+
„Freiheit sucht Weg!“ lautet der Titel des Buches, aus dem Schüler selbstgeschriebene Texte vorlasen

Bockenheim

Die Freiheit, selbst zu schreiben

Literatur-Fest „Fünf Jahre Schreibkunst“ an der Max-Beckmann-Schule. Gymnasiasten aus Darmstadt, Maintal und Frankfurt tragen selbstgeschriebene Texte vor.

Was ist Freiheit? Darauf gibt es viele Antworten. Auch unter den Schülern, die am Dienstagabend in der Aula der Max-Beckmann-Schule aus selbstgeschriebenen Texten lesen. Die 13 Jahre alte Vivien Ruby von der Darmstädter Lichtenbergschule etwa denkt dabei an demokratische Wahlen und „das Recht, sich zu äußern“. Ihre Überzeugung, dass Freiheit „sich immer durchsetzen wird“, hat sie zu einer Collage aus ausgeschnitten Zeitungsbuchstaben verarbeitet: „Freiheit sucht Weg!“. Drei Wörter, die im Kopf bleiben.

Vermutlich ging es Erika Schellenberger-Diederich nicht anders. Sie ist Literaturkoordinatorin im hessischen Kultusministerium und hat das Buch herausgegeben, aus dem die Schüler vorlesen. Sein Titel: „Mal ist da diese Steinschicht über meinem Herzen, mal ist sie da nicht oder: Freiheit sucht Weg!“. Darin enthalten sind 101 Texte unterschiedlicher Länge; manche tiefsinnig und politisch, andere einfach nur schön und unterhaltsam – aber allesamt von Schülern selbst geschrieben.

Schriftsteller wie Thomas Hettche haben sie unterstützt, in Workshops und Veranstaltungen wie einem „literarischen Frühstück“. So sieht es das Konzept des hessischen Landesprogramms „Schreibkunst“ für kreatives Schreiben vor. Es setzt vor allem bei gymnasialen Oberschülern an und möchte zu ihrer „Studierfähigkeit“ beitragen, sagt Schellenberger-Diederich, die das Programm leitet. In der Aula feiert die „Schreibkunst“ Geburtstag: Fünf Jahre, in denen schon zwei Bücher entstanden sind, die in jedem Buchladen gekauft werden können.

Um Teil der „Schreibkunst“ zu werden, müssen sich die Schulen bewerben. Neben der Lichtenberg- und Max-Beckmann-Schule tragen an diesem Abend Schüler von der Albert-Einstein-Schule aus Maintal und der Marburger Elisabethschule vor.

Nina Schacht geht auf gar keine Schule mehr, sie hat ihr Abitur bereits in der Tasche. Wenn die 19-Jährige nicht gerade an ihrem Fantasyroman über griechische Mythologie schreibt, ist sie an ihrer ehemaligen Elisabethschule im literarischen Arbeitskreis aktiv. Ihr Geschichte, die sie vorliest, heißt „Die fliehende Zeit“. Darin geht es um die Frage, ob Zeit Wunden heilen kann. Der Text ist „so ein bisschen mein Herzstück“, sagt sie. Mehrfach habe sie ihn schon überarbeitet und einzelne Wörter oder Passagen ersetzt.

Der Auftritt der Schüler endet mit einem Vortrag, der mit niemanden abgesprochen ist: Louis Hergenhahn von der Max-Beckmann-Schule betritt die Bühne. Er zündet sich eine Zigarette an. „Ich atme ein, die tote Luft“, beginnt er zu sprechen – und zieht an seiner Kippe. Er habe es selbst vermasselt, an der „Schreibkunst“ teilzunehmen, erklärt der 19-Jährige später. Sein Gedicht über das Rauchen wollte er aber unbedingt vortragen. Es endet auf die Worte „Und meine lila Lippen halten, was mir für kurze Zeit Befreiung schenkt“.

Autor: Max Sollner

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare