Noch logieren die Franckeschüler in den Containern an der Ginnheimer Straße. Bald dann die Diesterwegschüler? 
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Noch logieren die Franckeschüler in den Containern an der Ginnheimer Straße. Bald dann die Diesterwegschüler? 

Frankfurt-Bockenheim

Furcht vor dauerhafter Container-Lösung

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Anwohner wollen keine weiteren Kinder in den Containern an der Ginnheimer. Die waren Auslagerungsstandort für die Franckeschule, jetzt denkt der Baudezernent laut über weitere Nutzungsmöglichkeiten nach.

Herbert Goetz ist außer sich. Seine Stimme zittert regelrecht, als er am Montag im Ortsbeirat 2 vorspricht. Der Anlieger der Ginnheimer Straße fühlt sich verraten und verkauft. Vom städtischen Baudezernenten, vom Ortsbeirat. Und er ist nicht der Einzige. Eine ganze Reihe von Bürgern ist gekommen, um ihrem Unmut Luft zu machen.

Es geht um die ausgelagerte Franckeschule. Beziehungsweise, um die Container an der Ginnheimer Straße 49. Die stehen im Landschaftsschutzgebiet. Darauf weist Goetz nachdrücklich hin. Nun ist die Franckeschule nämlich bald fertig saniert und die Kinder können aus der Containeranlage ausziehen. Da stehen die nächsten Kandidaten vor der Haustür. Der Standort weckt Begehrlichkeiten. Der städtische Baudezernent Jan Schneider hat den Standort jüngst als mögliches Provisorium für die Ginnheimer Diesterwegschule ins Spiel gebracht.

Man kennt das. Die Grundschule im Nachbarstadtteil ist marode, muss saniert werden. Einen Standort für eine Auslagerung sucht die Stadt bislang vergeblich. Da ist dem Baudezernenten eben die Containeranlage in Bockenheim eingefallen.

Die Anwohner der Ginnheimer Straße sind allerdings entsetzt. „Die Buben und Mädchen aus Bockenheim“, sagt Goetz liebevoll, habe man gerne in der Nachbarschaft beherbergt, es war ja ein Notfall, wo hätten die Franckeschüler sonst hin gesollt? Das „liebevoll“ ist durchaus wichtig zu betonen. Goetz hat auf ein erstes öffentliches Beschwerdeschreiben Drohbriefe erhalten, die ihn als Kinderhasser verunglimpfen, der sich nur wegen des Kinderlärms sorge. Das treffe ihn hart, sagt er, jahrelang habe er mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet.

„Die zunächst als Provisorium gedachten Container im Grüngürtel sollen zur Dauernutzung werden“, fürchtet er. Erst kämen die Ginnheimer Kinder, dann die Eschersheimer. Schließlich die Zeilsheimer und Oberräder. Er übertreibt ein bisschen. Doch den Containerstandort habe die Untere Naturschutzbehörde ausschließlich „für die Dauer der Baumaßnahme Franckeschule“ genehmigt. Nun habe die Behörde einer Verlängerung um fünf Jahre zugestimmt, regt sich Goetz auf. Was ausgerechnet der Ortsbeirat 2 beantragt habe, der somit seinen Bürgern in den Rücken falle.

Der allerdings sieht die Angelegenheit etwas gelassener. Die Verlängerung des Containerstandorts hat das Gremium angeregt, weil zu dem Zeitpunkt nicht klar war, ob die Franckeschule rechtzeitig fertig würde, erklärt Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU). Der Vorstoß von Baudezernent Schneider, die Diesterwegschule dort unterzubringen, sei überdies nur eine Anregung, sagt Martin Völker, Fraktionsvorsitzender der SPD im Ortsbeirat.

„Das ist längst nicht ausdiskutiert“, findet er. Weder Eltern noch Schulleitungen seien begeistert gewesen von der Idee. „Die Franckeschule sollte auch ursprünglich nach Ginnheim“, erinnert sich Völker. Was großer Protest verhindert habe.

Andererseits gebe es großen Sanierungsbedarf bei den Frankfurter Schulen, das lassen einige Ortsbeiräte durchblicken. Womöglich wäre eine Verlängerung des Standorts an der Ginnheimer gar nicht so verkehrt. „Das war vorher ein zugewucherter Ascheplatz“, sagt Hans-Jürgen Hammelmann von den Linken. „So ist er wenigstens sinnvoll genutzt.“

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