BI-Sprecher Tobias Jörgens will die Bäume retten. 
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BI-Sprecher Tobias Jörgens will die Bäume retten. 

Frankfurt-West

Bürgerinitiative befürchtet Kahlschlag

  • Sonja Thelen
    vonSonja Thelen
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  • Boris Schlepper
    Boris Schlepper
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Anwohner kritisieren die Baumfällungen zur Entwicklung des Schönhofviertels an der Rödelheimer Landstraße. Das Planungsdezernat geht davon aus, dass das neue Quartier grüner wird als das derzeitige Gewerbegebiet.

Die Entwicklung des künftigen Wohnquartiers „Schönhofviertel“ südlich der Rödelheimer Landstraße rückt näher. Die Abriss- und Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Siemens-Areal sowie auf Nachbarflächen sind im Gange. Einige Bäume sind bereits gefällt worden, vor allem entlang der Rödelheimer Landstraße. Weitere 400 Bäume seien gefährdet. Das befürchten Anwohner, die sich jetzt zur Bürgerinitiative Grüne Rödelheimer Landstraße zusammengetan haben. In einem Brief an die Stadtverordnetenversammlung, der der FR vorliegt, protestiert die Gruppe gegen die Baumfällarbeiten. Knapp 130 Menschen haben das Schreiben unterzeichnet.

Der Bebauungsplan B 834 „Südlich Rödelheimer Landstraße“, der ein rund 28,5 Hektar großes Gebiet umfasst, befindet sich derzeit im Verfahren. Die zweite öffentliche Auslegung endete im Januar. Momentan werden die eingegangenen Stellungnahmen bewertet und abgewogen. Auf dem Areal sollen 2000 Wohnungen entstehen. Für 85 Bäume hat die Untere Naturschutzbehörde das Fällen genehmigt, der BUND hatte die Fällungen kritisiert (die FR berichtete).

Die BI befürchtet einen Kahlschlag. 531 Bäume stünden auf dem Areal, nur zehn blieben stehen. Die Fällung der ersten Bäume habe die Stadt genehmigt, obwohl das Planverfahren nicht abgeschlossen ist. Nach Ansicht der BI könnte ein Großteil der Bäume erhalten bleiben, indem die geplante Bebauung um 8 bis 15 Meter nach hinten versetzt werde. Denn viele Bäume stünden am Rand des Areals. Die Stadt habe die Möglichkeiten aber nicht einmal geprüft, sondern über 500 Bäume pauschal „weggeplant“. Das zeige, dass die Stadt sich auf Werte ökologisch nachhaltigen Städtebaus bloß berufe, aber nicht „daran denke, auch danach zu handeln“, so die Initiative. Sie lehnt Ausgleichpflanzung ab: Ein „neugepflanztes Bäumchen“ sei kein Ersatz für einen jahrzehntealten Baum. Die BI fordert deshalb „ein freundliches durchgrüntes Stadtviertel mit abwechslungsreichem, individuellem Stadtbild und menschlich dimensionierten Häusern“.

Schreiben vermittele falschen Eindruck

Das Schreiben vermittele einen völlig falschen Eindruck, widerspricht der Sprecher des Planungsdezernats Mark Gellert: „Wir reden hier nicht über einen idyllischen Wald, der beseitigt wird, sondern über ein in die Jahre gekommenes Gewerbegebiet, das zu einem gemischt-genutzten Quartier mit dem Schwerpunkt Wohnen weiterentwickelt werden soll.“ Bisher sei das Areal weitgehend versiegelt. Künftig entstehe dort eine mehr als 27 000 Quadratmeter große „grüne Mitte als Park“. Im Vergleich zu heute werde das Areal „sehr viel stärker durch Grün geprägt sein“. Von einem Kahlschlag könne nicht die Rede sein. Wie viele Bäume beseitigt werden, lasse sich derzeit auf Ebene der Bauleitplanung nicht abschließend klären, sagt Gellert. Es sei aber davon auszugehen, dass die Mehrzahl im Zuge der Umsetzung des Bebauungsplans gefällt werden müssten. Der Verlust werde durch Neupflanzungen und „ökologisch motivierte Festsetzungen“ ausgeglichen. So sollen Bäume, vor allem entlang der Rödelheimer Landstraße, der Ludwig-Landmann-Straße und der Kasernenstraße, erhalten bleiben. Überdies werden 137 neue Straßen- und 108 Parkbäume in der öffentlichen Grünfläche sowie Bäume auf privaten Baugrundstücken gepflanzt.

Dass es bereits zu Baumfällungen komme, liege nicht am Bebauungsplan, widerspricht Gellert. Das wisse auch die BI, die sich „bewusst irreführend“ äußere. Jeder Grundstückseigentümer könne Baumfällanträge stellen. Hierüber entscheidet die Untere Naturschutzbehörde. Diese habe alle 85 Bäume, die zum größten Teil neben einem Gebäude stehen, das abgerissen wird, überprüft. Die Genehmigung sei mit der Auflage einer Neupflanzung von ebenso vielen Bäumen verknüpft worden.

Tobias Jörgens von der Bürgerinitiative hatte erst vor kurzem den zuständigen Ortsbeirat 7 kritisiert. „Zusammen mit Köln ist Frankfurt die heißeste Stadt Deutschlands.“ Fehlendes Grün werde die Stadt noch mehr aufheizen. „Halten Sie das unter dem Aspekt für eine gelungene Planung?“, fragte er die Stadtteilpolitiker. Diese bedauerten zwar das Fällen der Bäume. SPD, FDP, CDU und Bündnis 90/Die Grünen waren sich indes einig, dass der Bau des Wohngebiets angesichts des angespannten Frankfurter Wohnungsmarkts zu wichtig sei. Zudem sei das neue Viertel mit Park, neuen Bäumen und begrünten Dächern ökologisch ausgerichtet.

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