+
Eine Jugendliche schaukelt, die anderen sorgen für eine Zirkusatmosphäre.

Bockenheim

Strahlende Augen auf der Bühne

  • schließen

Ein Theaterprojekt geht auf die Bedürfnisse von Jugendlichen mit Beeinträchtigungen ein. Stück für Stück entsteht dabei die Aufführung.

Dass Theater mehr sein kann als das klassische Stück auf der großen Bühne, wird im sogenannten Bewegungsraum der Frankfurter Lebenshilfe schnell klar. Jugendliche und Erwachsene formen Standbilder: Die eine stellt einen Baum dar, der andere eine dazu passende Blume, ein weiterer Jugendlicher einen Apfel. Auch die Kombinationen Tor, Ball und Fußballspieler sowie Model und Fotografin werden gezeigt. Das alles ist Teil des Theaterprojekts der Lebenshilfe, das in dieser Woche läuft und am Freitag mit einer Aufführung für Eltern und Freunde endet.

Verantwortlich sind zwei Abteilungen der Lebenshilfe. Zum einen die ambulante Familienhilfe, zum anderen das Projekt „Together“, das das Ehrenamt in der Arbeit mit Geflüchteten koordiniert. Zwei der Teilnehmer haben einen Fluchthintergrund. Die Versorgung in der Mittagspause übernehmen zwei ehrenamtliche Kräfte, Lore Steinkilberg und Astrid Schulz. Schulz wird dafür von ihrer Arbeit freigestellt, sie freut sich vor allem darüber, „meinen Horizont zu erweitern“.

Theaterprojekt: Alle Teilnehmer sind beeinträchtigt

Denn die Jugendlichen zwischen zwölf und 16 Jahren, die gemeinsam mit ihren jeweiligen Betreuern an dem Theaterprojekt teilnehmen, haben alle eine Beeinträchtigung. Für Theaterpädagogin Andrea Wodniok kein Problem: „Die Arbeit ist nicht anders als mit Jugendlichen ohne Beeinträchtigung.“ Auch die hätten manchmal schwierige Phasen, würden ihren eigenen Kopf durchsetzen, ergänzt Tanzpädagogin Maren Forner, die zusammen mit Wodniok das Projekt in dieser Woche, das so erstmals stattfindet, leitet.

Kern ihrer Arbeit: Verschiedene Geschichten und Themen, die die Jugendlichen teilweise selbst einbringen, zusammenbringen. Da gibt es zum Beispiel den Jungen, dessen große Leidenschaft Flugzeuge sind. Die anderen stellen einen Flughafen dar, mit Landebahn, Tower, einem Piloten und Koffern. Doch der Junge selbst will nicht mitmachen. Ein typisches Verhalten für Autisten wie ihn. Und kein Problem für die anderen. Seine Betreuerin fährt mit ihm zum Flughafen, auf der Besucherterrasse machen sie Fotos von Flugzeugen, die er am nächsten Tag zeigt. Und als die Landebahn erneut aufgebaut wird, nimmt er plötzlich sein Modellflugzeug und wird so doch noch Teil des Ganzen.

Bockenheim: Alles ist möglich 

Oder das Mädchen, das gerne schaukelt. Das kann sie im Bewegungsraum machen, was sie exzessiv ausnutzt. Die anderen nutzen das schnell, bauen um sie herum eine Zirkus-Szenerie auf, mit Direktoren und Dompteuren, ein Kind jongliert spontan. Und die, die nicht mitspielen wollen, sind das Publikum. „So können wir wirklich alle Kinder mit einbeziehen“, erklärt Andrea Wodniok das Prinzip ihres Vorgehens.

Für Maren Forner gibt es dabei ein Leitmotiv: „Ich will die Menschen schön machen.“ Diese Schönheit richtet sich nicht nach Normen, nach Äußerlichkeiten. Sie äußert sich in den Gesichtern der Jugendlichen. „Der Junge mit der Flugzeug-Leidenschaft hatte ein Strahlen in den Augen. Und darum geht es.“

Auch interessant: 

Im Schein der Taschenlampe durchs Senckenberg Museum

Im Frankfurter Senckenberg Naturmuseum geht es manche Nacht wachsamer zu als während der täglichen Öffnungszeiten.

Im Stadtwald Frankfurt sterben die Bäume

Die extreme Trockenheit hat den Bäumen im Stadtwald zugesetzt. Zehntausende müssen gefällt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare