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Beliebte Buchhändlerin in Frankfurt gibt auf: Nachfolge in der Schwebe

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Von: Alexandra Flieth

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Inge Endres will sich wieder mehr der Malerei widmen.
Inge Endres will sich nach der Übergabe ihrer Buchhandlung „Middle Earth“ in Frankfurt-Bockenheim wieder mehr der Malerei widmen. © Rainer Rüffer

Nach 50 Jahren gibt Inge Endres die älteste esoterische Fachbuchhandlung dieser Art auf. Sie sucht eine Nachfolge in Frankfurt.

Frankfurt – Mittelerde ist die Heimat der Hobbits, jener Figuren, die 1937 erstmals im gleichnamigen Roman des britischen Schriftstellers J.R.R. Tolkien in Erscheinung traten und durch sein wohl berühmtestes Buch „Der Herr der Ringe“ zu wahren Helden wurden. Der fiktive Kontinent, auf dem die Handlungen der Geschichten spielen, war vor langer Zeit Inspiration für die Namensgebung der kleinen Buchhandlung in der Landgrafenstraße 13 in Bockenheim, die „Middle Earth“ heißt und ihre Türen erstmals im Jahr 1970 öffnete.

„Damals noch in der Markgrafenstraße“, erzählt es Inhaberin Inge Endres (74), die 1972 die Buchhandlung in Frankfurt übernahm. Es war die erste esoterische Fachbuchhandlung Deutschlands, gegründet von Wolfgang Jünemann, der mit seinem Wechsel ins Verlagsgeschäft den Laden an sie und ihren damaligen Freund abgegeben habe.

Frankfurt: Was wird aus Buchhandlung „Middle Earth“ in Bockenheim?

Genau 50 Jahre liegt dies nun zurück. Jahrzehnte, in der sie ihr Geschäft mit großer Leidenschaft führte. Doch damit soll schon bald Schluss sein, wie sie sagt. Ende November werde sie 75 Jahre alt und nun sei es auch Zeit, in den Ruhestand zu gehen. Ein Aushang am Schaufenster informiert Kund:innen und Passant:innen darüber, dass sie auf der Suche nach einer Nachfolge für die Buchhandlung ist. Stichtag ist der 1. März des kommenden Jahres. Bis dahin möchte sie die notwendigen Vorbereitungen für die Übergabe getroffen haben, kann sich aber durchaus vorstellen, danach für zwei Tage pro Woche mitzuhelfen. „Es gibt bisher drei Interessenten“, sagt sie. Mehr stehe zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht fest.

Inge Endres, die Anfang der 70er-Jahre Kunst an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studiert hat, möchte sich ab dem kommenden Jahr verstärkt wieder der Malerei zuwenden, wie sie sagt. Ihr Interesse an Buddhismus brachte sie einst zur Selbstständigkeit als Buchhändlerin. „Ich bin über einen früheren Freund mit dem Buddhismus in Berührung gekommen“, erinnert sie sich. Literatur zu dem Thema sei noch Ende der 60er Jahre nur schwer zu bekommen gewesen. Bis heute zählt die Übersetzung von Karl Eugen Neumanns „Reden des Buddha“ zu den Büchern, die ihr persönlich sehr wichtig sind.

Neben der Fachliteratur finden Interessierte dort auch ätherische Öle, Räucherstäbchen, Meditationskissen oder Yogamatten. Seit dem Umzug Anfang der 2000er Jahre von der Markgrafen- auf die Leipziger Straße sei das Angebot um Belletristik, Krimis und Kinder- und Jugendbücher erweitert worden, erzählt Inge Endres. Im Jahr 2013 sei schließlich der Umzug ins Geschäft in die Landgrafenstraße 13 erfolgt. Dort lasse sich das erweiterte Sortiment sehr gut präsentieren aufgrund der L-Form des Raumes, der eine thematische Trennung möglich mache.

Esoterische Fachbuchhandlung „Middle Earth“ in Frankfurt: Inhaberin will mindestens einen Schritt zurücktreten

„Als ich die Fachbuchhandlung zusammen mit einem früheren Freund übernommen habe, studierte ich noch“, so Endres. „Mit Kunst war es schwer, Geld zu verdienen, aufgeben wollte ich sie aber nicht.“ Die Übernahme der Buchhandlung sei eine Möglichkeit gewesen, Geld zu verdienen und künstlerisch tätig zu sein. „Wir hatten damals zu fünft ein Atelier im Nordend, in dem wir auch Ausstellungen organisiert haben“, sagt sie weiter.

Als ihre beiden Söhne zur Welt kamen, habe sie die Woche zwischen Familie, Buchladen und Atelier aufgeteilt. Am Ende habe sie das Atelier aufgegeben und sich ganz auf Familie und Buchladen konzentriert. Mittlerweile sind ihre Söhne 40 und 42 Jahre alt. Der ältere lebt heute in Paris, ist Zen-Mönch und leitet dort einen Buchverlag für spirituelle Literatur. Spiritualität bedeute für sie Ethik sowie die Einbeziehung der Mitmenschen und ihrer Umgebung, so ihre persönliche Sicht auf den thematischen Schwerpunkt ihres Fachbuchladens. „Für mich hat Spiritualität etwas mit universeller Wahrheit zu tun.“ (Boris Schlepper)

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