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Anne Driessen würde das pädagogische Angebot der Stadtteilbibliothek Bockenheim gerne ausbauen.

Bockenheim

Bockenheim-Bibliothek darf nicht wachsen

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Der Magistrat lässt die Chance verstreichen, größere Räume für die Einrichtung anzumieten.

Mit so einer Gelegenheit rechnet Anne Driessen kein zweites Mal. Der Umzug ins Hinterhaus wäre rasch gemacht und kostengünstig noch dazu. Die Bockenheim-Bibliothek hätte sich auf einer doppelt so großen Fläche neu einrichten können, der Verein Lesezeichen, dem Driessen als Geschäftsführerin vorsteht, hätte sich in die Konzeption pädagogischer Angebote stürzen können.

Die Besucher müssten sich nicht einmal eine neue Adresse merken. Kurfürstenstraße 18. Dem Mietvertrag, der seit März bereitliegt, fehlte einzig die Unterschrift des Liegenschaftsamtes. Doch ist er wohl aus, der Traum. Vergangene Woche hat die CDU in der Koalitionsrunde gegen die Erweiterung der Stadtteilbibliothek gestimmt.

SPD und Grüne sind dafür, die neuen, leer stehenden und statisch geprüften Räume für die Stadtteilbibliothek zu mieten. Das sagte Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) auf Anfrage.

Stadt unterstützt die ehrenamtlichen Bibliothekare mit zwei städtischen Kräften

„Seit Dezember hangeln wir uns von einer Vertröstung zur nächsten“, sagt Driessen. Seit 2017 unterstützt die Stadt die fünf ehrenamtlichen Bibliothekare mit zwei städtischen Kräften. Nur so können die Öffnungszeiten überhaupt garantiert werden. Als die Stadtteilbibliothek 2003 auf einen Beschluss des Magistrats hin geschlossen werden sollte, gründete sich der Verein Lesezeichen und führte sie unter dem Namen Bockenheim Bibliothek weiter. Ehrenamtlich und an der Belastungsgrenze, auf viel zu engem Raum.

Das Unterbringen der rund 13.000 Medien ist dabei nicht einmal das größte Problem. Vielmehr ist es die Idee einer modernen Bibliothek, die Raum fordert. Es kommen viele Personen aus Familien, die beengt wohnen, sagt Driessen, die Zuhause nicht in Ruhe arbeiten, Zeitung lesen oder lernen können. Die Bibliothek soll und könnte Treffpunkt und Arbeitsstätte sein.

Auch die pädagogische Arbeit, die der Verein machen möchte, scheitert am Platz. „Wir müssen mit den Kindern auf dem Fußboden malen“, sagt Driessen, „und haben keinen Platz für die Hausaufgabenbetreuung“. Von Lesungen ganz zu schweigen.

Bibliothek wurde neuer Standort angekündigt

Im Haushaltsentwurf 2018 wurde der Bibliothek bereits ein neuer Standort angekündigt. Im Haushaltsentwurf 2019 steht gar konkreter: „Die Bockenheim Bibliothek soll auf dem bisherigen Gelände in größere Räume umziehen.“ Die Stadtbücherei sei dezentral strukturiert, böte ein „differenziertes Angebot an Medien“ und verfolge dabei „ihre bildungspolitischen Aufgaben“. So fern von der Vorstellung des Vereins klingt das eigentlich nicht.

Doch die Frage stellt sich erneut: Wie geht es weiter? „Langfristig werden wir so zu einer Abholstation“ für vorbestellte Medien, befürchtet Driessen. Die Bibliothek wird zwar vorerst weiter in ihren Räumen bleiben, und auch auf die Öffnungszeiten soll das ablehnende Votum der CDU im Magistrat keine Auswirkungen haben. „Aber es hat Auswirkungen auf unsere Motivation“, sagt Driessen.

Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) sagte auf Anfrage: „Der Bedarf einer größeren Bibliothek in Bockenheim ist da.“ Die Zahl der Ausleihen sei in den vergangenen zehn Jahren um 120 Prozent gestiegen, die Bockenheimer Bibliothek sei von dieser Zahl her nun die größte der Stadtteilbibliotheken. „Deshalb muss auf den Bedarf reagiert werden.“

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