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Im März wird Carolin Arens ihren Posten als neue Sozialbezirksvorsteherin antreten.

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Hilfe bei Behördenfrust in Frankfurt

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Carolin Arens freut sich auf ihre neue Aufgabe als Sozialbezirksvorsteherin Bockenheims. Sie möchte vor allem nah an den Menschen dran sein.

Ein kurzer blonder Bob. Blaue, wache Augen und ein aufmerksames Lächeln. Carolin Arens hat einen langen Arbeitstag hinter sich. Gleichwohl wirkt sie aufgeräumt, konzentriert. Im März wird die 37-Jährige als eine von drei Sozialbezirksvorstehern Bockenheims vereidigt werden. Ihre Vorgängerin Ilse Glowacki habe das Amt aus Altersgründen niedergelegt, erzählt Arens.

Auf die neue Position ist sie gespannt. Bereits seit 2011 ist sie Sozialpflegerin in der Kuhwaldsiedlung. Arens erzählt gern davon, denn die Aufgabe erfüllt sie. Empathie brauche man, Geduld und Zeit. Ob sie ältere Menschen und Schwerbehinderte bei der Suche nach Hilfskräften unterstützt oder etwa solche mit einem „gewissen Behördenfrust“ dabei begleitet, die bürokratischen Hürden zur Sozialhilfe zu nehmen. „Es sind aber auch die Geschichten der Einzelnen“, die sie bewegen, berichtet Arens.

Da sind etwa jene Hausbesuche, deren Anlass ein unbeantworteter Berg an Rechnungen ist, den zu bezwingen manch einer aufgegeben hat. Hinter denen sich gelegentlich jedoch auch „härtere Fälle“ verbergen. Etwa verborgene psychische Krankheiten oder schwere Schicksalsschläge, die es Menschen unmöglich machen, ihren Alltag zu bewältigen. In Zukunft wird Arens nicht mehr nur Hausbesuche machen und telefonisch beraten. Als Sozialbezirksvorsteherin wird sie außerdem den Einsatz von drei Sozialpflegern koordinieren, an regelmäßigen Terminen und Schulungen teilnehmen und Ansprechpartnerin für das zuständige Sozialrathaus sein.

Der Kuhwald ist Arens Zuhause, ihr persönliches „gallisches Dorf“. „Dort steht eine uralte Struktur gegen ein neues, teures Außenherum.“ Eingeschlossen vom Rebstock und der Messe, dem Europaviertel und der Theodor-Heuss-Allee. Hier, zwischen Dorf und Großstadt, ist Arens aufgewachsen. 1953 zogen ihre Großeltern in die Siedlung. Seitdem hat sich ihre ganze Familie in die Sozialstruktur eingebracht: „Ich bin eigentlich eine Nesthockerin“, sagt Arens rückblickend und lacht über sich selbst.

Die 37-Jährige kann nicht nur über sich lachen, die gläubige Christin besteht auch auf Selbstkritik. „Katholisch sein ist anstrengend“, sagt Arens. „Man muss sich ständig damit auseinandersetzen“. Es war die St. Pius Gemeinde, in der sie sozialisiert wurde. Zwölf Jahre lang saß sie im Gemeinderat. Die Gemeinde liege ihr am Herzen, die Kirche allerdings sei überstrukturiert, Themen wie sexueller Missbrauch, homophobe Reaktionen auf die Einführung der „Ehe für alle“ oder die Veruntreuung von Geld durch einen Mitarbeiter des Bistum Limburg – „das alles kann ich ja nicht ignorieren“.

Und dennoch entschied sich Arens nach Umwegen durch ein abgebrochenes Lehramtsstudium, eine Lehre zur Bürokauffrau und mehrere Jahre im Wertpapiergeschäft sogar für eine berufliche Laufbahn in kirchlichen Gefilden. Für das Bistum arbeitet sie in Oberursel als Religionspädagogin. Dass sie nun Sozialbezirksvorsteherin wird, bedeutet für Arens zwar ein paar mehr Arbeitsstunden. Sie wünscht sich jedoch für die eigentlich Tätigkeit wenig Veränderung: in Zusammenarbeit mit den Sozialpflegenden nach Kapazität und Kompetenz entscheiden, und „nah dran bleiben“, an den Menschen.

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