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Chillen auf Parkplätzen

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Von: Boris Schlepper

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In der Pücklerstraße in Berlin-Kreuzberg steht bereits ein Parklet. Foto: SenUMVK Berlin/ Iris Gesang
In der Pücklerstraße in Berlin-Kreuzberg steht bereits ein Parklet. © SenUMVK Berlin/ Iris Gesang

Der Ortsbeirat 2 will Stadtmöbel und Grün statt Stellflächen für Autos. Die Initiative Bockenheim außer Haus hatte die Idee zu den sogenannten Parklets.

Eine Sitzecke in Kombination mit einem kleinen Garten könnte demnächst auf einem Parkplatz in Bockenheim entstehen. Der Ortsbeirat 2 will prüfen lassen, welcher Standort im Karree zwischen Schloß- und Gräfstraße sowie Adalbert- und Robert-Mayer-Straße für das sogenannte Parklet dauerhaft umgewidmet werden kann. Das Stadtteilgremium verabschiedete einen entsprechenden Antrag von CDU und Grünen, die ihre Idee von der Bürgerinitiative „Bockenheim außer Haus“ übernommen haben.

Deren Mitglieder sind es auch, die – sobald der Magistrat grünes Licht gibt – zusammen mit Anwohnenden die weitere Konzeption und auch den Bau des Parklets übernehmen wollen, erläuterte Vera Neisen in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats zusammen mit ihren Mitstreiterinnen Anna Erdelmann und Nina Waibel-Rohde. Die Initiative hat sogar bereits das Geld, um das Vorhaben zu finanzieren. 4000 Euro haben sie im Rahmen der Aktion „Stark für Dein Projekt“ der Nassauischen Heimstätte gewonnen. Auch einen Schreiner habe die Gruppe bereits an der Hand.

„Wir wollen einen Treffpunkt und mehr Grün schaffen, wo sonst Autos stehen“, erläutert Neisen die Idee. Varianten gebe es viele, so Waibel-Rohde. Denkbar seien Sitzmöglichkeiten, Arbeitsplätze ebenso wie Gärten oder Liegestühle. In Städten wie Heidelberg, München oder Wien gibt es die Konstruktionen bereits. Die Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz in Berlin hat im vergangenen Sommer beschlossen, Vereine, Initiativen und öffentliche Einrichtungen beim Bau von bis zu 100 Parklets mit bis zu 350 000 Euro zu fördern.

Auch in Frankfurt ist der Ortsbeirat 2 von der Idee der nicht-kommerziellen Orte für Begegnungen und mehr Grün angetan. Durch diese könnten Straßen aufgewertet und mehr Aufenthaltsqualität geschaffen werden. Er will vom Magistrat prüfen lassen, wie ein Gesamtkonzept für die zusätzliche Begrünung Bockenheims durch Parklets aussehen könnte, heißt es in der Vorlage. Dabei sollen bestehende Grünflächen und der zu erwartende Pflegeaufwand berücksichtigt werden. Das Gremium ist bereit, für weitere Standorte Geld aus seinem Budget zu geben. Geeignet seien Straßen mit wenig Grünflächen oder schmalen Bürgersteigen, die ansonsten wenig Platz zum Verweilen bieten.

Bockenheim außer Haus hat sich bereits Gedanken über einen Standort gemacht. Möglichst keine Anwohner:innen sollen durch diese gestört werden, sagt Nina Neisen. Ungünstig sei auch ein Platz an einer Kreuzung oder vor einem Lokal. Geeignet ist nach Ansicht der BI etwa eine Stellfläche vor einem Copyshop in der Jordanstraße. Dort will die Gruppe am 12. März erstmals mit Nachbarinnen und Nachbarn ins Gespräch kommen und erklären, was ein Parklet ist und was es kann. Und was die Anwohnenden für Ideen und Wünsche haben.

Es ist nicht das einzige Projekt, mit dem die Bürgerinitiative ihr Quartier attraktiver machen möchte. Aktiv werden will sie erneut am Tilly-Edinger Platz, den sie schon länger kinderfreundlicher und lebenswerter machen möchte (die FR berichtete). Geplant sei, die Bänke zu verschönern und die gelben Pop-up-Möbel, die Anwohner:innen im vergangenen Jahr aufgebaut haben, solider zu machen, erklärt Anna Erdelmann. Geplant sei zudem, weitere wetterfeste Möbel, die ein Produktdesigner entwickelt habe, in einer nachbarschaftlichen Aktion aufzubauen. Annika Schipper (Linke) regte an, den Platz zusätzlich durch eine Tischtennisplatte zu beleben.

Eine Fortsetzung soll es vom Spiel- und Nachbarschaftsstraßenfest in der Kiesstraße geben. Am 2. Juli und am 17. September will die BI die Straße für Autos sperren lassen. Geplant sei, dieses Mal Initiativen aus anderen Stadtteilen einzuladen, selbst ähnliche Aktionen an diesem Tag zu veranstalten, sagt Erdelmann. Die Bockenheimer seien dafür bereits im Gespräch mit Gruppen am Riedberg, in Sachsenhausen und am Dornbusch.

Um für mehr Grün im Stadtteil zu sorgen, will die Gruppe eine Kartierung des Viertels vornehmen. Sie wolle schauen, erläutert Waibel-Rohde, „wo es Potenziale und wo es nur versiegelte Flächen gibt“. Mehrfach schon habe der Magistrat es abgelehnt, etwa neue Bäume zu setzen, da Leitungen gestört würden, sagt Erdelmann: „Es müsste aber ein paar Quadratmeter Platz geben, wo man einen Baum pflanzen kann!“ Zudem seien Alternative wie Pflanzkübel denkbar.

Wenn die Stadt Frankfurt pflanzen wolle, dann könne sie das auch, ist sich Hans-Jürgen Hammelmann von den Linken im Ortsbeirat sicher. Das habe sie schon mehrfach bewiesen und Bäume trotz Leitungen gesetzt.

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