gemüsereis, der Katharina besonders schmeckt, ist dazu noch Zimt. „Nö“, sagt das Mädchen, persisches Essen habe sie zuvor noch nie probiert.

„In Südostasien und dem Mittleren Osten wird oft mit Zimt gekocht“, erklärt Bridstrup. Maryam Mehrban, eine der beiden Besitzerinnen der Snackbar mit dem persischen Mittagstisch, sagt: „Wir kochen genauso wie zu Hause.“ Sie fügt hinzu: „Kräuter machen den Geschmack unserer Küche aus und weniger das Scharfe.“ Das ist auch im Nachtisch zu schmecken, den Margery Bridstrup aus einer Keksdose reicht und bei dem Kardamom, Nüsse und Rosenwasser hervorschmecken. Die gegrillten Auberginen und weitere Köstlichkeiten bleiben dieses Mal in der Theke liegen, weil die Gruppe aufbricht in schärfere Gefilde, etwas weiter die Leipziger Straße hinunter.

Bockenheims älteste  Konditorei

Nach einem kurzen Blick in das Schaufenster von – laut Bridstrup – „Bockenheims ältester Konditorei“, in dem allerlei farbenfroh glasierte Kalorienbomben liegen, lotst die Gästeführerin ihre Begleiter zu „Bulli Burrito“ direkt gegenüber. Auch dort: peppige Muster mit pink gestrichenen Wänden und verschiedenfarbigen Lampenschirmen. „Ziemlich bunt hier“, befindet Katharina, als sie sich mit ihrem Vater und dessen Freund kurz umschaut. Die Nachwuchs-Feinschmeckerin wirft auch einen Blick in die offene Küche. „Was mit Chips“, könnte als nächstes auf den Teller kommen, schätzt sie.

Tatsächlich serviert Mitarbeiter Manuel Calero eine kleine Portion „Cochinita“, was soviel wie Schweinchen bedeutet, wie Calero erklärt. Auf einer „Tostada“, einem knusprigen Maismehl-Fladen, hat er gegartes Schweinefleisch mit Chili-Soße und in Essig eingelegte rote Zwiebel drapiert.

„Das Gericht kommt aus dem Süden, aus Yucatán“, sagt Mitarbeiterin Andrea Bueltmoeller-Kaiser. In den einzelnen Regionen Mexikos werde völlig unterschiedlich gekocht. Das bestätigt auch Bridstrup: „Die mexikanische Küche ist genauso komplex wie die französische“, sagt sie. In ihrer Sammlung von mehr als 1250 Kochbüchern habe sie auch einige aus Mexiko. Diese Leidenschaft fürs Kochen sei ein Grund, warum sie diese Führungen übernommen habe, die der Verlag „Gruner und Jahr“ seit mehreren Jahren in zahlreichen deutschen Städten veranstaltet und die in Frankfurt in einer Hand voll Quartieren angeboten werden. Ein anderer sei ihr persönlich sehr wichtig: „Ich finde, dass der Einzelhandel mehr unterstützt werden muss.“ Weder Lokale von Ketten noch Gaststätten mit touristischem Charakter würden die Gästeführer ansteuern.

Das kommt bei den Teilnehmern an. „Auf Lokalitäten drauf- gestoßen zu werden, die man nicht gleich auf den ersten Blick sieht“, sagt Lothar Schüller, sei reizvoll an dem Konzept. Währenddessen sitzt die Gruppe bei „Pasta e Panini“ unter dem Glasdach der „Bockenheimer Ladengalerie“ und verspeist hausgemachte Ravioli mit Spinat-Ricotta-Füllung in Tomaten-Sahnesoße. Das kleine Lokal liegt nur wenige Schritte von der Leipziger Straße entfernt und doch versteckt hinter einem anderen Gebäude.

Verlosung

Die FR verlost an 16 Gewinner eine kulinarische Stadtführung am 5. Juli in Bockenheim. Wer gewinnen möchte, kann sich bis 3. Juli, 10 Uhr, online auf https://fr.de/gewinnspiel unter dem Stichwort „Eattheworld“ registrieren. Nur Gewinner werden informiert, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Tour eignet sich nicht für Veganer, Menschen mit Laktose- oder Glutenintoleranz und Nussallergie. Getränke müssen die Teilnehmer selbst zahlen, man muss aber nicht überall etwas bestellen.

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